# taz.de -- Umweltskandal um Oldenburgs Fliegerhorst: Unter der Oberfläche stinkt's
       
       > Auf dem Fliegerhorst, wo ein neuer Stadtteil entstehen soll, wurde
       > kontaminiertes Material verbuddelt. Staatsanwälte ermitteln auch wegen
       > Korruption.
       
 (IMG) Bild: Verdächtiger Haufen: Der künftige Ministerpräsident Olaf Lies und OB Jürgen Krogmann (beide SPD) besichtigen 2022 das Neubauareal
       
       Oldenburg taz | Aus dem Verdacht ist Gewissheit geworden: Auf dem
       ehemaligen Oldenburger Fliegerhorst ist Sondermüll vergraben. In vier
       Bodenproben sind hochgiftige Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe
       (PAK) nachgewiesen – über dem zulässigen Grenzwert.
       
       Außerdem enthielten drei Proben asbesthaltiges Material, wie die
       Staatsanwaltschaft Oldenburg am Mittwoch mitteilte. Es sei von einem
       „flächendeckenden Eintrag von Abfällen im Bereich der ehemaligen
       Schießbahn“ auszugehen, heißt es zu den Ermittlungen wegen unerlaubten
       Umgangs mit Abfällen.
       
       Damit bestätigt sich die Aussage eines Baggerfahrers, der für ein
       Abbruchunternehmen aus der Nähe von Soest arbeitete, das seit Jahren auf
       dem früheren Militärgelände tätig ist. Er hatte sich im Februar 2024 an die
       Behörden gewandt und Mitarbeiter der Stadtverwaltung bezichtigt, von der
       illegalen Aktion gewusst, ihn sogar dazu angehalten zu haben. Das
       „belastete Material“ sei dünn mit Mutterboden abgedeckt und vom
       Gartenbauamt begrünt worden.
       
       Der Bauarbeiter schätzt die kontaminierte Menge auf 15.000 Tonnen. Dazu
       noch rund 4.500 Kubikmeter verseuchter Erdaushub. Schon am ersten von sechs
       Probenlöchern, die während der Großrazzia Ende Februar fast vier Meter tief
       ausgehoben wurden, soll übel riechende Erde ans Licht gekommen sein. Dazu
       Bauschutt, an dem Teer und Asbest hafteten, sowie Asphaltbruch und
       Kabelreste. Der zuständige Staatsanwalt spricht von einem „in der Dimension
       herausragenden Verfahren“.
       
       „Das Grundwasser ist sauber. Es gibt keinen Anlass zur Sorge“, wird dagegen
       Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) in einer Mitteilung der Stadt
       Oldenburg zitiert. Weiter heißt es dort: „Von der Bodenauffüllung im
       Bereich des ehemaligen Schießstandes geht keine Gefährdung für Mensch und
       Umwelt aus.“ Nach Auffassung der Stadt handelt es sich nicht um illegale
       Abfallentsorgung, sondern um eine „planmäßige Verwendung“ von Materialien,
       die zur Absicherung einer Fläche dienen sollen, auf der Munitionsreste
       vermutet würden. Kein Sondermüll, sondern vor allem Baumstümpfe, Wurzelwerk
       und gesiebte Reste aus der Bodenaufbereitung. Außerdem gebe es einen Zaun
       um den Bereich.
       
       Auf dem 2006 aufgegeben Luftwaffen-Fliegerhorst soll ein neuer Stadtteil
       für 3.000 Menschen entstehen. Bislang sind dort schon zwei Kitas in
       Betrieb, die eine knapp 200 Meter von der kontaminierten Fläche entfernt.
       
       Das Projekt untersteht direkt dem Oberbürgermeister. Der hat den
       schwerwiegenden Verdacht stets von sich gewiesen. Dringlichkeitsanträge,
       das Gelände zu beproben, hatte eine Ratsmehrheit abgelehnt.
       Bodenuntersuchungen seien nicht nötig. Noch im November hatte Krogmann
       ausdrücklich „Entwarnung“ gegeben, die Vorwürfe haltlos genannt. Nach
       Berechnungen der Verwaltung sei völlig ausgeschlossen, dass dort illegal
       Schadstoffe entsorgt wurden. Dabei blieb der OB auch am Mittwoch noch.
       
       Zeitgleich zum richterlich angeordneten Bagger-Einsatz der Oldenburger
       Staatsanwaltschaft hatten Korruptionsermittler aus Osnabrück im Februar
       auch das Büro eines Bodengutachters in Bad Zwischenahn durchsucht. Der
       kontrolliert im Auftrag der Stadt unter anderem die Rechnungen des
       Abbruchunternehmens und zeichnete dabei üppige Nachschläge ab. Nach
       Informationen der taz [1][hat er auch selbst Rechnungen an die Firma
       gestellt], mit deren Kontrolle er von der Stadt Oldenburg beauftragt ist.
       Die Staatsanwaltschaft Osnabrück prüft jetzt, ob die Abrechnungen zum
       tatsächlichen Arbeitsaufwand passen. Sie ermittelt wegen Betrugsverdachts,
       auch gegen den Geschäftsführer der Abbruchfirma aus Nordrhein-Westfalen.
       Dort wurden im Februar ebenfalls Büros durchsucht.
       
       Die Ermittler rückten seinerzeit zudem ins Privathaus eines Stadtamtsrats
       ein. Er soll [2][nach taz-Informationen 25.000 Euro kassiert haben]. Bar in
       fünf Tranchen, die der Baggerfahrer überbracht hat. Nachdem die Stadt
       Oldenburg Mitte November 2023 vorsorglich Strafanzeige erstattet hat, ist
       der Beamte im Vorruhestand. Das beschuldigte Abbruchunternehmen und der
       Gutachter sind bis heute für die Stadt tätig. Anfragen haben sie nicht
       beantwortet.
       
       ## Millionenauftrag ohne Ausschreibung
       
       Mehr als 20 Millionen Euro hat die Konversion des ehemaligen
       Militärgeländes bislang gekostet. Der Mitarbeiter des Projektteams hatte
       offenbar zeitweise freie Hand. Ende August 2021 vergab er einen weiteren
       Auftrag über eine Million Euro an das beschuldigte Abbruchunternehmen.
       Während der Coronapandemie lag das Limit für Vergaben ohne Ausschreibung
       bei einer Million. Die Schlussrechnung überstieg den Angebotsbetrag dann
       allerdings um rund 300.000 Euro. Der Gutachter hielt das für
       gerechtfertigt. Die Stadt zahlte.
       
       Die Stadtverwaltung wurde von der staatsanwaltschaftlichen
       Durchsuchungsaktion, bei der Ermittler auch im Rathaus vorstellig wurden,
       offenbar völlig überrascht. Die taz hatte schon vor mehr als einem Jahr
       über den Verdacht des Umweltfrevels berichtet, [3][was Anlass für den
       Beginn der Ermittlungen war].
       
       Unklar sind die Folgen. Vermutlich muss der rund 8.000 Quadratmeter große
       Bereich jetzt mehrere Meter tief abgetragen und das komplette Material
       fachgerecht deponiert werden. Dazu bestehe aber „aktuell keine
       Notwendigkeit“, meint die Stadt.
       
       14 May 2025
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christina Gerlach
       
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