# taz.de -- Missmut zu Jahresbeginn: Lasst euch überraschen!
       
       > Es wird Zeit, mit 2025 auch den politischen Pessimismus zu verabschieden.
       > Positive Entwicklungen sind möglich – nicht nur in New York.
       
 (IMG) Bild: New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani leistet den Amtseid während einer Vereidigungszeremonie in der U-Bahn-Station Old City Hall
       
       Gutes neues Jahr! Wer darauf hofft, muss schon sehr optimistisch sein oder
       in New York wohnen, wo der fröhliche Sozialist Zohran Mamdani am 1. Januar
       als neuer Bürgermeister der Weltstadt vereidigt wurde. Für die meisten
       politisch Interessierten in Deutschland aber klang die ewige
       Silvesterfloskel diesmal so unrealistisch wie selten.
       
       Kein Wunder: Die TV-Jahresrückblicke auf 2025 bestanden größtenteils aus
       einer Aufzählung von weltweiten Schrecklichkeiten ohne Aussicht auf
       friedliche Lösung und zum krönenden Abschluss [1][trat Kanzler Friedrich
       Merz] auf, der sich weitere Sozialreformen und noch mehr Aufrüstung
       wünschte. Wie soll man da ernsthaft an ein gutes neues Jahr glauben?
       
       Weil sich eine Besserung der [2][Lage angesichts von Putin], Trump und Merz
       kaum noch jemand vorstellen kann, werden bei privaten Treffen inzwischen
       oft Gespräche über Politik gänzlich vermieden, um die Stimmung nicht zu
       vermiesen. Fängt trotzdem eine damit an, bekommt sie häufig gleich zu
       hören: „Ach, die Nachrichten höre ich mir gar nicht mehr an.“
       
       Man plaudert lieber über Kochrezepte, Reisepläne oder die nächste
       Fußball-WM, aber selbst da fällt irgendwann der Name Trump, alle werden
       wieder grantig und auch diese kleine Vorfreude wird noch von der unseligen
       Politik getrübt, die viele resignieren lässt.
       
       Dabei wäre es gerade jetzt so dringend nötig, dass sich wieder mehr
       Menschen [3][politisch informieren], einmischen und engagieren – um die
       bedrohte liberale Demokratie zu retten, den Merzschen Angriff auf den
       Sozialstaat abzuwehren und den drohenden, radikalen Rechtsruck bei den
       Landtagswahlen 2026 zu verhindern. Hadern und Warnen wird dafür nicht
       reichen.
       
       Gebraucht werden Zuversicht und Hoffnung. Und die lässt sich durchaus
       finden – mit einem Blick in die Geschichte: Es geht nicht alles automatisch
       immer abwärts, auch wenn es manchmal so erscheint. Es hat auch schon viele
       positive Überraschungen gegeben, die eine herausstechende, Mut machende
       Eigenschaft hatten: Dass sie sich vorher eben keiner vorstellen konnte.
       
       Wer hätte 1988 gedacht, dass 1989 die Mauer fällt? Wer glaubte während der
       Apartheid in Südafrika an einen Präsidenten Nelson Mandela? Und, ganz
       aktuell: Wer hätte vor einem Jahr vorhergesagt, dass ein in Uganda
       geborener Muslim und Sozialist die größte Stadt der USA regiert?
       
       Nein, natürlich wird auch Mamdani die Welt nicht retten. Es kann sein, dass
       er als Bürgermeister scheitert. Aber sein Wahlsieg dank vieler HelferInnen
       zeigt, was möglich ist, wenn genug Menschen die Zweifel überwinden und das
       Unwahrscheinliche versuchen, wenn sie aktiv werden und andere begeistern.
       Also, auch in Deutschland: Auf ein Neues!
       
       2 Jan 2026
       
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