# taz.de -- Versöhnung zwischen Kongo und Ruanda: Trump lädt zur großen Afrika-Friedensgala
       
       > Kongos und Ruandas Präsidenten Tshisekedi und Kagame sollen am Donnerstag
       > in Washington Frieden schließen. Aber vor Ort sieht es nach Krieg aus.
       
 (IMG) Bild: Die Generalprobe: Kongos Außenministerin Wagner und Ruandas Außenminister Ndurungirehe im Oval Office mit Trump am 27. Juni
       
       Der Donnerstag könnte ein historischer Tag für Afrika werden. Die
       Präsidenten von Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo, Paul Kagame
       und Felix Tshisekedi, sollen in Washington im Beisein von US-Präsident
       Donald Trump sowie der Staatschefs von Angola, Burundi und Kenia als
       Garantiemächte [1][ein Friedensabkommen] unterzeichnen und damit einen
       Schlussstrich unter 30 Jahre Krieg im Afrika der Großen Seen setzen.
       
       So sieht das jedenfalls Trump, der Kagame und Tshisekedi im Anschluss im
       Weißen Haus empfangen und sich der Beendigung eines weiteren Krieges rühmen
       möchte.
       
       Tshisekedi und Kagame trafen beide am MIttwoch in Washington ein. Für den
       Kongolesen steht bei diesem Abkommen am meisten auf dem Spiel. Der zu
       beendende Krieg findet in seinem Land statt und seine Armee hat dieses Jahr
       Niederlage um Niederlage kassiert. Er hat den USA für deren Vermittlerrolle
       umfangreiche Wirtschaftsversprechen gemacht. So erhalten US-Firmen größeres
       Gewicht in der Förderung der strategischen Mineralien [2][Kobalt] und
       [3][Lithium]. Auch eine US-Rolle in zukünftigen kongolesisch-ruandischen
       Projekten in Energieversorgung, Straßenbau und Tourismus ist im Gespräch.
       
       Dafür aber muss der Frieden Realität werden, und da hapert es. Im Osten der
       DR Kongo haben dieses Jahr die von Ruanda unterstützten Tutsi-geführten
       Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) als bewaffneter Arm der
       Rebellenkoalition AFC (Allianz des Kongo-Flusses) die beiden größten Städte
       [4][Goma] und [5][Bukavu] erobert und in Kongos Kivu-Provinzen ein faktisch
       autonomes Herrschaftsgebiet aufgebaut, das sie nach UN-Darstellung
       beständig „konsolidieren und erweitern“. Waffenstillstand gibt es nur auf
       dem Papier.
       
       ## Aufrufe zur Vertreibung der Tutsi
       
       Seit einigen Tagen wird heftig in der Provinz Süd-Kivu gekämpft, wo nach
       Einschätzung von Beobachtern lediglich die Anwesenheit von [6][10.000
       Soldaten aus Burundi] auf Seiten von Kongos Armee die Rebellen am
       Durchmarsch hindert. Die Rebellen stellen auf ihren PR-Kanälen die
       bevorstehende „Befreiung“ der Großstadt Uvira in Aussicht, wo seit dem Fall
       von Bukavu die regierungstreue Provinzregierung von Süd-Kivu residiert.
       
       Radikale Milizen in Uvira hatten in den vergangenen Monaten [7][zur
       Vertreibung aller Tutsi aufgerufen] und betreiben gemeinsam mit Burundis
       Eingreiftruppe die Einkesselung der Minderheit der Banyamulenge-Tutsi auf
       dem Hochland weiter südlich.
       
       Ruanda und die M23 beschuldigen Kongos Regierung, „Völkermord“ an den Tutsi
       zu begehen und dafür mit der ruandischen Hutu-Miliz [8][FDLR (Demokratische
       Kräfte zur Befreiung Ruandas)] zusammenzuarbeiten, die aus den Kräften
       hervorgegangen ist, die 1994 in Ruanda den Völkermord an den Tutsi verübten
       und dann nach Kongo flohen.
       
       Die FDLR ist zahlenmäßig klein, aber ihr ideologischer Einfluss ist groß –
       ihre Aufrufe, Ruanda zu erobern und mit dem Sturz des Tutsi-Präsidenten
       Kagame das „Problem“ in der Region „an der Wurzel“ zu lösen, finden
       Widerhall unter kongolesischen Nationalisten. Ehemalige Hutu-Rebellen
       regieren bereits in Burundi – der überwunden geglaubte Hutu-Tutsi-Konflikt
       der Region hat sich mit dem Eingreifen Ruandas und Burundis auf
       gegensätzlichen Seiten in der DR Kongo neu belebt.
       
       Das „irreversible und verifizierbare Ende staatlicher Unterstützung für die
       FDLR“ ist daher für Ruanda der zentrale Punkt im [9][Friedensabkommen], das
       die Außenminister beider Länder bereits unterzeichnet haben, am 27. Juni im
       Weißen Haus. Davon mache Ruanda das Ende seiner „Defensivmaßnahmen“ in der
       DR Kongo, also seines Eingreifens auf Seiten der M23, abhängig, stellte
       damals Ruandas Außenminister Olivier Ndurungirehe klar.
       
       ## „Respekt der Souveränität unseres Landes“
       
       Kongos Regierung hingegen sieht einen Rückzug Ruandas aus der DR Kongo und
       ein Ende der ruandischen Unterstützung der M23 als Voraussetzung für alle
       anderen Schritte des Friedensabkommens. „Der Respekt der Abkommen setzt den
       Respekt der Souveränität unseres Landes, den Rückzug der ruandischen
       Truppen aus Kongos Staatsgebiet und die Wiederherstellung des gegenseitigen
       Vertrauens voraus“, [10][bekräftigte Tshisekedi] am vergangenen Freitag.
       
       Wer muss sich zuerst bewegen? Diese Frage ist im Friedensabkommen von
       Washington ungeklärt – und momentan bewegt sich niemand. Das gilt auch für
       den parallelen Friedensprozess zwischen Kongos Regierung und den
       AFC/M23-Rebellen, die in Katars Hauptstadt Doha [11][am 15. November ein
       „Rahmenabkommen“] voller Absichtserklärungen schlossen.
       
       Für Kongos Regierung bedeutet Frieden, dass die Rebellen sich gewissermaßen
       in Luft auflösen, die Autorität des Staates wiederhergestellt wird und
       ausländische Einmischung endet. Sie betrachtet die AFC/M23 als Marionette
       Ruandas, die verschwindet, sobald Ruandas Armee aus kongolesischem Gebiet
       abzieht.
       
       Die Rebellen sehen sich selbst hingegen als eigene Kraft und als
       alternativen kongolesischen Staat. Sie verlangen grundlegende Reformen,
       etwa eine Föderalisierung der DR Kongo, als Voraussetzung für ein Ende
       ihres Kampfes. Gerne erklärt AFC-Führer Corneille Nangaa, nicht die
       Rebellen würden sich bei Friedensschluss der Regierungsarmee unterordnen,
       sondern umgekehrt.
       
       4 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.state.gov/peace-agreement-between-the-democratic-republic-of-the-congo-and-the-republic-of-rwanda
 (DIR) [2] /Rohstoffexporte-aus-der-DR-Kongo/!6108224
 (DIR) [3] /Bergbaugeschaefte-in-der-DR-Kongo/!6103799
 (DIR) [4] /Augenzeugenbericht-aus-Goma-in-Kongo/!6063613
 (DIR) [5] /Krieg-in-der-DR-Kongo/!6069754
 (DIR) [6] /Burundi-als-letzter-Verbuendeter/!6072700
 (DIR) [7] https://www.hrw.org/news/2025/09/15/dr-congo-militias-army-threaten-south-kivu-civilians
 (DIR) [8] /Schwerpunkt-Kongo-Kriegsverbrecherprozess/!t5009879
 (DIR) [9] https://www.state.gov/peace-agreement-between-the-democratic-republic-of-the-congo-and-the-republic-of-rwanda
 (DIR) [10] https://x.com/Presidence_RDC/status/1994498696181158009
 (DIR) [11] https://au.int/en/documents/20251115/doha-framework-peace-agreement
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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