# taz.de -- Özdemirs Wahlkampagne: Für das Parteilogo braucht man eine Lupe
> Nun startet der Wahlkampf im Südwesten offiziell. Cem Özdemir stellt in
> Stuttgart seine Kampagne vor. Und versucht sich an der Rolle David gegen
> Goliath.
(IMG) Bild: Cem Özdemir (B90/Die Grünen), Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, freut sich, sich zu sehen
Es ist der Startschuss für den Landtagswahlkampf, der eigentlich schon seit
dem Sommer tobt. Am Wochenende stellten FDP und SPD ihre Kampagnen zur
Landtagswahl am 8. März in Baden-Württemberg vor. Am Montag zog der
bekannteste Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten nach. „Er kann
es“, prangt neongelb auf dem tannengrünen Plakat neben dem Gesicht von
[1][Cem Özdemir]. Für das Parteilogo braucht man dagegen eine Lupe.
Klima, Wirtschaft, Bildung, das sind die drei Themen, die die Plakate
adressieren, jeweils mit dem passenden Gesichtsausdruck des
Spitzenkandidaten. Ob im Verlauf auch [2][Kretschmann] zum Plakat-Einsatz
kommen soll („Sie kennen ihn“), wie im Herbst auf dem Landesparteitag, das
wollte Özdemir nicht bestätigen.
„Menschen vertrauen Menschen“, sagt Dirk Hippeler von der Werbeagentur Jung
von Matt, die die Kampagne entworfen hat. Und der Werber freut sich, wenn
man bei dem Claim „Der kann es“ mitdenkt: Der andere, Manuel Hagel von der
[3][CDU], 37 Jahre alt und ohne direkte Regierungserfahrung, kann es wohl
nicht. Denn die Grünen verbieten sich – zum Leidwesen der Werber –
direktere Attacken auf den Mitbewerber. Seitenhiebe auf die CDU sind
Chefsache. Etwa wenn Cem Özdemir dem bisherigen Koalitionspartner CDU
unterstellt, im Geiste schon die Hannah-Arendt-Bücher im Staatsministerium
„für ein Mappus-Porträt“, also ein Bild des letzten ungeliebten
CDU-Ministerpräsidenten, beiseitezuräumen.
Ja, „Netzwerke ausrollen“, das könne die CDU immer noch, sagt Özdemir und
erinnert daran, dass Winfried Kretschmann die „Wasserwerferpolitik“ seines
Vorgängers durch eine Politik des Gehörtwerdens ersetzt habe. Özdemir
versteht es also, sich und seine Partei trotz 16 Jahren
Regierungsverantwortung im Land als kleinen David gegenüber dem
Unions-Goliath zu präsentieren.
## Neues Wahlrecht, junge ErstwählerInnen
Neben dem grünen Spitzenkandidaten haben sich seit der letzten Landtagswahl
für alle Parteien ein paar Rahmenbedingungen geändert. Etwa das Wahlrecht.
Wie bei der Bundestagswahl haben die Badenerinnen und Württemberger
erstmals zwei Stimmen. Und es war ein Anliegen der Grünen, dass das
Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt wurde. Auf beides nimmt die Kampagne der
Grünen aber nur bedingt Rücksicht. Man führe trotz vereinzelter Chancen auf
Direktmandate, etwa in Freiburg oder Stuttgart, ganz klar eine
Zweitstimmenkampagne, erklärt Parteichef Pascal Haggenmüller. „Unser Ziel
ist es, die größte Fraktion und damit auch den Regierungschef zu stellen.“
Um Erstwähler über Social Media anzusprechen, müssen alle Parteien zudem
erstmals auf zielgruppengenaue klassische Werbespots verzichten. Das hat
mit einer EU-Verordnung zu tun, die Dokumentationshürden so hoch legt, dass
Meta und X ganz auf Parteienwerbung und das datenschutzkritische Targeting
dafür verzichten. Für Cem Özdemir ist die Reglementierung das geringere
Problem, denn er hat immerhin 183.000 eigene Follower auf Instagram, die er
eifrig mit Filmen versorgt; sein Gegner Manuel Hagel gerade mal 22.000.
In der grünen Partei komme der personenzentrierte Wahlkampf bestens an,
beteuert der Parteivorsitzende Haggenmüller. Und Özdemir hält noch eine
Spitze bereit, um die Geschlossenheit seiner Partei zu betonen. Die CDU
zähle bei ihren Parteitagen anders als die Grünen. Bei der Union zählte nur
zum Ergebnis, wer an der Abstimmung teilnimmt, bei den Grünen dagegen die
Prozentzahl aller registrierten Delegierten. Özdemir betont: „Ich hab 97
echte Prozent auf dem Parteitag gekriegt. Das muss uns erst mal jemand
nachmachen.“ Würde die CDU so rechnen wie die Grünen, hätte deren
Spitzenkandidat in seiner Partei nur eine Zustimmung von 93,8 Prozent
gehabt. Man merkt Özdemir bei diesem etwas unentspannten Rechenbeispiel an:
Es könnte in diesem Wahlkampf auf feine Unterschiede ankommen.
12 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Benno Stieber
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