# taz.de -- Die Wahrheit: Feuchter Januar
> Was für ein Wonnemonat zu Beginn jeden Jahres! Ein pittoresker Feiertag
> nach dem anderen lässt die dunkle Jahreszeit aufleuchten.
Wet january“ ist mein Lieblingsmonat. Endlich trifft man auf den Straßen
und in den Häusern nur noch auf die, die es ehrlich meinen. Diejenigen, die
Bars und Clubs solidarisch ganzjährig unterstützen; die ihre Stadt und ihr
Leben mögen, und weder feige vor Dunkelheit noch vor Feuchtigkeit oder
Kälte flüchten, um sich an surreal heißen, nur per Flugzeug erreichbaren
Orten einzureden, es sei schon wieder Sommer.
Und welch pittoreske Feiertage es in diesem Wonnemonat gibt! Den am 2.
Januar weltweit nicht besonders laut gefeierten „Tag der Introvertierten“
werde ich zwar ebenso an mir vorbeiziehen lassen, zudem ich an diesem Tag
normalerweise lieber rauschend den „Tag des Windbeutels“ begehe. Aber dann
geht es gleich rasant weiter: Am 6. Januar ballen sich einige sehr wichtige
Feiertage, in den USA ist „National Bean Day“, gefolgt vom „National Pass
Gas day“ am nächsten Tag.
Um am 6. zudem in Dreikönigskostümen von Haus zu Haus zu ziehen, braucht
man kein bisschen religiös zu sein. Der Brauch gilt nämlich schon lange als
Darstellung der drei Lebensalter Jüngling, Mann und Greis – Frauen gab es
im Altertum noch nicht. Er passt somit zur aktuellen Sci-Fi-Serie
„Foundation“, die nach Motiven von Isaac Asimov die Geschichte eines
galaktischen Imperiums erzählt, das seit Ewigkeiten von Klonen regiert
wird. Diese Klone nennen sich Brüder „Dawn“, „Day“ und „Dusk“ – Bruder
„Dawn“, die Morgendämmerung, ist ein Kind oder Teenager; „Day“, der Tag“,
ist der erwachsene Oberchef, und „Dusk“, die Abenddämmerung, hat die besten
Jahrtausende bereits hinter sich. Und die Klon-Kostüme stehen den
Sternsingern in nichts nach.
## Bundesweiten Tag der Blockflöte feiern
Am 8. Januar feiere ich zusammen mit einer Truppe lustiger, pensionierter
Sekretär:innen den Tag des Maschineschreibens – als besondere
Herausforderung tippen wir um die Wette, allerdings auf Umweltschutz-, kurz
„Uschu“-Papier, denn darauf lässt sich das Tippex besonders gut ausmachen,
mit dem wir unsere Schreibfehler korrigieren. Und der 10. Januar vereint
dann den höchsten Feiertag des Jahres – „Pommes-und-Champagner-Tag“ – mit
einem weiteren, wichtigen Gedenken: Der „Bundesweite Tag der Blockflöte“
eignet sich hervorragend, um andere Menschen kennenzulernen. Mit denen kann
man eventuell am 16. dann auch gleich den „Internationalen Fetisch-Tag“
begehen.
In der zweiten Januarhälfte nimmt die Relevante-Feiertage-Dichte ein wenig
ab, denn mal ehrlich: Muss es wirklich einen „Tag des Müsliriegels“ (21.1)
geben? Der „Tag des Kohlsafts“ am 26. scheint mir ebenfalls von jenen
Spaßbremsen erdacht, die den Januar schamhaft mit „dry“ betiteln, weil sie
einfach nichts mehr vertragen, diese Weicheier. Apropos: Am 31. Januar ist
der internationale „Tag des Flaschenschraubverschlusses“ („Twist-of Bottle
Cap Day“), und zu welchen lahmen Getränken diese Verschlüsse normalerweise
gehören, ist ja bekannt.
2 Jan 2026
## AUTOREN
(DIR) Jenni Zylka
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