# taz.de -- Weitere Verhaftungen in der Türkei: Festnahmen zur Rettung eines Erdoğan-Prestigeprojekts?
       
       > 50 Mitarbeiter der Stadtverwaltung Istanbuls werden festgenommen.
       > Darunter sind die wichtigsten Gegner des geplanten „türkischen
       > Panamakanals“.
       
 (IMG) Bild: Ungeachtet der Repression setzt die Opposition ihre Kampagne zur Freilassung Ekrem İmamoğlus fort
       
       Istanbul taz | Gut einen Monat nach der [1][Festnahme von Istanbuls
       Oberbürgermeister Ekrem İmamoğlu] hat die türkische Regierung jetzt erneut
       Menschen aus dem Umfeld des populären Oppositionsführers verhaften lassen.
       50 Mitarbeiter der Istanbuler Stadtverwaltung wurden am Samstag
       festgenommen, nach drei weiteren wird gefahndet. Die in der regierungsnahen
       Presse so genannte Operation II zielt vor allem auf führende Leute aus der
       Stadtplanung und der Istanbuler Wasserwirtschaft. Daneben wurden aber auch
       seine Chefsekretärin, sein Leibwächter und sein Fahrer verhaftet.
       
       Offizieller Grund für die Festnahmen ist wie schon bei İmamoğlu selbst der
       Vorwurf schwerer Korruption. Die Vorwürfe werden nicht weiter ausgeführt
       und scheinen deshalb genauso vorgeschoben wie beim gesamten Vorgehen gegen
       İmamoğlu.
       
       Allerdings zeichnet sich bei den jüngsten Festnahmen am Samstag ein Muster
       ab, das den Verdacht nahelegt, es gehe nicht nur um die Unterdrückung der
       Opposition allgemein, sondern vor allem um die Ausschaltung wichtiger
       Gegner eines der größten Prestigeprojekte von Präsident Recep Tayyip
       Erdoğan.
       
       Schon vor Jahren hatte Erdoğan angekündigt, er werde einen [2][„zweiten
       Bosporus“], einen „türkischen Panamakanal“ zwischen dem Schwarzen Meer und
       dem Marmarameer bauen lassen, mit dem die Kapazität des Schiffsverkehrs
       zwischen dem Schwarzen Meer und den Weltmeeren verdoppelt werden könnte.
       
       ## Die Mehrheit der Istanbuler ist gegen den Kanalbau
       
       Gegner des Projekts warnen jedoch davor, dass das sowieso schon stark
       verunreinigte Marmarameer durch einen solchen Kanal vollends kollabieren
       und zu einer Kloake würde. Außerdem würde der Kanal den europäischen Teil
       Istanbuls von seinem Trinkwasser-Nachschub abschneiden.
       
       Die Mehrheit der Istanbuler ist deshalb strikt gegen den Kanalbau, und
       İmamoğlu hat alles dafür getan, ihn zu verhindern. Die Erdoğan-Regierung
       hat jedoch Insidern und reichen Arabern frühzeitig ermöglicht, Land zu
       kaufen, das mit dem Kanal erheblich an Wert steigen sollte. Da seit mehr
       als zehn Jahren nichts passiert ist, werden die Investoren langsam
       ungeduldig und so hat die Regierung nun begonnen, im Wasserschutzgebiet
       Anlagen mit Luxuswohnungen bauen zu lassen. Etliche der jetzt
       Festgenommenen waren daran beteiligt zu versuchen, diese illegalen Bauten
       zu stoppen.
       
       Ungeachtet der Repression der Regierung setzt die Opposition ihre
       [3][Kampagne zur Freilassung İmamoğlus] fort. An diesem Wochenende
       demonstrierten Zehntausende in der Hafenstadt Mersin für İmamoğlus
       Freilassung, am kommenden Wochenende ist die AKP-Hochburg Konya dran.
       
       27 Apr 2025
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wolf Wittenfeld
       
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