# taz.de -- Filme mit Brigitte Bardot: Der gierige Blick des Publikums
       
       > In ihren Filmen verkörperte Brigitte Bardot die weibliche Versuchung. Dem
       > reduzierenden und ausbeuterischen „male gaze“ entzog sie sich
       > letztendlich trotzdem.
       
 (IMG) Bild: Der „male gaze“ auf Brigitte Bardot, hier in „Et Dieu… créa la femme“ 1965 mit Jean-Louis Trintignant
       
       Einer der frühen „Skandalfilme“ Brigitte Bardots trägt seinen angeblichen
       Skandal bereits im Titel: In „[1][Manina, la fille sans voile]“, also
       „Manina, das Mädchen ohne Schleier“ von 1952 spielt die 18-Jährige in ihrem
       erst zweiten Leinwandauftritt die Tochter eines Leuchtturmwärters, in die
       sich die Besatzung eines Schatzsucherschiffs verguckt.
       
       In einer damals zu Schnappatmung führenden Szene schleicht sich einer der
       Männer an die Schlafende heran und versucht sie zu küssen. Beim Aufwachen
       über den angedeuteten „sleep rape“ rutscht dem Mädchen der lose
       Bikiniträger von der Schulter und entblößt ihre Brust. Der gleichermaßen
       dämliche englische Titel des problematischen Schwarz-Weiß-Films
       rekapituliert andeutungsvoll die Szene: „Manina, the girl in the bikini“.
       
       Vier Jahre später zieht sich Bardot in Roger Vadims „[2][Et Dieu… créa la
       femme]“ als weibliche Versuchung vor den gierigen Blicken mehrerer, auch
       älterer Männer aus, und der Fokus von Öffentlichkeit und Presse auf ihre
       Brüste nimmt groteske Formen an. Ebenfalls 1956 spielt sie in „[3][En
       effeuillant la marguerite]“ („Das Gänseblümchen wird entblättert“) eine
       Studentin, die einen Stripteasewettbewerb gewinnen möchte.
       
       ## Das Starren des männlichen Publikums
       
       Mit dem so ausbeuterischen wie reduzierenden „male gaze“ hatte die
       Schauspielerin also jede Menge Erfahrung, als sie 1963 [4][in Jean-Luc
       Godards] „[5][Le mépris]“, „Die Verachtung“, spielte – und sich erstmals
       bewusst genau diesem Blick zu entziehen scheint: In der legendären ersten
       Szene liegt sie zwar noch nackt neben dem (angezogenen) Michel Piccoli, und
       fragt ihn, ob und wie sehr er ihre verschiedenen Körperteile mag, lässt
       ihren Körper dabei gleichsam durch seine Augen entstehen.
       
       Doch im Laufe des Films, in dem der Regisseur Paul (Piccoli) seine
       Kunstidee zugunsten von Kommerz verkauft, wendet sich Bardots Charakter
       Camille von ihm ab. Sie beginnt, ihn zu verachten; verwandelt sich mit
       schwarzer Perücke oder Sonnenbrille auch bildlich in eine andere Frau, die
       den Konsens deutlich verweigert: „Es ekelt mich, wenn du mich anfasst“,
       sagt sie zu Paul. „Wieso liebst du mich nicht mehr?“, fragt Paul sie
       später. Und Camille antwortet, mit einer in vorherigen Rollen noch nie
       dagewesenen Lakonie: „C’est la vie.“
       
       Auch wenn Drehbuch und Idee von Godard selbst stammen, der damit sein
       Selbstverständnis als Filmemacher sowie eine eigene Beziehung verarbeiten
       wollte, macht Bardot mit diesem Film eine Aussage. Sie spielte nach „Le
       mépris“ zwar noch in einigen „Erotikfilmen“ wie dem biederen „Les femmes“
       von Jean Aurel, der 1969 einzig wegen angeblich zu freizügiger Sexszenen
       Aufmerksamkeit erlangte. Oder, wiederum unter Vadims Regie, eine
       vordergründig selbstermächtigte, promiskuitive Lebedame in ihrem vorletzten
       Film „[6][Don Juan, ou si Don Juan était une femme]“ („Don Juan, oder wenn
       Don Juan eine Frau wäre“) von 1973. Doch die Zeiten des Aalens unter dem
       Starren eines männlichen Publikums waren vorbei. 1973 beendete sie ihre
       Schauspielkarriere.
       
       Ein Jahr später feierte der Playboy die 40-Jährige als „ageless sex
       kitten“. Aber das selbsternannte Männermagazin hat den Schuss ja
       bekanntlich bis heute nicht gehört.
       
       28 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.imdb.com/fr/title/tt0044881/
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=-RhIwFMm66Y
 (DIR) [3] https://www.imdb.com/de/title/tt0049182/
 (DIR) [4] /Nachruf-auf-Filmemacher-Jean-Luc-Godard/!5881355
 (DIR) [5] https://www.youtube.com/watch?v=rF0Ju0ONwGU
 (DIR) [6] https://www.imdb.com/fr/title/tt0069990/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jenni Zylka
       
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