# taz.de -- Hitzewelle im Juni: 1.500 Tote durch Klimawandel
       
       > Die extremen Temperaturen im Juni wurden deutlich gefährlicher, weil sich
       > die Erde weiter erhitzt. Betroffen ist vor allem eine bestimmte Gruppe.
       
 (IMG) Bild: Hitzewellen sind lautlose Killer
       
       Berlin taz | Der Klimawandel hat die Zahl der Todesopfer während der
       Hitzewelle im Juni in europäischen Großstädten verdreifacht. Zu diesem
       Ergebnis kommt [1][eine Schnellstudie eines Forscher*innen-Teams vom
       britischen Imperial College].
       
       Insgesamt starben demnach 2.300 Menschen während der zehntägigen
       Hitzewelle. Fast zwei Drittel der Fälle, nämlich 1.500, sind den
       Modellierungen der Forscher*innen zufolge darauf zurückzuführen, dass
       sich die Erde erhitzt.
       
       Um die Öffentlichkeit schnell mit einer Einschätzung dazu zu versorgen, wie
       viel der Klimawandel zu Hitzewelle und Todesfällen beigetragen hat,
       verzichteten die Forscher*innen auf die sonst in der Wissenschaft
       üblichen Prüfverfahren von Unbeteiligten. Sie verwendeten aber vielfach
       getestete Methoden.
       
       Die grundsätzliche Idee: Sie modellieren eine Welt ohne Klimawandel,
       vergleichen die Temperaturen dort mit den tatsächlich gemessenen Werten und
       errechnen die Zahl der erwarteten Hitzetoten in beiden Szenarien.
       
       „Für die sehr zeitnah vorgenommene Analyse hat sich das Team auf eine
       anerkannte Methodik gestützt“, bestätigte der Hamburger Klimatologe Jochem
       Marotzke der Deutschen Presse-Agentur. Er war selbst nicht an der Studie
       beteiligt. Diese sei „sehr gut gemacht“.
       
       ## In Westeuropa war der Juni nie heißer
       
       Mit 1.500 zusätzlichen Todesfällen aufgrund des Klimawandels verursachte
       die Hitzewelle deutlich mehr Todesfälle [2][als andere Klimakatastrophen
       der vergangenen Jahre]: Die Sturzfluten in Valencia 2024 forderten mehr als
       200 Opfer, die Ahrtal-Katastrophe mehr als 130. Beide Sturzfluten wurden
       durch die Erderhitzung wahrscheinlicher und intensiver.
       
       „Diese Studie zeigt, warum Hitzewellen als lautlose Killer bekannt sind“,
       sagte Malcolm Mistry, Epidemiologe und Co-Autor der Studie. Denn: Hitze
       taucht selten als offizielle Todesursache auf, sondern beispielsweise der
       durch sie begünstigte Herzinfarkt. „Während eine [3][Handvoll Tote in
       Spanien, Frankreich und Italien gemeldet wurden], erwarten wir Tausende
       mehr als Folge der glühenden Temperaturen.“
       
       In Westeuropa war der Juni mit einer Durchschnittstemperatur von mehr als
       20 Grad heißer als jeder andere Juni. Das berichtet der [4][europäische
       Wetterbeobachtungsdienst Copernicus]. Durchschnittstemperaturen wie während
       der Hitzewelle im Juni wurden [5][darüber hinaus] noch nie so früh
       gemessen. Zwar gab es vergleichbare Hitzewellen in den Jahren 2003, 2018,
       2019, 2022 und 2023, aber sie entstanden erst Mitte Juli.
       
       „Solch frühe extreme Hitze ist oft tödlicher, weil Menschen sich [6][noch
       nicht an die hohen Sommertemperaturen gewöhnt haben]“, schreiben die
       Autor*innen der Studie und ergänzen: „Im derzeitigen Klima ist eine
       solche Hitzewelle kein seltenes Ereignis mehr.“ In den untersuchten
       Großstädten könnten die Extremtemperaturen Ende Juni alle zwei bis fünf
       Sommer auftreten.
       
       ## Gigantischer Waldbrand in Sachsen unter Kontrolle
       
       Die Autor*innen weisen darauf hin, dass die Hitze auch das Risiko von
       Waldbränden erhöht, weil Laub, Gräser und Bäume ausgetrocknet werden. Die
       gesundheitlichen Folgen des Rauchs seien nicht in die Studie eingeflossen.
       
       In der sächsischen Gohrischheide brennt seit über einer Woche ein Wald. Die
       Lage ist mittlerweile weitgehend unter Kontrolle, letzte Glutnester müssen
       aber noch gelöscht werden. Die Flammen verbrannten dem Landratsamt Meißen
       zufolge 86 Prozent der Vegetation auf 2.400 Hektar Naturschutzgebiet.
       
       Das ist fast das Dreifache der Fläche, die seit 1991 durchschnittlich in
       einem ganzen Jahr in ganz Deutschland verbrannt ist.
       
       9 Jul 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.imperial.ac.uk/media/imperial-college/grantham-institute/public/publications/institute-reports-and-analytical-notes/Climate-change-tripled-heat-related-deaths-in-early-summer-European-heatwave.pdf
 (DIR) [2] /Gesellschaft-in-der-Klimakrise/!6095496
 (DIR) [3] /Bauarbeiter-in-Griechenland-sterben-oft-wegen-der-Hitze/!6097873
 (DIR) [4] https://climate.copernicus.eu/copernicus-third-warmest-june-globally-heatwaves-europe-amid-temperature-extremes-across-both
 (DIR) [5] https://climate.copernicus.eu/heatwaves-contribute-warmest-june-record-western-europe
 (DIR) [6] /Hitze-und-Vorsorge/!6094672
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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