# taz.de -- Radsport: Nachwuchsjuwel bei der Vuelta
       
       > Der Italiener Giulio Pellizzari, 21, beweist sein großes Potenzial. Er
       > ist bislang bester Jungprofi und im deutschen Rennstall ein wichtiger
       > Helfer.
       
 (IMG) Bild: Giulio Pellizzari folgt an zweiter Position seinem größten Rivalen Matthew Riccitello
       
       Es waren zwei Bergtage, ganz nach dem Geschmack des hoch aufgeschossenen
       Kletterers aus Italien. Am gefürchteten Angliru hielt Giulio Pellizzari mit
       den Allerbesten gut mit, fing auch wieder den elf Zentimeter kleineren und
       um elf Kilogramm leichteren US-Amerikaner Matthew Riccitello ein. Der ist
       sein härtester Gegner im Kampf um das Weiße Trikot, das der beste Jungprofi
       der Spanienrundfahrt erhält. Am Folgetag dann, der 14. Etappe am Samstag,
       war Pelllizari einer der Hauptdarsteller. Er strampelte an die Spitze der
       Favoritengruppe und zog dort das Tempo noch einmal gewaltig an.
       
       Sein [1][Teamkollege Jai Hindley] nutzte diese Beschleunigung für einen
       eigenen Angriff. Schnell trennte sich die Spreu vom Weizen. [2][Nur Jonas
       Vingegaard,] der Gesamtführende und Topfavorit der Vuelta, sowie dessen
       ärgster Verfolger, der Portugiese Joao Almeida, konnten Hindleys Rad
       halten. Sie überspurteten den Australier zwar noch, aber der machte Zeit
       gut im Kampf um Platz 3. Und genau das war das Ziel des Manövers von
       Pellizzari. „Wir wollten heute Jai näher ans Podium bringen“, sagte der
       Italiener nach dem Passieren der weißen Linie hoch oben auf dem Alto de la
       Farrapona.
       
       Dort durfte er sich ein frisches Exemplar des Weißen Trikots überstreifen,
       denn auch sein persönliches Nebenziel hatte er erreicht. Nachdem er alle
       Kräfte für den Teamkollegen Hindley in die Waagschale geworfen hatte, fuhr
       er kontrolliert weiter ins Ziel und hielt dabei Riccitello erneut in
       Schach. „Das Weiße Trikot ist keine Obsession für uns. Aber es wäre ein
       schöner Preis, allerdings nur dann, wenn es unsere anderen Ziele nicht
       gefährdet“, machte Red Bull – Bora – hansgrohes sportlicher Leiter Patxi
       Vila die Prioritäten klar.
       
       Pellizzari macht seinen Job bisher prächtig. Er knüpft damit an seine
       tollen Leistungen beim Giro d’Italia im Mai an. Da war er in einer
       ähnlichen Rolle wie jetzt bei der Vuelta angetreten. Nach dem Ausfall von
       gleich drei Kapitänen (Hindley und [3][Primoz Roglic] durch Stürze, Dani
       Martinez durch Formschwäche) war der Youngster aus der Region Marken
       plötzlich der, der noch etwas reißen musste. Und gleich am Tag von Roglic’
       Ausstieg machte er auch mobil, schnellte aus der Favoritengruppe heraus und
       jagte den Ausreißern des Tages hinterher. Es reichte dann nur zu Platz 3.
       Aber Pellizzari hatte gezeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist.
       
       ## Pellizzari braucht die Berge
       
       Zur Vuelta sollte er ursprünglich gar nicht fahren. „Nach dem Giro wurde
       die Spanienrundfahrt aus meinem Programm gestrichen. Dann haben wir aber
       insistiert, gemeinsam mit meinem Trainer Paolo Artuso und dem sportlichen
       Leiter Enrico Gasparotto, dass ich doch die Vuelta fahre. Denn für einen
       Fahrer wie mich sind die dreiwöchigen Rundfahrten wichtig, um zu wachsen.
       Es wäre hart für mich gewesen, zu den Rennen in Kanada oder Deutschland zu
       fahren“, meinte er vor dem Start der Vuelta und spielte dabei auf die
       mangelnden Berge der Deutschland-Tour und die lediglich jeweils nur einen
       Tag andauernden Belastungen der Rennen in Kanada an. Nein, einer wie
       Pellizzari braucht die Berge. Und er brilliert vor allem dann, wenn es
       viele Renntage am Stück gibt und er mit seiner Fähigkeit zu schnellen
       Regeneration punkten kann.
       
       Für die dritte Woche hat er ein besonderes Auge auf das Zeitfahren
       geworfen. Da kann er zum einen seinen Vorsprung im Weißen Trikot festigen.
       Vor allem aber geht es ihm um die Zukunft. „Zeitfahren sind für Rundfahrten
       entscheidend, und ich möchte wissen, wo ich stehe“, sagte er.
       
       Am noch sehr jungen Athleten überzeugt auch die Art und Weise, wie er seine
       Ambitionen dosiert. Er will wachsen, er will glänzen, er hadert aber auch
       nicht mit der Helferrolle. „Am wichtigsten ist es, Jai aufs Podium zu
       bringen. Ich selbst habe noch viel Zeit“, meinte er. Für seine Entwicklung
       sind die Renntage in Spanien jedenfalls immens wichtig.
       
       7 Sep 2025
       
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