# taz.de -- Die Wahrheit: Plappern mit der Spaßmamsell
       
       > Im Deutschen Bundestag wird sehr viel geredet – und heraus kommt ein
       > einziger Sprachdurchfall, vor allem wenn Dorothee Bär (CSU) ans Pult
       > tritt.
       
 (IMG) Bild: Sägt gern am Sprachstamm: die Doro Bärin (l.)
       
       Was ist bloß mit unserer Sprache los? Befindet sie sich in einer
       Koalitions- oder doch eher einer Kohäsionskrise? Erst meldete die
       Bild-Zeitung, das hochgeschätzte Portal Wortliga habe herausgefunden, die
       Anredeform „Sehr geehrte Damen und Herren!“ sei verfickt steif und
       abgefuckt antiquiert und gehöre daher zugunsten lockerer und effizienterer
       Wendungen – etwa „Guten Morgen!“, „Hallo zusammen!“ und „Servus, olle
       Kanonen!“ – ausradiert, ungeachtet des Befundes von Adorno, der
       „pseudodemokratische Abbau … altmodischer Höflichkeit“ führe durch die
       Schleifung humanisierender Distanz zu einer Vorstufe der Barbarei, zu
       kommunikativer „Rohheit“.
       
       Und dann, am 13. des Monats, schaute ich, eine neuere Gewohnheit pflegend,
       zum ersten schwedischen Kaffee des Tages Phoenix. Tritt der Bundestag
       zusammen, stiefelt der Bonner Bumssender bereits um 8 Uhr 30 in die Bütt,
       mit präludierenden Interviews in der Lobby des Hohen Hauses.
       
       Anlässlich der Debatte über die „Hightech-Agenda Deutschland“ standen Ronja
       „Ein Stück weit“ Kemmer (CDU) und Andrea Lübcke (Die Grünen) parat. Kemmer
       hob hervor, es gehe „jetzt ganz konkret darum, in der Hightech-Agenda zu
       fokussieren“, und „es wäre auch naiv zu sagen: Wir kümmern uns nicht um
       Quanten.“ Besorgte man sich trotzdem nicht um Quanten, müsse eine offenbar
       maoistische „Agentur für Sprunginnovation“ den Quanten auf die Sprünge
       helfen.
       
       ## Rechnen mit Photonen
       
       Da wollte Lübcke nicht zurückstecken und ergänzte: „Innovationspolitik hat
       Prior eins, dann muss (sic!) dem auch Taten folgen“, beispielsweise beim
       „Rechnen mit Photonen“, was impliziere: „Dann brauchen wir aber … auch ’nen
       Mindset-Shint (und nicht -Shift), dass das cool ist, Sachen nicht nur fürs
       Labor zu produzieren“.
       
       Ich dachte, verrotteter könne man kaum daherplappern, aber anschließend
       stampfte Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und
       Raumfahrt, ans Pult, diese von sich „in voller Gänze“ (Lübcke) berauschte
       Spaßmamsell, die ihre Freude darüber, ein derart schmuckes, sagenhaft
       sinnloses Amt zugeschustert bekommen zu haben, gar nicht mehr einzudämmen
       vermag.
       
       Bär kultiviert die Prosodie eines fränkischen Karpfens ohne „Turboantrieb“
       (Bär) und teilte der Republik auf Phoenix folgendes mit: „Ich war selbst
       achteinhalb Stunden vor Ort, auch in allen Breakoutsessions … Das war ein
       ganz positives, ein ganz starkes Signal … und ich glaub’, das ist ganz
       wichtiger (sic!) denn je … Parallel sind die ersten Flaggschiffe
       gestartet“, und „jetzt geht’s in die Roadmap-Prozesse“, und da „werden wir
       noch mal einen Call-to-Action haben“, um zu erkunden, „welches Commitment
       dahintersteckt“, was man „mit sogenannten Breakthrough-Tagen auch
       untermauern“ werde.
       
       Was ist nur mit unserer Sprache und unseren Damen geschehen? Ich gewärtige
       ein Call-to-Destruction-Commitment im Geiste Cormac McCarthys. Auf dass
       endlich a Ruh’ is’.
       
       21 Nov 2025
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Roth
       
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