# taz.de -- Schulleiter in Brandenburg bedroht: Kein Praktikant bei Rechtsextremen
       
       > Weil er einem Schüler ein Praktikum bei der AfD untersagt, wird der
       > Leiter einer Schule angefeindet. Für die Entscheidung kriegt er aber auch
       > Respekt.
       
 (IMG) Bild: Der Verfassungsschutz stuft Lena Kotré (AfD) als gesichert rechtsextremistisch ein
       
       Berlin taz | Ein Schulleiter aus Teltow wird bedroht, nachdem er einem
       Schüler seiner Schule untersagt hat, ein Praktikum bei der AfD zu machen.
       Das bestätigte Brandenburgs Bildungsministerium dem RBB. Der Schulleiter
       hatte seine Entscheidung demnach damit begründet, dass der
       [1][Verfassungsschutz die AfD in Brandenburg als gesichert rechtsextrem]
       einstuft.
       
       Publik machte den Fall unter anderem die AfD-Politikerin Lena Kotré, bei
       dem der Schüler das Praktikum hätte machen wollen. In einem mit Musik
       unterlegten Video-Statement auf der Plattform X erzählt sie, dass der
       Schüler schon Anfang des Jahres ein Praktikum bei ihr gemacht habe, die
       Schulleitung nun aber ein zweites Praktikum bei ihr sowie in der
       AfD-Landtagsfraktion unterbunden habe – mit der Begründung, dass die AfD
       rechtsextrem sei. Das sei eine Indoktrination von Schülern, die so nicht
       stattfinden dürfe, behauptet sie. In dem etwa einminütigen Statement nennt
       sie zweimal den Namen der Schule und weist auch ausdrücklich darauf hin,
       dass sie gerade den Namen gesagt hat.
       
       Kotré ist Abgeordnete im Brandenburger Landtag und stellvertretende
       Vorsitzende der dortigen AfD-Fraktion. Der Verfassungsschutz stuft sie als
       Rechtsextremistin ein. Die Behörde [2][führt außerdem Aussagen von ihr an,
       um die verfassungsfeindliche Bestrebung] der gesamten Brandenburger AfD zu
       belegen. Im Landtagswahlkampf 2024 fiel sie mit menschenverachtenden
       Äußerungen auf und verteilte Kubotans mit dem Aufdruck „seid wehrhaft“.
       Kubotans sind metallene, spitz zulaufende Stäbe, die in eine Faust passen
       und als nicht verbotene Nahkampfwaffen gelten. Kotré nahm auch im
       [3][Ausland mehrfach an Treffen mit Rechtsextremen teil], teils traf sie
       sich mit in Deutschland verbotenen Organisationen.
       
       In Kommentaren unter dem Video äußern sich zahlreiche Nutzer*innen
       abfällig und drohen dem Schulleiter, vor allem auf YouTube. Auf der
       Plattform X sprechen gleichzeitig viele dem Schulleiter ihren Beifall und
       Unterstützung aus. „Was soll der Schüler bei der AfD schon lernen? Braune
       Säcke sortieren?“ schreibt jemand dort etwa.
       
       ## Falsch verstandene Neutralität
       
       „Ich finde es grundsätzlich richtig, dass der Schulleiter diese
       Entscheidung trifft“, sagt Günther Fuchs, Vorsitzender der Gewerkschaft
       Erziehung und Wissenschaft Brandenburg. Die Gewerkschaft werde ihm den
       Rücken stärken. Es sei völlig inakzeptabel, dass er nun an den Pranger
       gestellt und bedroht werde. „Anstatt so einen Shitstorm loszutreten, sollte
       sich die AfD mal selbstkritisch fragen, welchen Beitrag sie selbst dazu
       leistet, dass es zu so einer Entscheidung kommt“, sagt Fuchs. Schulen seien
       in diesen Fragen souverän, „und ich finde es auch richtig, diese Fragen vor
       Ort zu entscheiden“.
       
       Das Wettern der AfD gegen die Entscheidung beruhe auf einer [4][falsch
       verstandenen Idee des Neutralitätsgebots], sagt Kathrin Wiencek,
       Vorsitzende des Philologenverbands in Berlin und Brandenburg. „Alles, was
       in der Gesellschaft kontrovers ist, muss auch an der Schule kontrovers
       diskutiert werden“, erklärt Wiencek: „Wir vermitteln, was Demokratie ist
       und was Grundrechte sind, denn das ist wichtig für diesen Staat.“
       [5][Schüler*innen sollten so darauf vorbereitet werden, selbst zu einem
       Urteil] zu kommen. „Das bedeutet auch, dass wir alle Parteien gleich
       behandeln. Aber Rechtsextremismus oder überhaupt jede Art von Extremismus
       hat in der Schule nichts zu suchen.“
       
       Unterstützung bekommt die Schule auch von anderen Parteien. „Es gibt keine
       Neutralität vor dem Grundgesetz“, schreiben die SPD-Politiker*innen Elske
       Hildebrandt, Melanie Balzer und Björn Lüttmann auf Instagram. Dort posteten
       sie ein Video, um sich solidarisch hinter die Schule und den Schulleiter zu
       stellen. „Unsere Schulen haben den Auftrag, Schülerinnen und Schüler
       neutral zu bilden. Aber eben auch ganz klar auf Verfassungsfeindlichkeit
       hinzuweisen und ihre Schüler genau davor zu schützen“, heißt es darin.
       
       15 Oct 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Einstufung-der-AfD-Brandenburg/!6102964
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/afd-brandenburg-landtagsabgeordnete-lena-kotre-auch-gesichert-rechtsextremistisch-14176865.html
 (DIR) [3] https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2025/08/04/remigration-summit-2025-afd-identitaere-bewegung-sellner-kotre/
 (DIR) [4] /Streit-um-Neutralitaetsgebot/!6026988
 (DIR) [5] /Politische-Bildung-in-der-Schule/!5543552
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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