# taz.de -- Bully Herbigs aktuelle Winnetou-Parodie: Relativ unlustig
       
       > Keine Bananenschale kommt unbetreten davon: Der Film „Kanu des Manitu“
       > erinnert an Wirtschaftswunderhumor und an wohlfeil-staubige Komödien.
       
 (IMG) Bild: Spielt in seiner Komödie „Das Kanu des Manitu“ auch die Hauptrolle: Michael „Bully“ Herbig
       
       Ein des Deutschen mächtiger Franzose aus meinem Bekanntenkreis begann seine
       Sätze zuweilen mit: „Das ist relativ lustig…“ und kam erst nach dieser
       Einführung mit dem Inhalt um die Ecke. Vermutlich wusste er, wie wenig
       Humor ihm und seinen Landsleuten zugestanden wird, und wollte darum sowohl
       den potentiellen Witzgehalt seiner Aussage stärken als auch dem Publikum
       die Möglichkeit geben, das Kichern dennoch zu unterlassen. „Relativ lustig“
       ist eben nicht „absolut lustig“.
       
       Aber was bedeutet schon „absolut lustig“. Dass „Das Kanu des Manitu“, der
       zweite Teil von [1][Bully Herbigs] Winnetou-Parodie, auch drei Wochen nach
       Start auf dem ersten Platz der deutschen Kinocharts steht, ist ein Hinweis
       darauf, wie relativ Humor ist.
       
       Der erstaunlich langsame Film mit seinen redundanten, tendenziell
       abgenutzten Sprachwitzen (Bayerisch sprechender Apache! Haha! Sächselnder
       Cowboy! Hahaha!! Nein-Doch-Oh-Franzosen!! Hahahaha!!!) erinnert an
       Wirtschaftswunderhumor, an wohlfeil-staubige Komödien, in denen alte Männer
       am Telefon nur Bahnhof verstehen, sich Menschen andauernd und folgenreich
       verwechseln und keine Bananenschale unbetreten davonkommt.
       
       Lustig im Sinne von wohlig scheint hier vor allem die Erinnerung an damals
       empfunden zu werden, als das Parodieren eines „edlen Wilden“ neu und man
       selbst darüber hinaus zwanzig Jahre jünger und dementsprechend alberner
       war.
       
       ## Chaotischer Slapstick-Slalom
       
       Der ebenfalls von Herbig inszenierte [2][„Der Schuh des Manitu“] hatte sich
       2001 bereits erfolgreich über die Karl-May-Filmadaptionen aus den 60ern
       lustig gemacht und die von Harald Reinl vor mächtiger Naturkulisse und
       ebensolchem Soundtrack inszenierte blutsbrüderliche Heldengeschichte als
       chaotischen Slapstick-Slalom dargestellt.
       
       Gemäß dem Motto, dass Parodien oft die tiefe Verbundenheit zum Sujet
       zugrunde liegt, hatte Herbig damals zwar die steife Form des
       60er-Jahre-Filmemachens kritisiert, nicht aber den von Karl Mays
       kolonialismusverharmlosender Haltung bestimmten Inhalt.
       
       Und dass der Regisseur dabei unter dem Siegel der Parodie vor allem bei der
       Darstellung des schwulen Häuptling-Bruders „Winnetouch“ jedes Klischee
       ausnutzte, das nicht bei Drei auf dem Baum war, und weder vor Blackfacing
       noch vor Sexismus zurückscheute, störte niemanden: Mit über elf Millionen
       Zuschauer:innen sitzt „Der Schuh“ auf Platz elf der deutschen Kinocharts
       nach 1990.
       
       ## Originale Winetous nur noch an Ostern
       
       In Bullys aktueller Parodie auf die Winnetou-und-Old-Shatterhand-Filme
       spielen die ollen Kamellen eine noch unwichtigere Rolle. Was folgerichtig
       ist: Die Originale werden eh nur noch an Ostern von den
       öffentlich-rechtlich-fernsehguckenden Alten und ihren Enkel:innen
       konsumiert. Für die Generationen Y und Z sind die Referenzen der erste
       Bully-Film, nicht mehr Lex Barker und Pierre Brice.
       
       „Das Kanu des Manitu“ versucht zwar, sowohl den Diskussionen um den
       „Indianer“-Begriff als auch den Aneignungsvorwürfen den Wind aus den Segeln
       zu nehmen, indem er „Abahachi“ (Herbig) sich bei einer ernsten
       Gegenüberstellung mit einer Gruppe echter Indigener versöhnen lässt. Das
       macht den Film aber weder relativ noch absolut lustig.
       
       Dabei gab es bereits 1993, acht Jahre vor dem Manitu-Schuh, ein absolut und
       relativ echt lustiges Beispiel für den Umgang mit dem sensiblen Thema: In
       „The Addams Family Values“, dem zweiten Teil über die elegante,
       schwarzliebende Horrorfamilie, werden [3][Addams-Tochter Wednesday]
       (Cristina Ricci) und ihr Bruder in ein Sommercamp gezwungen. Dort herrschen
       zum Entsetzen der Addams-Kinder Lächeln, Kameradschaft und Lollipopfarben.
       
       Doch Wednesday rächt sich – nicht nur für ihre eigene Behandlung: Als sie
       bei einer Thanksgiving-Aufführung als „Pocahontas“ auftritt, weicht sie vom
       Text ab, beschuldigt die Siedler:innen (zu Recht) der Zerstörung ihres
       Volks und der Natur und steckt deren Häuschen in Brand. Für ihre
       Darstellung musste sie nicht mal die Frisur ändern: Zöpfe passen sowohl zu
       indigenen Algonkin als auch zu morbiden Teenagern.
       
       6 Sep 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Komoedie-ueber-Relotius-Skandal-im-Kino/!5880423
 (DIR) [2] /Debatte-ueber-Winnetou/!5874868
 (DIR) [3] /Netflix-Serie-Wednesday/!6102771
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jenni Zylka
       
       ## TAGS
       
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Kolumne Cultural Appreciation
 (DIR) Kulturkolumnen
 (DIR) Kinofilm
 (DIR) Komödie
 (DIR) Humor
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Streit
 (DIR) Roman
 (DIR) Kolumne Unisex
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Skandal-Forscher über Kunst-Konflikte: „In der Winnetou-Debatte waren die Leute außer sich vor Wut“
       
       Johannes Franzen erforscht, warum wir heute so heftig und emotional über
       Kultur und Geschmack streiten.
       
 (DIR) Neuer Roman von Clemens Meyer: Wilder Fluss des Erzählens
       
       Er reitet mit Winnetou durch die Geschichte Jugoslawiens und endet im
       wiedervereinigten Deutschland: Meyers neuer Roman „Die Projektoren“.
       
 (DIR) „Schuh des Manitu“ und Homophobie: Der Trotz des „Bully“ Herbig
       
       „Winnetouch“ war ein Highlight tuntiger Repräsentation – und gleichzeitig
       ein billiger Lacher. Bully Herbig wittert nun die Comedy-Polizei.