# taz.de -- Klimaklage von Indonesier*innen: Schweizer Betonkonzern muss vor Gericht
       
       > Der Betonkonzern Holcim ist einer der größten CO2-Emittenten der Welt.
       > Vier Indonesier haben ihn nun auf Schadensersatz und Klimaschutz
       > verklagt.
       
 (IMG) Bild: Schon im Sommer demonstrierten die Kläger*innen am Schweizer Aletschgletscher, der infolge des Klimawandels wegschmilzt
       
       Das Schweizer Kantonsgericht Zug hat eine Klimaklage von vier
       Indonesier*innen gegen den Betonkonzern Holcim angenommen. Damit ist
       der Weg frei für den ersten zivilrechtlichen Klimaprozess in der Schweiz.
       „Wir freuen uns sehr. Dieser Entscheid gibt uns die Kraft, [1][unseren
       Kampf fortzusetzen]“, sagte Ibu Asmania, eine der Kläger*innen.
       
       Die vier Kläger*innen leben auf der indonesischen Insel Pari, die vom
       Anstieg des Meeresspiegels infolge des Klimawandels bedroht ist. Ibu
       Asmania, Pak Arif, Pak Edi und Pak Bobby berichten von zunehmend
       versalzenden Brunnen sowie zerstörten Häusern und Algenfarmen nach
       Überschwemmungen. Sie wollen, dass Holcim ihnen Schadensersatz sowie
       Unterstützung bei der Anpassung an die Erderhitzung zahlt und seine
       CO₂-Emissionen deutlich verringert.
       
       Holcim ist einer der größten Zementproduzenten der Welt und hat [2][laut
       Berechnungen des Projekts Carbon Majors] zwischen 1990 und 2023 3,2
       Milliarden Tonnen CO₂ ausgestoßen – etwa jedes fünfhundertste CO₂-Molekül,
       das seit der Industrialisierung durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe
       und die Zementproduktion in die Atmosphäre gelangt ist.
       
       ## Gericht: Jeder Beitrag zum Klimaschutz ist unerlässlich
       
       Holcim selbst argumentiert den Gerichtsakten zufolge, Klimaschutz sei eine
       politische Frage und solle deswegen nicht vor Gericht verhandelt werden.
       Außerdem sei sein Anteil am Klimawandel marginal und die Insel Pari ohnehin
       „nicht mehr zu retten“.
       
       Das Kantonsgericht [3][weist diese Einwände zurück]: Gerichtsentscheide
       ersetzten demokratisch legitimierte Klimaschutzpolitik nicht. Jeder Beitrag
       sei „unerlässlich, um dem Klimawandel entgegenzuwirken“, auch wenn Holcim
       nicht allein für die Erderhitzung verantwortlich ist. Eine Anfrage der taz
       ließ Holcim unbeantwortet.
       
       In Deutschland endete ein ähnlicher Prozess im Mai. Das Oberlandesgericht
       Hamm entschied, dass der Energiekonzern RWE einem peruanischen Bergbauern
       kein Geld für die Anpassung an den Klimawandel zahlen müsse, aber in
       anderen Fällen zur Verantwortung gezogen werden könnte. Der Peruaner
       [4][sah sein Haus durch das Anschwellen eines Gletschersees gefährdet]. Der
       Prozess dauerte acht Jahre – mit einer ähnlichen Länge rechnen
       Beobachter*innen auch beim Holcim-Prozess.
       
       Transparenzhinweis: In einer früheren Fassung dieses Textes wurde der Wert
       3242 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente fälschlicherweise als 3,2 Millionen
       Tonnen angegeben. Korrekt ist 3,2 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalente.
       
       22 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Klimaklage-in-der-Schweiz/!6110937
 (DIR) [2] https://carbonmajors.org/Entity/HolcimGroup-67
 (DIR) [3] https://zg.ch/de/gerichte/zivil-und-strafrechtspflege/kantonsgericht#MitteilungA120239
 (DIR) [4] /Klimaklage-gegen-RWE/!6076998
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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