# taz.de -- Regeln, die nicht für alle gelten: Die Ampel bleibt das größte Problem der Republik
       
       > Das Leben ist ungerecht. Minutenlang bei Rot zu warten, um stinkenden
       > Autos die Vorfahrt lassen zu müssen, ist kein Rezept für gute Laune.
       
 (IMG) Bild: Fußgänger:innen. Die warten. Und warten. Während die Limousine mit Kanzler:innen und Co. an den Bettelampeln vorbeirauschen
       
       „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.“ Mit diesen wenig überraschenden
       Worten [1][hat Bundeskanzler Friedrich Merz seine Neujahrsansprache]
       begonnen, sich dann zunächst mit Rückblicken auf kleine und große Erfolge
       an sein Volk rangewanzt und danach dann doch [2][nur über die Wirtschaft
       geredet]. Dabei gäbe es doch wirklich wichtigere Themen. Fußgängerampeln
       etwa.
       
       Die werden von der großen Politik offenbar nicht mal als Randphänomen
       gesehen. Wie denn auch? Kanzler:innen und Co rauschen gemeinhin im Fond
       einer Limousine mit abgedunkelten Fenstern vorbei – und können das Problem
       nicht mal wahrnehmen, weil sie auf der falschen Seite dieser Geschichte
       sitzen.
       
       Für die Fußgänger:innen gilt indes das genaue Gegenteil. Die warten.
       Und warten. Vor allem an den sogenannten Bedarfsampeln, an denen man per
       Knopfdruck das Recht zum Übergang auf die andere Seite der Straße ordern
       muss. Das dauert. Meist so lange, bis alle Autos dank grüner Welle
       vorbeigerast sind.
       
       Und dann weitere, sich unendlich dehnende Minuten, bis sich die Ampel
       erbarmt und endlich umschaltet. Kenner nennen diese
       Grünverweigerungslichtzeichen präzise „Bettelampeln“. Eine Einrichtung für
       arme Schlucker, die sich kein Auto leisten können. Oder wollen.
       
       ## Die Masse auf den Asphalt
       
       Es ist ein republikweites Phänomen. Aber am deutlichsten sichtbar gleich
       ums Eck vom Kanzleramt: am Hauptbahnhof. Selbst dort, wo im Minutentakt
       Hunderte aus den Straßenbahnen zum Bahnhof eilen, staut sich diese
       [3][verbrennerfreie ökologische Avantgarde] bei Rot auf dem Mittelstreifen.
       Auch dann, wenn kein Auto kommt.
       
       Aber es gibt Hoffnung. Wenn sich zumindest ab und an die Masse auf den
       Asphalt wagt. Erst ein Fuß. Dann zwei. Dann viele. So viele, dass Autos
       auch stehen bleiben müssen, wenn sie eigentlich Grün haben.
       
       Fußgänger:innen aller Bundesländer, merkt euch: Alle Autos stehen
       still, wenn dein starker Fuß es will! Zusammen seid ihr stark! Fasst euch
       ein Herz und zieht los im Pulk (wenn nicht gerade Kinder in der Nähe sind).
       
       Aber vergesst bitte nicht, den Bedarfsknopf zu drücken. [4][Rot wird die
       Ampel] für Autos zwar gemeinhin erst zeigen, wenn ihr Mutigen längst drüben
       seid. Aber vielleicht muss so gerade Merz sinnlos warten und macht dann mal
       was. Er könnte sich dafür in seiner Neujahrsansprache 2027 loben.
       
       2 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bundeskanzler.de/bk-de/mediathek/neujahrsansprache-kanzler-2026-2401366
 (DIR) [2] /Neujahrsansprache-des-Bundeskanzlers/!6141992
 (DIR) [3] /Fussgaenger/!t5010629
 (DIR) [4] /rote-Ampeln/!t5327355
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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