# taz.de -- Konzertempfehlungen für Berlin: Tanz der Finsternis
       
       > Das Berghain lädt zu einer Session in totaler Dunkelheit, der Kühlspot
       > Social Club zum Tanz, im ZK/U erklingen die Pflanzen, am Kotti
       > Sentimental Punk.
       
 (IMG) Bild: Die Trompeterinnen Liz Allbee und Sabine Ercklentz bilden das Duo TETRATON
       
       Berghain mal anders, mit einer meditativeren Ausrichtung als sonst. [1][In
       der Halle am Berghain] findet die zweite Ausgabe der Orchestral Sessions
       statt – in kompletter Dunkelheit, damit nichts von der Musik ablenkt. Unter
       anderem gibt es das Stück „Ohio / Les principes créatifs“ des eigenwilligen
       italienischen Komponisten Giacinto Scelsi zu erleben, der seine
       Vorstellungen von „sphärischem“ Klang durch mikrotonale Elemente umzusetzen
       versuchte.
       
       Fernab modernistischer Strömungen seiner Zeit arbeitete er in seinen
       Ästhetik auch östliche Philosophien ein, insbesondere aus Indien. Zudem
       kommen zur Aufführung: Tōru Takemitsus „Requiem“, Iannis Xenakis „Voile“
       und zwei Kompositionen von Avi Caspi – eine davon für handgemachte Gongs.
       Caspi ist übrigens auch der Dirigent der Sessions. Der Freitag ist bereits
       ausverkauft, für den Samstag gibt es noch Karten (22.+ 23. 8., 20 Uhr,
       [2][Tickets im VVK 44,50 Euro]).
       
       Wer sich statt in Dunkelheit etwa in Gedankenspielen über Botanik verlieren
       will, kann sich [3][ins Moabiter ZK/U begeben]. Dort werden recht
       facettenreich „Plant Stories“ – so der Name der Veranstaltungsreihe –
       aufgegriffen.
       
       Neben Workshops, Aktivitäten und Performances sind eben auch Sounds ein
       Thema. Das Kollektiv Odd Sonorous präsentiert am Samstag ein von Gesang
       getragenes poetisches Ritual. Das imaginiert eine Zeit herbei, in der
       Pflanzen und Menschen miteinander im Einklang waren. Und auch wenn es
       diesbezüglich sicherlich bessere Zeiten gab als unsere Gegenwart, bewegen
       wir uns hier wohl im Bereich des Mythologischen (23. 8., 21 Uhr).
       
       Bei Pippi Langstrumpf verbirgt sich hinter diesem Wort etwas
       Unerklärliches, oder möglicherweise Gefährliches, ein Krankheit vielleicht.
       Die Briten reden ganz eindeutig über Sperma, wenn sie „Spunk“ sagen. Doch
       am Kotti ist mit SPUNK die schöne Reihe von Sentimental Punk gemeint. Bei
       der lassen sich improvisationsfreudige Soundkünstler:innen regelmäßig
       zu Live-Soundtracks für Werke von Avantgarde-Filmemacherinnen inspirieren.
       
       Die Reihe feiert Geburtstag, den zehnten – was man aktuell in drei Akten
       feiert. Am Samstag gibt es Akt zwei, bei dem Porträts der mexikanischen
       Videopionierin Pola Weiss als Bezugspunkt für Klangforschungen dienen.
       
       Zuerst ist das Duo TETRATON dran, bei dem mit Liz Allbee und Sabine
       Ercklentz zwei Trompeterinnen aufeinandertreffen. Und weil in dieser Reihe
       pro Screening immer zwei Soundtracks entstehen, folgt die Musikerin und
       Autorin Jana Sotzko mit dem Cellisten Stellan Veloce. Zu erleben vor dem
       Kotti-Shop im [4][Neuen Kreuzberger Zentrum], Adalbertstraße 4 (23. 8.,
       20.30 Uhr).
       
       Am Sonntag lädt dann die Veranstaltungsreihe Hot Cat im [5][Kühlspot Social
       Club] zu improvisierter Musik und Butoh-Tanz. Letzterer entstammt ja trotz
       der teils archaischen Anmutung einer vergleichsweise junge Tradition. Die
       radikale Ästhetik des Tanztheaters, das wörtlich übersetzt „Tanz der
       Finsternis“ bedeutet, entwickelte sich als Reaktion auf die Abgründe des
       Zweiten Weltkriegs und die folgenden gesellschaftlichen Veränderungen in
       Japan.
       
       Es nimmt den Körper als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit
       Erinnerungen, Emotionen und Erfahrungen. Der Tänzer Motoya Kondo trifft auf
       Shuichi Chino am Klavier, Marie Takahashi an der Bratsche, den Geiger Fumio
       Okura und Shiomi Kawaguchi an der Shamisen, einer fernöstlichen
       Langhalslaute (24. 8, 20.30 Uhr, 10 bis 20 Euro als Spende).
       
       21 Aug 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.berghain.berlin/de/event/80618/
 (DIR) [2] https://tickets.berghain.de/?uuid=11860f32-47a7-473d-803d-3d5f9bc3bbd2&lang=de
 (DIR) [3] https://www.zku-berlin.org/de/timeline/plant-stories
 (DIR) [4] https://sentimentalpunk82c6b7badd.wordpress.com
 (DIR) [5] https://kuehlspot.com/
       
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 (DIR) Stephanie Grimm
       
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