# taz.de -- Buchstabenmuseum Berlin muss schließen: A wie ausbuchstabiert
> Nach zwei Jahrzehnten schließt das Buchstabenmuseum Berlin am 6. Oktober.
> Die Suche nach neuen Perspektiven beginnt. Findet sich ein neuer Träger?
(IMG) Bild: Alle wollen noch mal die vielen Buchstaben sehen: Andrang am Samstag im Buchstabenmuseum Berlin
Berlin taz Die ikonischen Zierfische leuchteten vier Jahrzehnte an einem
der Zuckerbäckerhochhäuser am Frankfurter Tor in Friedrichshain. Bunte
Neoröhren machten zu DDR-Zeiten Werbung für eine Tierhandlung im Parterre.
Die Leuchtreklame bestand aus dem [1][Schriftzug „Zierfische“] in
schwungvollen Buchstaben und etlichen Fischen in verschiedenen Größen und
Farben.
Das Original stammte aus den frühen 1980er Jahren, ein Nachbau entstand um
1999. Der Hingucker aber wurde eines Tages abgebaut und gerettet, die
„Zierfische“ kamen 2009 ins [2][Berliner Buchstabenmuseum]. Dessen Sammlung
umfasst rund 3.500 Neonröhren-Buchstaben, einzelne Lettern und komplette
Schriftzüge wie „Möbelhaus Kern“.
Sich selbst konnte das Museum allerdings nicht retten: Nach zwei
Jahrzehnten schließt es an diesem Montag. Wie so oft ist eine unzureichende
Finanzierung das Problem: „Wir haben keine institutionellen oder
regelmäßigen Förderungen bekommen“, sagt Gründerin und Leiterin Barbara
Dechant. „Jetzt sind wir an einem Punkt, wo es ohne finanzielle
Unterstützung einfach nicht mehr geht.“
Trotz des Engagements eines Teams von Ehrenamtlichen sei die Hauptlast an
ihr selbst hängen geblieben, sagt Dechant. Getragen wurde das Museum von
einem Verein mit 120 Mitgliedern, darunter auch Lucas de Groot, der [3][die
„taz“, die Hausschrift dieser Zeitung], entworfen hat. Ein weiteres
Problem: die Besucherzahlen hätten sich seit der Corona-Pandemie halbiert,
steigende Energie- und Betriebskosten konnten nicht mehr gedeckt werden.
## Optionen für die Zukunft
Nach den letzten Öffnungstagen am Wochenende wollen Barbara Dechant und ihr
Team verschiedene Optionen für die Zukunft der Buchstaben prüfen. „Wir sind
noch am Sammeln der Möglichkeiten“, sagt Dechant. Gesucht wird ein Lager.
Und es bliebe die Hoffnung, dass sich vielleicht doch noch eine Institution
findet, die das Buchstabenmuseum weiterführen würde. Bis Ende des Jahres
bleibt es in den aktuellen Räumlichkeiten, die sich im S-Bahnbogen 424 in
der Nähe des Bahnhofs Bellevue in Mitte befinden.
Konkrete Pläne für einen neuen Standort gibt es bislang nicht. Dechant
schwebt eine Lösung vor, die nicht nur aus einem Depot besteht, sondern
auch die Möglichkeit bietet, „die Buchstaben teilweise oder ganz
auszustellen“.
Bleibt zu hoffen, dass es dazu kommt. Denn die Sammlung hat
kulturgeschichtlichen Wert. Bewahren die historischen Schriften von
Geschäften, Bahnhöfen oder Institutionen doch ein Stück Stadt-, DDR- und
Deutschlandgeschichte. Die Exponate stammen überwiegend aus Berlin, aber
auch aus anderen Teilen Deutschlands, dazu aus Österreich und der Schweiz.
(mit dpa)
5 Oct 2025
## LINKS
(DIR) [1] https://www.buchstabenmuseum.de/sammlung/
(DIR) [2] /Berlins-Buchstabenmuseum/!5741445
(DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Lucas_de_Groot
## AUTOREN
(DIR) Andreas Hergeth
## TAGS
(DIR) Museumspolitik
(DIR) Werbung
(DIR) Museum
(DIR) Ehrenamt
(DIR) Berlin
(DIR) Ausstellung
(DIR) Lesestück Interview
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Museum der Leuchtbuchstaben in Berlin: Buchstäblich Geschichte
Zwanzig Jahre rettete ein Museum in Berlin Leucht-Buchstaben vor der
Verschrottung. Jetzt steht es kurz vor dem Ende – und die Zukunft ist
ungewiss.
(DIR) Drei Schauen zu DDR-Kunst in Cottbus: Keck mit Zigarette
Selbstbewusste Porträts stehen neben einem tastenden Umgang mit Identität
in drei Schauen zu DDR-Kunst im Museum Dieselkraftwerk Cottbus. Und Punks.
(DIR) Berlins Buchstabenmuseum: „Mit Schrift ist es wie mit Musik“
Buchstaben und Schriften wecken Emotionen und speichern Erinnerungen.
Barbara Dechant und Till Kaposty-Bliss betreiben das Berliner
Buchstabenmuseum.