# taz.de -- Proteste gegen die Zementindustrie: Sie wollen Zement beenden
> Klimaaktivist:innen rufen zum Protest gegen Heidelberg Materials auf.
> Der Baustoffkonzern ist der größte CO₂-Emittent Deutschlands.
(IMG) Bild: Klimaaktivist:innen der Gruppe „End Zement“ blockieren die Werkseinfahrt von Heidelberg Materials in Leimen im April 2025
Wer auf die Webseite des Zementproduzenten Heidelberg Materials geht, sieht
vor allem erst mal viel grüne Farbe und Gerede von Nachhaltigkeit. Dass der
Konzern nun trotzdem im Mittelpunkt einer ganzen Aktionswoche von
Klimaaktivist*innen steht, liegt daran, dass diese Darstellung mit
der Realität wenig zu tun hat.
Denn die Zementindustrie ist weltweit für gigantische CO₂-Emissionen
verantwortlich: [1][8 Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes sind auf
sie zurückzuführen]. Unter allen DAX-Konzernen [2][ist Heidelberg Materials
seit Jahren der größte Luftverpester überhaupt].
Doch anders als etwa in Frankreich, [3][wo die Gruppe Aufstände der Erde
(Les Soulèvements de la Terre) schon länger mit spektakulären Aktionen
gegen die Zementindustrie kämpft], gab es in Deutschland bisher
vergleichsweise wenig Protest gegen die Branche. In Heidelberg will das ein
breites Bündnis aus lokalen Initiativen ändern. [4][Unter dem Motto „It’s
time to end cement“ mobilisiert das Bündnis] für die kommende Woche zum
inzwischen zweiten Protestcamp „gegen die dreckigste Industrie, über die
niemand spricht“.
Überall prägt der Konzern in Heidelberg das Stadtbild, erzählt
Bündnissprecherin Darya Sotoodeh der taz: Beim großen klassischen
Musikfestival „Heidelberger Frühling“ tritt der Konzern als Sponsor auf,
wer ins städtische Theater geht, stößt im Programmheft auf großflächige
Werbung.
## Bauwende gefordert
„Wir wollen uns gegen diese Normalisierung stellen“, sagt Sotoodeh.
[5][Dafür hat die Gruppe Aktionen und Proteste angekündigt.] Am Donnerstag
sind Blockadeaktionen am Zementwerk geplant, am Samstag eine satirische
Demonstration. Im Camp wird bei Workshops und Vorträgen mit einer
dreistelligen Zahl von Aktivist:innen gerechnet.
Derart klimaschädlich ist Zement, weil bei der Herstellung zwangsläufig CO₂
entsteht: Bei der Umwandlung von Kalk zu Klinker wird das Treibhausgas
chemisch freigesetzt. Und weil dafür Temperaturen von über 1.400 Grad nötig
sind, verschlingt die Produktion enorme Energiemengen. Für Heidelberg
Materials gibt es für all das aber technische Lösungen. Man setze auf
alternative Brennstoffe, schreibt eine Konzernsprecherin der taz. Zudem
investiere der Konzern in [6][Carbon Capture and Storage (CCS)] – will also
ausgestoßenes CO₂ auffangen und tief unter der Erde einlagern.
Das Problem laut Ulrich Wohland von End Cement: Weder seien erneuerbare
Energien bisher in der Lage, den Kalk auf die nötigen Temperaturen zu
erhitzen – noch sei CCS eine verlässliche Lösung. Denn CCS sei nicht nur
extrem aufwändig und teuer. „Eigentlich wäre neben jedem Zementwerk ein
fast ebenso großes CCS-Werk nötig“, sagt Wohland. [7][CCS sei teurer] als
die Zementproduktion selbst. Großflächig eingesetzt sei es deshalb wohl
schon aus ökonomischer Sicht für den Konzern kaum tragbar.
## Menschenrechtsverbrechen weltweit
„Es führt kein Weg daran vorbei, die Zementproduktion insgesamt zu
reduzieren“, sagt Wohland deshalb. Kleinere technische Optimierungen würden
nichts bringen, wenn die Produktion insgesamt immer weiter wächst.
Notwendig sei deshalb eine gesamtgesellschaftliche [8][klimagerechte
Bauwende]. Heißt konkret: Sanierung statt Abriss und Neubau und der
verstärkte Einsatz von alternativen Baustoffen wie Holz und Stein.
Immer wieder werden gegen die Tochterunternehmen von Heidelberg Materials
auch Vorwürfe erhoben, in weltweite Menschenrechtsverbrechen verwickelt zu
sein. Sie betreiben etwa Ressourcenabbau [9][in der von Marokko besetzten
Westsahara] sowie [10][im israelisch besetzten Westjordanland]. Proteste
gegen die Praxen von Konzerntöchtern gibt es auch in [11][Indonesien],
[12][Togo] und [13][Australien].
Die Konzernsprecherin schreibt der taz, man habe „Managementprozesse“
eingerichtet, um e[14][ntlang der Lieferkette auf die Einhaltung der
Menschenrechte] zu achten. Grundsätzlich bekenne man sich zur „Achtung der
Menschenrechte, einschließlich des Selbstbestimmungsrechts der Völker in
allen Ländern, in denen wir tätig sind“.
Den Aktivist:innen reicht das nicht. Sie fordern einen unabhängigen
Menschenrechtsbericht und einen Menschenrechtsfonds, der direkt aus der
Dividende des Konzerns finanziert wird. „Das wird der Konzern nicht
freiwillig machen. Dafür braucht es politischen Druck und öffentliche
Aufklärung“, sagt Sprecherin Sotoodeh.
Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version hieß es, die Aufstände
der Erde seien in Frankreich verboten. Das Verbot wurde jedoch gerichtlich
gekippt. Wir haben das korrigiert.
12 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://gas-h2.de/transformation-energiesystem/dekarbonisierung-industrie/zementherstellung-emissionen/
(DIR) [2] https://cf-fachportal.de/meldungen/klimabilanz-2024-dax-konzerne-legen-offen-mit-gemischten-ergebnissen/
(DIR) [3] /Frankreich-verbietet-Umweltgruppen/!5942592
(DIR) [4] https://end-cement.earth/
(DIR) [5] https://end-cement.earth/
(DIR) [6] /Carbon-Capture-and-Storage-CCS/!5987082
(DIR) [7] /Zementfabrik-in-Norwegen/!6095075
(DIR) [8] /Klimaschonende-Architektur-DAZ-in-Berlin-zeigt-10-Strategien-fuer-nachhaltiges-Umbauen/!6132878
(DIR) [9] https://wsrw.org/de/nachrichten/heidelberg-materials-bestatigt-lieferungen-fur-umstrittene-projekte-in-der-besetzten-westsahara
(DIR) [10] /Heidelberg-Materials/!6122645
(DIR) [11] https://end-cement.earth/indonesien/
(DIR) [12] https://end-cement.earth/togo/
(DIR) [13] https://end-cement.earth/australien/
(DIR) [14] https://www.bmz.de/de/themen/lieferkettengesetz
## AUTOREN
(DIR) Timm Kühn
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