# taz.de -- Die Bildmacht der Epstein-Files: Das erklärt rein gar nichts
> Ein Bild von Michael Jackson mit Jeffrey Epstein beweist keine Mitschuld.
> Im schlimmsten Fall lenkt es davon ab, wirklich relevante Fragen zu
> stellen.
(IMG) Bild: Ein Foto aus den Epstein-Akten: Michael Jackson, Bill Clinton, Diana Ross und Kinder mit geschwärzten Gesichtern
Am 19. Dezember [1][begann die US-Regierung mit der Veröffentlichung] von
Teilen der sogenannten Epstein-Files. Die Dokumente, Mails und Fotos sollen
Einblicke in das Netzwerk aus Machtmissbrauch rund um den Unternehmer
Jeffrey Epstein geben und Täter sowie Opfer sichtbar machen. Im Zentrum der
öffentlichen Aufmerksamkeit steht dabei auch die Frage, ob sich daraus
Hinweise auf sexualisierte Gewalt an Minderjährigen durch Donald Trump
ergeben. Trump und Epstein waren bis Anfang der 2000er Jahre enge
Vertraute.
Die [2][bisherigen Veröffentlichungen] bleiben jedoch bruchstückhaft. Und
das ist ein gutes Beispiel für die Macht von Bildern. Viele Passagen sind
geschwärzt, verantwortet vom Vizejustizminister Todd Blanche. Offiziell
dient das dem Opferschutz. Die implizite Botschaft lautet: Geschützt werden
die Opfer, sichtbar gemacht mögliche Täter:innen und Mitwisser:innen.
Umso relevanter ist, wer auf den veröffentlichten Bildern zu sehen ist.
## Ablenkungsmanöver des Weißen Hauses?
Nach der ersten Veröffentlichung dominierten Fotos des ehemaligen
US-Präsidenten Bill Clinton, etwa gemeinsam mit Epsteins Vertrauter
Ghislaine Maxwell. Ein Sprecher Clintons sprach von einem gezielten
Ablenkungsmanöver des Weißen Hauses. Wie diese Ablenkung funktioniert,
zeigt ein weiteres enthaltenes Bild: Michael Jackson steht darin in einem
Flugzeug neben Clinton und Diana Ross, umgeben von Kindern, deren Gesichter
geschwärzt sind.
Im Kontext der Epstein-Akten entsteht der Eindruck, es handle sich um
minderjährige Opfer – und um Täter im Bild. Tatsächlich ist das Foto seit
Jahren öffentlich. Es stammt von einem demokratischen Fundraising-Event;
die Kinder sind Jacksons eigene sowie das Kind von Diana Ross. Erst durch
den neuen Kontext, die Schwärzungen und die Präsentation im Rahmen der
Epstein-Akten wird das Bild politisch aufgeladen.
Plötzlich rücken nicht mehr nur Epstein oder Trump in den Fokus, sondern
auch Clinton und Jackson. Dieses Ablenken dürfte vor allem Trump nutzen.
Bilder erzeugen Eindrücke – und Eindrücke sind ein zentrales Instrument
politischer Kommunikation. Entscheidend ist nicht, was bewiesen ist,
sondern was hängen bleibt. Das bloße Auftauchen in den Akten ist kein
Beweis für Schuld oder Unschuld.
Es ist unwahrscheinlich, dass selbst eine vollständige Veröffentlichung
Trumps Rücktritt erzwingen würde. Er ist bereits verurteilter Straftäter,
ohne dass ihm das politisch nachhaltig geschadet hätte. Dennoch belastet
die Epstein-Verbindung sein Image und spaltet die Republikaner sowie die
MAGA-Bewegung. Parteimitglieder wie Marjorie Taylor Greene oder Thomas
Massie äußerten offen ihren Unmut über den geringen Umfang der bisherigen
Veröffentlichungen.
Deshalb betreibt Trump doch einigen Aufwand, nicht mit Epstein in
Verbindung gebracht zu werden. Wie sehr Trump unter Druck steht, zeigt sich
auch in [3][seinem Weihnachtsgruß auf „Truth Social“]. Entgegen seiner
sonstigen Zurückhaltung sprach er fast ausschließlich über Epstein,
beschimpfte dessen Unterstützer als „Dreckskerle“ und behauptete, alle
Beteiligten seien Demokraten. Er selbst habe sich früh von Epstein
distanziert – eine Darstellung, die durch neue Veröffentlichungen in den
Akten und seine ohnehin bekannte Verbindung zu Epstein infrage gestellt
wird.
Umso naheliegender ist der Eindruck gezielter Ablenkung durch Bilder von
Clinton oder Prominenten wie Jackson. Eine vollständige Veröffentlichung
der Akten unter konsequentem Opferschutz ist richtig und notwendig.
Schwärzungen von Namen und Gesichtern können dabei sinnvoll sein. Doch
„Hört auf, Namen zu schwärzen, die nicht geschwärzt werden müssen.“, sagt
Marina Lacerda, ein Opfer von Epstein. Dafür muss die US-Regierung das
Justizministerium zu vollständiger Transparenz verpflichten.
Die Hoffnung auf das eine Foto, das Täter eindeutig überführt, ist
trügerisch. Bilder fällen keine Urteile. Sie emotionalisieren, polarisieren
und lenken ab. Solange über Fotos gestritten wird, bleiben die
entscheidenden Fragen unbeantwortet: Wer wusste was? Wer deckte wen? Welche
Strukturen machten die Verbrechen möglich? Erst vollständige Offenlegung
ermöglicht echte Aufarbeitung.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde zuerst am 23. 12. 2025 veröffentlicht und am
28. 12. 2025 aktualisiert
23 Dec 2025
## LINKS
(DIR) [1] https://www.nytimes.com/2025/12/23/us/politics/epstein-files-trump-takeaways.html
(DIR) [2] https://www.justice.gov/epstein
(DIR) [3] https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115782891296626533
## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclere
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