# taz.de -- Feministisches Reclaiming: Wenn ich „Fotze“ sage, ist das als Kompliment gemeint
> 2025 haben wir Frauen uns endgültig das Wort "Fotze" zurückgeholt, auch
> dank Rapperin Ikkimel. Warum das gut ist – und doch nur ein erster
> Schritt.
(IMG) Bild: Die Rapperin Ikkimel bei der Preisverleihung der Einslive Krone, in Bielefeld, NRW, am 4.12.2025
Na, ist denn heut schon wieder Fotzensamstag? Eigentlich ist der Fotzentag
ja der Freitag, [1][zumindest laut einem 2025er-Spotify-Hit von SUV
Whatever]. Aber heute gilt uns jeder Tag als Fotzentag, das haben wir uns
erkämpft. Denn Fotze ist schon längst kein misogynes Schimpfwort mehr, das
irgendwelche Typen einer Frau an den Kopf knallen. Und es ist auch kein
Diss mehr, wie ihn Rapper Fler 2009 noch benutzt hat: „Du Fotze magst mein
Album nicht: Scheiß auf dich!“
Die Fotze gehört jetzt wieder uns. Wir haben uns das Wort zurückgeholt, und
zwar nicht, um unsere Geschlechtsorgane damit zu bezeichnen. Sondern um
damit Gemeinschaft zu schaffen und uns gegenseitig zu empowern. Danken
dürfen wir dafür ausgerechnet der Rapszene, die eine ziemlich schlagfertige
Antwort auf ihr Sexismusproblem gefunden hat.
Allen voran [2][die aktuell „allergrößte Fotze der Stadt“]: Ikkimel. Mit
ihren Texten provoziert sie, selbst [3][unter Feminist:innen ist man sich
uneins]. Aber vor allem macht Ikkimel eines – den Spieß umdrehen. In ihren
Songs sollen die Macker „ackern, kochen, putzen“ und „eincremen“, während
sie macht, was sie will, weil sie eine Frau ist.
Nun ist Ikkimel nicht die Erste, [4][die den Begriff Fotze empowernd
verwendet]. Das ehemalige Rap-Duo SXTN ging schon vor knapp zehn Jahren mit
ihren [5][„Fotzen in’ Club“]. Und Shirin David prägte dazu das passende
Adjektiv: „fotzig“. Fotzig kann alles sein, eine schlagfertige Attitüde,
ein frecher Spruch, ein cooles Outfit.
Inzwischen ist das Wort im Mainstream angekommen, und auch ich liebe es.
Nicht nur, weil es Spaß macht, zu provozieren. Sondern auch, weil hinter
der Rückeroberung von Sprache etwas Größeres steckt. Es entmachtet
diejenigen, die mit ihr wie mit einer Waffe um sich schießen, es setzt
ihrem Versuch der Unterdrückung etwas entgegen.
Wenn jemand mich heute als Fotze beleidigen will, kann ich das nicht ernst
nehmen, weil ich das Wort schon längst anders abgespeichert habe – als
Kompliment. Zum Beispiel für die fotzigen Hüftschwünge meines männlichen
Freundes auf der Tanzfläche. Fotzig sein macht für mich Spaß und schafft
Zusammenhalt.
Als ich meiner Freundin aber neulich sagte, ihre Jacke sei fotzig, stieß
ich mit meinem Lob auf gemischte Resonanz. Während sie sich beglückt ihre
Faux-Fur-Jacke zuknüpfte, raunte eine andere Freundin, das Wort sei einfach
nur schlimm.
Dass Fotze oder fotzig nicht alle als Kompliment sehen können, verstehe
ich. Schließlich wurde mit dem Begriff zu lange gehetzt, beleidigt und
Frauenhass geschürt.
Dabei war die Fotze keineswegs von Anfang an ein Schimpfwort. Bekannt seit
dem 15. Jahrhundert hatte es verschiedene Bedeutungen, unter anderem Vulva
und Hintern.
Der Duden, der Fotze übrigens erst seit 1973 führt, fügt hinzu:
„Wahrscheinlich verwandt mit faul in dessen alter Bedeutung ‚stinkend‘“.
Dass der Begriff nach dem Mittelalter die Bedeutung wechselte und versuchte
Frauen zu diskriminieren, ist kein Zufall, es sollte deren sexuelle
Selbstbestimmtheit angreifen.
Ähnlich unklarer Herkunft ist übrigens die englische „cunt“. Die hat sich
die Schwarze trans Community schon in den 1970/80ern zurückgeholt. „Serving
cunt“, also „Fotze servieren“, beschreibt eine positive Energie, die zuerst
[6][in der Ballroomkultur] auftauchte und inzwischen ebenso wie die Fotze
im Komplimente-Katalog steht.
Sich einzelne Begriffe wieder zurückzunehmen, verändert noch keine misogyne
Gesellschaft. Dass alles und jede:r (ja, auch Männer!) jetzt fotzig sein
können, macht aber Spaß und ist ein Verdienst, das zelebriert werden muss.
3 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://genius.com/Suv-whatever-fotzen-freitag-lyrics
(DIR) [2] https://youtu.be/iax855jAlak?si=RUPdNq7vpBRqeFC1
(DIR) [3] https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/sex-rapperin-ikkimel-fotze-lady-bitch-ray-gen-z-100.html
(DIR) [4] /Wie-die-Umdeutung-von-Fotze-das-neue-Selbstbild-junger-Feministinnen-praegt/!6090270
(DIR) [5] https://youtu.be/NH9HRlyos80?si=DpVJVHMif58cyJIt
(DIR) [6] /Queere-Szene-vor-den-Wahlen-in-Tunesien/!6037873
## AUTOREN
(DIR) Chiara Bachels
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