# taz.de -- Bedrohte Orte nach Grundsteuerreform: Linke und Grüne wollen Sonderregelung für Härtefälle
> Die neue Grundsteuer bringt viele Betriebe in Not. Linke und Grüne
> schlagen eine Härtefallregelung vor, die schnelle Entlastung bringen
> soll.
(IMG) Bild: Eine steuerrechtlich schlicht untergenutzte Fläche: Das Yaam in Friedrichshain
Eine Steuererhöhung von jährlich 4.000 auf 40.000 Euro für einen
Kreuzberger Schlosserbetrieb, über 200.000 Euro Mehrbelastung für das Yaam
und ein Anstieg um 4.800 Prozent für das Stadtbad Plötzensee – seit die
ersten Bescheide nach der Anfang des Jahres in Kraft getretenen
Grundsteuerreform bei Berliner Betrieben eingehen, sorgen solche Zahlen
immer wieder für Schlagzeilen. Zahlreiche sowohl gemeinnützig als auch
gewerblich betriebene Einrichtungen berichten [1][inzwischen von
gestiegenen Steuerlasten, die ihre Existenz bedrohen].
Doch bisher hat der Senat keine Anstalten gemacht, das Problem zu lösen.
Die oppositionellen Fraktionen von Linken und Grünen im Abgeordnetenhaus
haben deshalb eine eigene Gesetzesreform entwickelt. Am Donnerstag soll ihr
gemeinsamer Antrag im Parlament verhandelt werden, der eine
Härtefallregelung für besonders betroffene Betriebe vorsieht. Am Montag
stellten die Fraktionen ihren Entwurf der Presse vor.
Kern des Problems sei, dass die Steuerlast mit einem Bodenrichtwert
berechnet werde, der häufig wenig mit der Realität zu tun habe, erklärte
dabei André Schulze, finanzpolitischer Sprecher der Grünen. So werde etwa
ein Gewerbebetrieb, der in einem als Wohngebiet ausgewiesenen Bereich
liegt, so behandelt, als stünden dort Wohnungen – die deutlich höhere
Erträge erzielen. Freibäder oder Biergärten, aber auch Clubs oder
Wagenplätze, würden dadurch plötzlich mit massiv höheren Steuern belastet.
Die Fraktionen schlagen daher eine Ergänzung des
Grundsteuermesszahlengesetzes vor. Vorgesehen ist eine Ausnahmeregelung für
Orte, bei denen „die tatsächliche Nutzung von der Verwertbarkeit (…) extrem
abweicht“. Liegt der veranschlagte Bodenwert mindestens 100 Prozent über
der realen Nutzung, soll die Steuer nicht danach bemessen werden, was
theoretisch auf der Fläche verwertet werden kann – sondern danach, was dort
tatsächlich geschieht.
## Berliner Mischung in Gefahr
Die vorgeschlagene Regelung sei eine einfache Möglichkeit, Abhilfe zu
schaffen, sagte der finanzpolitische Sprecher der Linken, Steffen Zillich.
„Wenn wir alle Grundstücke so bewerten, als stünden dort mehrstöckige
Wohnhäuser, gerät die Durchmischung in Gefahr“, betonte Zillich. Der Antrag
sei als Diskussionsgrundlage gedacht. „Wir werden uns guten Argumenten
nicht verschließen“, so Zillich.
Auf taz-Nachfrage erklärte die Finanzverwaltung, man könne sich nicht vor
der parlamentarischen Abstimmung zu dem Vorschlag äußern. In der
Vergangenheit hatte die Verwaltung eine Präferenz für ein weit schwächeres
Vorgehen signalisiert. Bis Jahresende wollte sie prüfen, inwieweit gezielte
Fördermaßnahmen für einzelne betroffene Betriebe möglich sind.
1 Dec 2025
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(DIR) Timm Kühn
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