# taz.de -- Grüne vor Landtagswahl Baden-Württemberg: „Kretsch… äh … Özdemir“
       
       > Die Baden-Württemberger Grünen verabschieden ihr Programm und feiern den
       > alten und den vielleicht neuen Ministerpräsidenten. Da kommt mancher
       > durcheinander.
       
 (IMG) Bild: Winfried Kretschmann (l.) und Cem Özdemir (r.) haben sich gern
       
       Es ist eine Übergabe, wie sie sich die Grünen im nächsten Jahr wünschen:
       Ein Handschlag, Jubel und Winfried Kretschmann verlässt mit der Mappe
       unterm Arm die Bühne. [1][Cem Özdemir] übernimmt. Doch bis es so weit
       kommen könnte, gilt es, noch einen Winterwahlkampf zu bestreiten und die
       Landtagswahl im März zu gewinnen. Deshalb findet diese Staffelübergabe erst
       einmal beim Grünen-Parteitag am Wochenende in Ludwigsburg statt.
       
       „Es geht um Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft“, sagt Özdemir in seiner
       Kandidatenrede. Angesichts immer neuer Nachrichten vom tausendfachen
       Stellenabbau an den Autostandorten im Land ist das sicher keine falsche
       Analyse. Aber [2][schwieriges Terrain für die Grünen], mit überschaubaren
       direkten Einflussmöglichkeiten für die Landesregierung.
       
       Der Betriebsratschef von Daimler Trucks, Michael Brand, hatte am Freitag
       auf dem Parteitag die Versäumnisse der Arbeitgeber bei der E-Mobilität
       markiert und sich für eine klare Strategie für elektrische Antriebe
       ausgesprochen. Zugleich aber erklärte er, dass Strafzahlungen an die EU,
       weil Klimaziele nicht eingehalten werden, besser in klimafreundliche
       Strategien investiert werden sollten.
       
       Trotzdem rutscht im Grünen-Wahlprogramm Klimapolitik zumindest als eigenes
       Kapitel zugunsten von Innovation und Bürokratieabbau und auch Bildung nach
       hinten. Grüne Kernthemen haben gerade keine Konjunktur in Umfragen. Aber
       den Markenkern zu vernachlässigen, könnte andererseits die grüne
       Stammklientel in Heidelberg und Freiburg zur Linkspartei treiben. Das weiß
       Özdemir und macht zumindest Jungwählern ein Angebot mit einem Jugendbeirat,
       der künftig die Landesregierung beraten soll.
       
       ## „Rotzfrech ins Gesicht gelogen“
       
       Wo die CDU [3][die direkte Konfrontation mit dem prominenten grünen
       Kandidaten] meidet, setzt Özdemir in seiner Rede auf die dosierte Attacke
       gegen den bisherigen Koalitionspartner. „Wer Beliebigkeit suche, findet bei
       der Konkurrenz das bessere Angebot“, sagt Özdemir und wirft Bundeskanzler
       Merz vor, den Wählern mit seinem Nein zum Sondervermögen bei der
       Bundestagswahl „rotzfrech ins Gesicht gelogen“ zu haben.
       
       Und er geißelt die Anschaffung der Polizeisoftware des umstrittenen
       US-Software-Unternehmens Palantir durch das CDU-geführte
       Landesinnenministerium: Statt zuerst mit deutschen und europäischen
       Unternehmen zu reden, hätte man sich auf Marktforschung anderer
       Landesregierungen verlassen. „Europäische Technologiesouveränität können
       sie nicht“, sagt Özdemir.
       
       Auch Bildungskompetenz reklamiert Özdemir für die Grünen, die seit bald
       fünf Jahren die Kultusministerin stellen. Er wirft der CDU Lehrerbashing
       vor und erinnert daran, dass Kultusministerin Theresia Bauer von Experten
       ein gutes Zeugnis für ihre Arbeit ausgestellt wird.
       
       ## „..ääh, Cem Özdemir!“
       
       Den „Wahlkampf seines Lebens“ wolle er führen, um Kretschmanns Nachfolger
       zu werden, ruft Cem Özdemir den Delegierten entgegen. Dabei folgt er ganz
       Kretschmanns Erfolgsspur. Das erste Wahlplakat zeigt den Kandidaten im
       Vordergrund und den Amtsinhaber dahinter: „Sie kennen ihn“ steht da. Auch
       das erinnert an Kretschmanns Wahlkämpfe.
       
       Da kann man dann schon mal durcheinanderkommen. Fraktionschef Andreas
       Schwarz will den Saal einstimmen und ruft, die Grünen gäben alles für
       „einen Ministerpräsidenten Winfried Kretsch… äh Cem Özdemir“.
       
       15 Dec 2025
       
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