# taz.de -- Fußballstar Cristiano Ronaldo bei Trump: Die propagandistische Kraft des Sports
       
       > Der saudische Image-Botschafter Cristiano Ronaldo besucht Donald Trump in
       > Washington. Im Weißen Haus kommt zusammen, was zusammenpasst.
       
 (IMG) Bild: Essenseinladung für den Influencer: Cristiano Ronaldo beim Dinnieren im Weißen Haus
       
       Wer ist die Ziege? In der englischsprachigen Sportberichterstattung ist das
       eine häufig gestellte Frage. Ziege heißt auf Englisch goat und weil das die
       Abkürzung von „Greatest of All Time“ ist, begibt man sich mit der Frage
       nach der Ziege auf die Suche nach dem Größten aller Zeiten. Im Fußball tobt
       um diese Frage in den sozialen Medien seit Jahren eine Schlacht zwischen
       Anhängern von Lionel Messi und Cristiano Ronaldo.
       
       US-Präsident Donald Trump hat die nun für sich und alle Welt beantwortet.
       Zu einem Video, das ihn zeigt, wie er mit dem portugiesischen Stürmer durch
       seinen Amtssitz spaziert, wurde [1][auf den Accounts des Weißen Hauses
       gepostet]: „Two GOATS“. Klar, Donald Trump ist ebenfalls der Größte aller
       Zeiten.
       
       Die Herzen ihrer Follower flogen den beiden nur so zu. Über 25 Millionen
       Menschen haben sich angesehen, wie sich Ronaldo köstlich über irgendeine
       Bemerkung von Trump amüsiert. Über ein KI-Video, das Trump auf seinem
       eigenen Netzwerk Truth Social gepostet hat, amüsieren sich ebenso viele
       Menschen, weil da zu sehen ist, wie die beiden [2][mit einem Fußball durchs
       Oval Office dribbeln]. Der beliebteste Fußballer der Welt mimt den
       Gute-Laune-Bären für seine über 660 Millionen Follower auf Instagram.
       Selten ist die propagandistische Kraft des Fußballs so deutlich zutage
       getreten wie beim Besuch Ronaldos im Weißen Haus am vergangenen Mittwoch.
       
       Noch dazu ist Ronaldo mit der Entourage des saudischen Kronprinzen Mohammed
       bin Salman nach Washington gereist. In der von diesem unterhaltenen
       Operettenliga spielt Ronaldo Fußball und wird auch deshalb [3][fürstlich
       honoriert], weil er sein Gesicht für Imagekampagnen Saudi-Arabiens zur
       Verfügung stellt. Zum Nationalfeiertag neulich schickte er, gekleidet in
       einen strahlen weißen Thawb, nicht zum ersten Mal [4][folgende Botschaft]
       um die Welt: „Es ist ein fantastisches Land.“
       
       ## Gut gelaunte Frauenverachter
       
       Doch da ist noch etwas. Lange Zeit war Ronaldo nicht in den USA. Seit 2017,
       jenem Jahr, in dem das Nachrichtenmagazin Der Spiegel von den
       Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn berichtet hatte, war er nicht mehr im
       Land gesehen worden. 2019 sagte sein damaliger Klub Juventus Turin eine
       geplante Reise zu einem Showturnier in den USA ab. Man hatte Angst,
       Ronaldo, der die Vorwürfe eines Models aus Las Vegas bestreitet, könne
       verhaftet werden. Die Ermittlungen sind eingestellt. Aber nicht nur deshalb
       kann sich Ronaldo in den USA wieder sehen lassen. Es sind Frauenverachter,
       die in den USA das Sagen haben.
       
       Und so ist es kein Wunder, dass der mittlerweile 40 Jahre alte Ronaldo
       feixend neben jenem Donald Trump dahermarschiert, der beinahe keinen Tag
       verstreichen lässt, ohne eine zutiefst sexistische Äußerung vom Stapel
       gelassen zu haben. Vielleicht witzelt es sich ja besonders gut mit einem,
       der wie Trump wegen sexuellen Missbrauchs schon einmal verurteilt worden
       ist. Da ist zusammengekommen, was leider nur allzu gut zusammenpasst.
       
       Und nebenbei wird Trump von seinem neuen Kumpel und Botschafter für die
       Fußball-WM 2026 auch noch als Friedensfürst über den grünen Klee gelobt.
       Mit einer gewaltigen Portion Selbstüberschätzung [5][schreibt er auf
       Instagram] zu einem Foto aus dem Weißen Haus: „Jeder von uns beiden hat
       Bedeutendes zu bieten und ich stehe bereit, meinen Teil dafür zu geben,
       kommende Generationen dazu zu inspirieren, eine Zukunft zu bauen, die auf
       Mut, Verantwortung und dauerhaftem Frieden basiert.“ Uns beide? Auf dem
       Bild ist noch eine dritte Person zu sehen: Ronaldos Verlobte Georgina
       Rodriguez. Aber Frauen zählen eben nicht in der Welt der Ziegen. Es ist
       eine Schande.
       
       21 Nov 2025
       
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