# taz.de -- +++ Nachrichten im Nahost-Krieg +++: Hungersnot in einem Gebiet des nördlichen Gazastreifens
       
       > Die zuständige IPC-Initiative sieht eine Hungersnot in einem nördlichen
       > Teil des Gazastreifens. Israel bereitet Einnahme von Gaza-Stadt weiter
       > vor.
       
 (IMG) Bild: Palästinenser reißen sich um über dem zentralen Gazastreifen abgeworfene Hilfsgüter, 5. August 2025
       
       ## Hungersnot in einem Gebiet des Gazastreifens erklärt
       
       Hilfsorganisationen berichten seit langem, dass Hunderttausende im
       Gazastreifen nicht genug Nahrung haben. Jetzt hat sich die Lage weiter
       zugespitzt. In einem nördlichen Bereich des Gazastreifens ist eine
       Hungersnot erklärt worden. Die dafür notwendigen Kriterien seien erfüllt,
       teilte die zuständige IPC-Initiative (Integrated Food Security Phase
       Classification) mit.
       
       Die Hungersnot betrifft den Regierungsbezirk Gaza, in dem auch die Stadt
       Gaza liegt. Das Leben von 132.000 Kindern unter fünf Jahren sei wegen
       Unterernährung bedroht, teilte die Initiative mit. 41.000 davon würden als
       besonders bedrohliche Fälle betrachtet, doppelt so viele wie bei der
       vorherigen Einschätzung im Mai. Nach Angaben der
       Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es das erste Mal, dass in einem Land
       des Nahen Ostens eine Hungersnot ausgerufen wird.
       
       „Ein sofortiger Waffenstillstand und die Beendigung des Konflikts sind von
       entscheidender Bedeutung, um eine ungehinderte, großangelegte humanitäre
       Hilfe zur Rettung von Menschenleben zu ermöglichen“, teilte die Initiative
       mit.
       
       Das israelische Außenministerium erklärte nach der IPC-Veröffentlichung
       mit: „Es gibt keine Hungersnot in Gaza.“
       
       Für die Einstufung als Hungersnot oder humanitäre Katastrophe müssen
       mindestens 20 Prozent der Haushalte mit einem völligen Mangel an
       Nahrungsmitteln konfrontiert sein. Akute Unterernährung muss weiter über 30
       Prozent der Bevölkerung betreffen. Auch die Sterblichkeitsrate muss mit
       zwei Todesfällen pro 10.000 Menschen täglich hinreichend hoch sein. Alle
       drei treffen zu, wie Jean-Martin Bauer vom Welternährungsprogramm (WFP) in
       einem Briefing für Journalisten in Genf sagte. In den vergangenen 15 Jahren
       wurden nach IPC-Angaben vier Hungersnöte erklärt: 2011 in Somalia, 2017 und
       2020 im Südsudan und zuletzt 2024 im Sudan.
       
       Die IPC-Initiative wurde 2004 gegründet. Mitglieder sind knapp zwei Dutzend
       Organisationen der Vereinten Nationen, sowie Hilfsorganisationen. Sie ist
       für die Einschätzung von Hungerlagen in aller Welt zuständig. In der
       IPC-Skala gibt es fünf Stufen der Ernährungslage in einem Land oder einer
       Region. Die allerhöchste – und schlimmste – ist Stufe fünf:
       „Katastrophe/Hungersnot“. Darunter spricht man von Hungerkrisen. Bislang
       galt für den gesamten Gazastreifen die Stufe vier („Emergency/Notfall“).
       (dpa/taz)
       
       ## Katz droht mit Zerstörung Gazas
       
       Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hat der
       militant-islamistischen Hamas mit der Zerstörung der Stadt Gaza gedroht.
       Die größte Stadt des Gazastreifens könnte „zu Rafah und Beit Hanun“ werden,
       sagte Katz am Freitag unter Verweis auf Gebiete, die früh im Gaza-Krieg in
       Schutt und Asche verwandelt wurden. „Die Pforten zur Hölle werden sich bald
       über den Köpfen der Hamas-Mörder und Vergewaltiger in Gaza öffnen – bis sie
       Israels Bedingungen für ein Ende des Kriegs zustimmen“, teilte Katz auf der
       Plattform X mit. Dazu gehörten die Freilassung aller Hamas-Geiseln und die
       Entwaffnung der im Gazastreifen herrschenden militant-islamistischen
       Gruppe. (ap)
       
       ## Netanjahu kündigt Gaza-Einnahme und Verhandlungen an
       
       Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Verhandlungen zur
       Freilassung [1][aller Geiseln im Gazastreifen] angekündigt. Er habe
       angewiesen, „unverzüglich Verhandlungen über die Freilassung aller unserer
       Geiseln und die Beendigung des Krieges unter für Israel akzeptablen
       Bedingungen aufzunehmen“, sagte Netanjahu in einem am Donnerstag
       veröffentlichten Video vor dem Hauptquartier der Gaza-Division der
       israelischen Armee.
       
       Dort gehen die [2][Vorbereitungen zur Einnahme von Gaza-Stadt] weiter. „Wir
       befinden uns in der entscheidenden Phase“, so Netanjahu. „Ich bin gekommen,
       um die Pläne der Armee zur Einnahme der Stadt Gaza und zum Sieg über die
       Hamas zu bestätigen“. Gleichzeitig habe er angeordnet, „unverzüglich
       Verhandlungen über die Freilassung aller unserer Geiseln und die Beendigung
       des Krieges zu Bedingungen aufzunehmen, die für Israel akzeptabel sind“.
       
       Einwohner berichteten derweil von [3][intensiven Luftangriffen des
       israelischen Militärs im Umkreis der Stadt Gaza im Norden des abgeriegelten
       Küstenstreifens]. Dort und im Süden habe es viele Tote und Verletzte
       gegeben, hieß es aus medizinischen Kreisen. Unter den Opfern seien auch
       Kinder.
       
       Die israelische Armee befindet sich nach eigenen Angaben bereits in den
       Vororten. Netanjahu wollte laut Medien bei Beratungen mit
       [4][Verteidigungsminister Israel Katz] und mit Militärs die Einsatzpläne
       zur Einnahme der Stadt Gaza billigen. (dpa/afp/taz)
       
       ## Netanjahu äußert sich nicht eindeutig
       
       Netanjahus Äußerungen erfolgten wenige Tage, nachdem die islamistische
       Terrororganisation Hamas nach eigenen Angaben einem Vorschlag der
       Vermittler für eine Waffenruhe zugestimmt hatte. Dieser sieht die
       Freilassung von zunächst der Hälfte der Geiseln sowie die Einleitung von
       Gesprächen über ein Kriegsende und die Freilassung der übrigen Entführten
       vor.
       
       Nachdem Israel einem ähnlichen Vorschlag zuvor zugestimmt hatte, zeigte
       sich Netanjahu zuletzt laut Medienberichten nur zu einem Abkommen bereit,
       wenn dabei alle Geiseln auf einmal freikommen und der Krieg zu Israels
       Bedingungen endet.
       
       Ob Netanjahus jetzige Äußerungen eine Änderung dieser Haltung bedeuten, ist
       unklar. Jedenfalls geht daraus nicht klar hervor, ob er das Angebot der
       Hamas nun ablehnte oder nicht. Ebenso unklar sei, ob die Erklärung des
       Regierungschefs mit einem der arabischen Vermittler abgestimmt war, schrieb
       die „Times of Israel“. Diese warteten weiter auf eine Reaktion Israels auf
       den Vorschlag für eine Waffenruhe, dem die Hamas am Montag zugestimmt
       hatte.
       
       Dabei handelt es sich laut Medien um eine angepasste Fassung eines zuvor
       bereits verhandelten [5][Vorschlags des US-Sondergesandten Steve Witkoff].
       Er sieht eine 60-tägige Feuerpause vor, während der zehn lebende Geiseln im
       Gegenzug für palästinensische Häftlinge freikommen. Insgesamt befinden sich
       in Gaza noch 50 Geiseln, von denen noch mindestens 20 am Leben sein sollen.
       (dpa/afp/taz)
       
       ## Noch kein Ort für neue Verhandlungen
       
       Indirekte Verhandlungen Israels und der Hamas über eine neue Waffenruhe
       waren bislang erfolglos und wurden zuletzt unterbrochen. Die Vermittler –
       die USA, Katar und Ägypten – bemühen sich jedoch um eine Wiederaufnahme der
       Gespräche. Die „Times of Israel“ zitierte einen ranghohen israelischen
       Beamten, wonach Netanjahu die Entsendung einer israelischen Delegation
       anordnen werde, sobald ein Ort für neue Verhandlungen festgelegt sei.
       
       Netanjahu steht international unter wachsendem Druck, den Krieg zu beenden.
       Gleichzeitig sieht er sich Drohungen seiner rechtsextremen
       Koalitionspartner ausgesetzt, die seine Regierung verlassen würden, falls
       er mit der Hamas ein Abkommen über eine Waffenruhe trifft. Netanjahu hatte
       kürzlich erklärt, er sei nicht mehr zu einem „Teil-Abkommen“ bereit. Man
       strebe stattdessen einen Deal an, der die Freilassung aller Geiseln, die
       Entwaffnung und Entfernung der Hamas als militärische und regierende Kraft
       in Gaza sowie Israels Sicherheitskontrolle über das Gebiet vorsieht.
       Kritiker werfen ihm vor, mit seinen Bedingungen für ein Kriegsende ein
       Abkommen sabotieren zu wollen. (dpa/afp/taz)
       
       ## Vorbereitungen für Einnahme von Gaza-Stadt laufen
       
       Das Sicherheitskabinett hatte Anfang August die Einnahme der Stadt Gaza
       genehmigt. In der größten Stadt des abgeriegelten Küstengebiets halten sich
       Schätzungen zufolge derzeit rund eine Million Menschen auf. Die
       Vorbereitungen für ihre „[6][Evakuierung]“ in den Süden haben laut der
       israelischen Armee bereits begonnen. Man habe Gesundheitsbehörden und
       internationale Hilfsorganisationen im Gazastreifen aufgefordert,
       medizinische Ausrüstung aus der Stadt in den Süden zu verlegen.
       
       Israel begann zudem, Zelte und Unterkünfte dorthin zu bringen. Auch sollen
       mehr medizinische Güter folgen. Wie genau die Verlegung der
       Hunderttausenden Menschen funktionieren soll, ist unklar. Es wird
       befürchtet, dass die Offensive die ohnehin katastrophale Lage der
       Zivilbevölkerung noch verschlimmern wird. Laut Hilfsorganisationen liegt
       das Gesundheitssystem in dem vom Krieg weitgehend verwüsteten Küstengebiet
       schon jetzt am Boden. (dpa/taz)
       
       ## Libanon bringt erste Waffen unter staatliche Kontrolle
       
       Derweil steht in Israels nördlichem Nachbarland Libanon die dortige
       Regierung unter Druck, die Waffenruhe zwischen Israel und der
       Hisbollah-Miliz durchzusetzen. Dazu gehört, dass [7][alle Waffen im Land –
       auch die der Hisbollah – unter staatliche Kontrolle gelangen]. Nun hat die
       Armee erstmals in einem palästinensischen Flüchtlingslager leichte Waffen
       eingesammelt. Zwischenfälle habe es nicht gegeben, meldete die
       Staatsagentur NNA. In den kommenden Wochen würden weitere Waffenübergaben
       an den Staat erfolgen, schrieb Ministerpräsident Nauaf Salam auf X und
       begrüßte den Beginn des Prozesses. (dpa)
       
       22 Aug 2025
       
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