# taz.de -- Essay über Dick Pics: Symbolisch flexible Pimmel
> Der Penis als Bildmotiv. Die Publizistin Sarah Koldehoff untersucht in
> einem lehrreichen Essay das Phänomen des Dick Pics.
(IMG) Bild: Lustig? Das Dick Pic ist vor allem ein Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse und oft eine Zumutung für die Empfänger:innen
Er ziert Klowände und so ziemlich jede Frau hatte schon mal sein Foto in
ihrem Postfach: Der Penis, ob erigiert oder hängend, ob mit Botschaft oder
ohne, ob gewollt oder unverlangt eingesandt, ist eins der meistverbreiteten
Bildmotive der Welt. Die Psychologin und Publizistin Sarah Koldehoff hat
sich dem Dick Pic (Schwanzbild) als bildästhetisches und
kulturanthropologisches Phänomen gewidmet. Ihr in der Reihe „Digitale
Bildkulturen“ erschienenes Essay spart nicht mit explizitem
Anschauungsmaterial, von der römischen Wandkritzelei mit schmähender
Absicht bis zu [1][Robert Mapplethorpes] ikonischem „Cock“.
Bei der Lektüre des etwas akademisch-spröde formulierten Textes lernt man
einiges: Die bildliche Darstellung des Penis ist symbolisch flexibel – kann
also wahlweise als witzig, beleidigend, sexuell stimulierend oder
bedrohlich wahrgenommen werden. Die Deutungsoffenheit kommt dem Versender
des Bilds zugute, kann er doch hinterher behaupten, es sei nur ein Scherz,
ein missglückter Flirtversuch oder ein Missverständnis gewesen.
Die Darstellung der Vulva oder Vagina hingegen ist immer eine ernste Sache.
Werden „PussyPics“ in erotischer Absicht versendet, dann oft auf Verlangen
des (meist männlichen) Empfängers, ansonsten ist die Message eher
feministisch-empowernder Art, wie in Laura Dodsworths Fotoprojekt
„Womanhood“, das 100 Vulven zeigt.
## Das Dick Pic als Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse
Ein Massenphänomen ist die [2][Vulvadarstellung] nicht, die des Penis dafür
umso mehr: In Blogs wie „Critique My Dick Pic“ wird das Penisbild einer
ästhetischen Kritik unterzogen, der Instagramaccount Cocksinthecity
archiviert Sichtungen im öffentlichen Raum.
Solche ironisch-spielerischen Zugänge können freilich nicht darüber
hinwegtäuschen, wie Koldehoff hervorhebt, dass das Dick Pic vor allem eines
ist: ein Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse und mehrheitlich eine
Zumutung für die Empfänger:innen der Bilder. Besonders für die digitale
Sphäre gilt, was Koldehoff klar benennt: „sexualisierte Gewalt durch Bilder
als Methode, die eigene verloren geglaubte männliche Dominanz
wiederherzustellen“.
Die Autorin warnt davor, Dick Pics zu verharmlosen – es handele sich oft um
misogyne Drohgebärden – oder den Umgang damit auf die (meist weiblich
gelesene) Empfängerin abzuwälzen. Sie fordert „einen Bedeutungswandel des
Penis“, eine „Veränderung in der Art, wie wir über Sexualität und
Geschlechtsteile sprechen“.
19 Oct 2025
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## AUTOREN
(DIR) Nina Apin
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