# taz.de -- Abschluss der Vuelta 2025: Der Dänen Rundfahrt
       
       > Beim großen Rundrennen der Radprofis fährt Jonas Vingegaard zum
       > Gesamtsieg. Und sein Landsmann Mads Pedersen gewinnt die Punktewertung.
       
 (IMG) Bild: Rollen lassen: Jonas Vingegaard hat diesjährige Vuelta dominiert
       
       Die Zeiten, in denen kampfstarke Männer aus dem Norden Europas im südlichen
       Teil des Kontinents Beute machten, sind seit der Völkerwanderung eigentlich
       vorbei. In diesem Jahr ließen die dänischen Radprofis [1][Jonas
       Vingegaard] und [2][Mads Pedersen] bei der [3][Spanienrundfahrt der
       Radprofis] die Erinnerung daran aber aufleben. Vingegaard gestaltete den
       Kampf um die Gesamtwertung souverän.
       
       Bereits auf der 2. Etappe holte er sich auf dem knackigen Anstieg von
       Limone Piemonte erstmals Tagessieg und Leadertrikot. Er gab es später ab,
       um Kräfte zu sparen. Ab Tagesabschnitt 10 schien das rote Leibchen aber an
       seinem Oberkörper festgewachsen. Er trug es auch bis nach Madrid.
       
       Landsmann Pedersen holte sich auf der 4. Etappe erstmals das Grüne Trikot
       und gab es bis zum Ende nicht mehr ab. Das ist ein historischer Moment für
       den [4][dänischen Radsport]. Zwei Erfolge in den Trikotwertungen bei der
       gleichen Grand Tour gab es für das kleine Land noch nie.
       
       Die beiden Landsleute ergänzten sich gut. Vingegaard blieb dank seiner drei
       Etappensiege in Lauerstellung in der Punktewertung und sicherte dort als
       Zweiter Pedersen gewissermaßen ab. Der Lidl-Trek-Profi wiederum gab
       Vingegaard Schützenhilfe. Auf der 19. Etappe gab er ganz bewusst nicht
       Vollgas beim Zwischensprint – und ermöglichte so Vingegaard das Ergattern
       von vier Bonussekunden. „Wir sind beide Dänen, wir haben vorher miteinander
       gesprochen. Er brauchte die Bonussekunden nötiger als ich die Punkte“,
       erklärte Pedersen seine Zurückhaltung.
       
       Diese dänische Kooperation erwischte Vingegaards Hauptrivalen [5][Joao
       Almeida] auf dem falschen Fuß. Der Portugiese musste machtlos hinnehmen,
       wie Vingegaard in einer nur wenige Sekunden andauernden Belastung fast die
       Hälfte des Rückstands, den er auf dem 12 Kilometer langen Zeitfahren am
       Vortag gegenüber Almeida bekommen hatte, wieder gut machte. Im langen Kampf
       gegen die Uhr war der Portugiese um ganze 10 Sekunden schneller.
       
       ## Meister der dosierten Belastung
       
       Vingegaard zeichnete sich bei dieser Vuelta ohnehin als Meister der
       dosierten Belastung aus. In Abwesenheit seines Dauerrivalen [6][Tadej
       Pogačar] als Favorit in die Rundfahrt gegangen, setzte er zunächst auf
       kleineren Rampen wie Limone Piemonte und Valdezcaray (jeweils mit
       Etappensieg) sowie Ceres (Etappendritter) die Akzente. Auf der Königsetappe
       hoch zum Angliru hatte er im Bergsprint allerdings das Nachsehen gegenüber
       Almeida.
       
       Bei den anderen beiden langen Kanten (La Farrapona, 14. Etappe, und zur
       Bola del Mundo, 20.) kam er zwar vor Almeida an, aber mit geringerem
       Vorsprung als erwartet. Er glich einem Pferd, das nur so hoch sprang, wie
       es springen musste, um über die Schikanen zu kommen.
       
       Ursache dafür war eine Erkältung. „Jonas hat jeden Tag gelitten. Er war
       krank, er hustete, und es sah nicht immer so aus, als ob er durchkommen
       würde“, sagte Visma-Edelhelfer Sepp Kuss. „Aber in der dritten Woche hat er
       alles gedreht – und heute hat man gesehen, wozu er fähig ist“, bezog er
       sich auf Vingegaards Etappensieg am vorletzten Tag.
       
       Ein moralischer Aufheller war 24 Stunden zuvor sicher auch der Dänen-Coup
       im Zwischensprint, als Pedersen Vingegaard den Vortritt ließ. Das war
       ohnehin ein ungewöhnlicher Moment. Denn viele gemeinsame Rennkilometer
       hatten die beiden Landsleute bei dieser Vuelta gar nicht. Wegen der
       geringen Anzahl von Sprintetappen sah man Pedersen oft in den
       Fluchtgruppen, um früh Punkte bei den Zwischensprints zu sammeln.
       Vingegaard hingegen hielt sich gern lange versteckt im Hauptfeld.
       
       Zumindest einen echten Wettstreit trugen sie aber doch aus. Auf der dritten
       Etappe kämpften sie sowohl beim Zwischensprint als auch im Finale
       gegeneinander – jeweils mit dem besseren Ende für Pedersen. Dass Vingegaard
       allerdings dem Sprinter Pedersen auf dessen Terrain Paroli bietet, ist
       Ausdruck der Trainingsfortschritte in Sachen Explosivität.
       
       Überschattet wurde der Auftritt von Danish Dynamite allerdings von den
       vielen Protesten gegen den [7][Gazakrieg]. Wegen Sicherheitsbedenken wurde
       die finale Etappe nach Madrid verkürzt.
       
       14 Sep 2025
       
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