# taz.de -- Umstrittenes Gutachten zur Energiewende: Neue Hinweise auf Einflussnahme des Wirtschaftsministeriums
> Greenpeace hat 28 Änderungen am Energiewende-Monitoring aufgedeckt. Laut
> Ministerium gehen sie auf die Wissenschaftler zurück. Doch es gibt
> Zweifel.
(IMG) Bild: Gilt nicht als Freundin der Energiewende: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
Der Verdacht auf Einflussnahme des Bundeswirtschaftsministeriums auf das
wissenschaftliche Energiewende-Monitoring bekommt neue Nahrung. Das Haus
von Katherina Reiche (CDU) hat [1][Vorwürfe der Umweltorganisation
Greenpeace zu Änderungen an dem Gutachten] mit Hinweis auf einen Bericht
der Bundesnetzagentur zurückgewiesen, der erst nach der Abgabe der
ursprünglichen Fassung veröffentlicht wurde. Doch dieser Bericht wurde dem
begutachtenden Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln
(EWI) bereits vorab zugestellt, berichtet [2][der Newsletter-Dienst
Table.Briefings].
Der Hintergrund: Reiche hat im Frühsommer beim EWI das Gutachten in Auftrag
gegeben. Diese Expertise soll Grundlage für weitere Entscheidungen sein.
Kritiker:innen fürchten, dass die Ministerin das Monitoring [3][als
Grundlage für ein Abwürgen der Energiewende nutzt]. Deshalb sind Hinweise
auf eine Einflussnahme brisant.
Ende August hat das Ministerium einen Entwurf vom EWI bekommen, im
September veröffentlichte Reiche die finale Fassung. Greenpeace hat nach
einem Antrag im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetzes Zugang zu dem
Entwurf sowie dem E-Mail-Verkehr zwischen den Gutachtern und dem
Ministerium bekommen. [4][Ein Vergleich mit der veröffentlichten Fassung
zeigte 28 Änderungen], die Greenpeace zufolge weit über rein redaktionelle
Eingriffe hinausgehen.
Erst einen Tag nach dieser Veröffentlichung und entsprechenden
Presseanfragen nahm das Ministerium dazu Stellung. Ein Sprecher teilte der
taz und anderen Medien mit, das Ministerium habe keine Änderungen an dem
Gutachten vorgenommen. „Unterschiede zwischen dem ursprünglichen
Berichtsentwurf von Ende August gegenüber dem finalen Bericht gehen
ausschließlich auf Änderungen der Gutachter selbst zurück“, hieß es. Als
Grund wird dafür der am 3. September erschienene Bericht der
Bundesnetzagentur zur Versorgungssicherheit angeführt.
## Gutachter wollten nichts mehr ändern
Doch dieser Bericht hat Table.Briefings zufolge den Gutachtern schon vorher
vorgelegen. Das Institut habe den Bericht am 6. August vorab bekommen. Das
gehe aus dem E-Mail-Verkehr hervor, schreibt Table.Briefings. Die
Änderungen könnten deshalb nicht mit dem Bericht der Bundesnetzagentur in
Zusammenhang stehen. Dafür spräche auch, dass die im Gutachten verwendeten
Zahlen in den Fassungen von Ende August und von September die gleichen
seien. Dass die Abweichungen auf die Wissenschaftler und nicht auf das
Ministerium zurückgehen, erscheint zweifelhaft. Denn die Gutachter haben
laut Table.Briefings am 29. August explizit erklärt, keine Änderungen mehr
vornehmen zu wollen. Das Ministerium habe dem EWI aber mitgeteilt, es werde
das Institut informieren „ob und welche Anpassungen erforderlich werden“.
Das Bundeswirtschaftsministerium bleibt bei seiner Darstellung. „Wie
bereits dargelegt, liegen alle Änderungen, die die Gutachter zwischen der
Entwurfs- und der finalen Fassung des Berichts am Bericht vorgenommen
haben, in der Verantwortung der Gutachter“, sagte eine Sprecherin der taz.
Die Gutachter hätten Gelegenheit zum fachlichen Austausch mit der
Bundesnetzagentur gehabt. Der habe auch einen vertraulichen Einblick in den
Bericht zur Versorgungssicherheit umfasst, bestätigte sie. Das EWI ist für
Anfragen erst wieder am 5. Januar erreichbar.
29 Dec 2025
## LINKS
(DIR) [1] /Umstrittenes-Gutachten-zur-Energiewende/!6138830
(DIR) [2] https://table.media/climate/analyse/energiewende-monitoring-warum-die-bmwe-begruendung-zu-aenderungen-am-bericht-nicht-ueberzeugt
(DIR) [3] /Energiewende-in-Gefahr/!t6104366
(DIR) [4] https://www.greenpeace.de/publikationen/2025-12-16-greenpeace-Versionsvergleich-Monitoring-der-Energiewende-Bewertung.pdf
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
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