# taz.de -- Curaçao bei der Fußball-WM: Winzig und doch groß
> Der Inselstaat Curaçao schafft es erstmals zur Fußball-WM dank seiner in
> den Niederlanden geborenen Fußballer. Dort wird auch mächtig gefeiert.
(IMG) Bild: Unbändige Freude bei den Nationalspielern von Curaçao
Der Partyschlager „Ohne Holland fahren wir zur WM“ erfreute sich vor der
Weltmeisterschaft 2002 hierzulande, wo das Wort Schadenfreude erfunden
wurde, großer Beliebtheit. Gut 20 Jahre später ist in den Niederlanden die
Freude groß, bei der WM 2026 sozusagen mit zwei Teams vertreten zu sein.
Ihre Kolonialgeschichte und [1][der Expansionsdrang der Fifa] machen es
möglich. Weil das Teilnehmerfeld der WM, die nächsten Sommer in den USA,
Kanada und Mexiko ausgetragen wird, erstmals auf 48 Teams aufgestockt
wurde, konnte sich am Dienstag der Inselstaat Curaçao mit einem torlosen
Remis gegen Jamaika für das Turnier qualifizieren.
Einen winzigeren Teilnehmer hat es noch nie bei einer Fußball-WM gegeben.
Etwa 156.000 Menschen leben in der einstigen niederländischen Kolonie, die
formal immer noch zum niederländischen Königreich gehört, weshalb alle
Curaçaoër auch über einen niederländischen Pass verfügen.
So standen im curaçaoischen Kader am Dienstag ausschließlich Spieler, die
in den Niederlanden geboren wurden und mehrheitlich dort in der Eredivisie
spielen. Einen gebürtigen Curaçaoër hätte es zwar mit Flügelstürmer Tahith
Chong gegeben, doch der Profi vom englischen Zweitligisten Sheffield
United, der einst bei Werder Bremen spielte, musste wegen einer
Knieverletzung absagen. Immerhin wird Chong auf transfermarkt.de als der
curaçaoische Profi mit dem höchsten Marktwert geführt (fünf Millionen
Euro).
Ein weiteres Handicap für Curaçao in der so entscheidenden Partie auf
Jamaika war der Ausfall des niederländischen Trainers [2][Dick Advocaat].
Der 78-Jährige sagte aus familiären Gründen für das größte Fußballereignis
seines Arbeitgebers ab.
## Party in Rotterdam
Während der Partie musste das trainerlose Team einige gefährliche
Situationen überstehen. In der Spielstatistik wurden drei Aluminiumtreffer
von Jamaika aufgeführt. Umso größer war die Freude in Curaçao, aber auch in
den Niederlanden über diese einzigartige WM-Qualifikation. Aufnahmen von
einer rauschenden Party in Rotterdam, die eine Fotoagentur verbreitete,
zeugen davon.
Historische Erfolge haben ja schnell Väter und viele obendrein. Die
Westdeutsche Allgemeine Zeitung titelte am Mittwoch: „BVB-II-Torjäger wird
zum Curaçao-Helden: Sensationelles Debüt von Jordi Paulina.“ Der
21-Jährige, der sonst in der Regionalliga für Dortmunds zweites Team kickt,
hatte in der Nachspielzeit den Rasen betreten.
Der größte Triumph von Curaçao war bislang der Gewinn der
Karibikmeisterschaft 2017 gewesen. Zudem konnte man beim traditionsreichen
thailändischen Fußball-Einladungsturnier namens King’s Cup 2019 im Finale
Vietnam nach Elfmeterschießen bezwingen. Allerdings ist die Geschichte
dieses Nationalteams sehr jung. Sein erstes offizielles Länderspiel
bestritt Curaçao 2011 gegen die Dominikanische Republik. Davor bildeten die
Kicker von Curaçao mit benachbarten Inselstaaten noch die
Fußballnationalmannschaft der Niederländischen Antillen.
Mit der fußballerischen Eigenständigkeit war es vorbei, als Größen des
niederländischen Fußballs wie Guus Hiddink oder Patrick Kluivert das
Auswahlteam betreuten.
Beinahe wäre am Dienstag die WM 2026 um ein weiteres niederländisch
geprägtes Team bereichert worden. [3][Surinam] verpasste die direkte
Qualifikation durch eine 1:3-Niederlage in Guatemala. Auch Surinam
profitiert reichlich von in den Niederlanden geborenen Fußballern, in
diesem Fall mit südamerikanischen Wurzeln. Wobei das niederländische
Nationalteam wiederum in der Vergangenheit gewiss nicht so erfolgreich
gewesen wäre, wenn es nicht auf Spieler wie Ruud Gullit, Frank Rijkaard,
Edgar Davids, Clarence Seedorf oder Kluivert zurückgreifen hätte können,
die auch aus Surinam stammen.
Noch kann sich Surinam als Gruppenzweiter der CONCACAF-Qualifikationsgruppe
A kommenden März für die Fußball-WM qualifizieren. Aber schon jetzt steht
fest: Die kommende Weltmeisterschaft wird so niederländisch werden wie noch
nie. In Frankreich hofft man derweil auf Neukaledonien. Die zu Frankreich
gehörende Inselgruppe hat die Playoffs für die WM erreicht, weil man die
Fidschi, die Salomonen, Papua-Neuguinea und Tahiti hinter sich lassen
konnte.
19 Nov 2025
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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