# taz.de -- Verdacht auf illegalen Sondermüll: Großrazzia auf Oldenburger Fliegerhorst
       
       > Staatsanwaltschaft und Polizei durchsuchen das Sanierungsgebiet und
       > nehmen Bodenproben, um mögliche Umweltverstöße aufzuklären.
       
 (IMG) Bild: Häuser stehen hier immer noch nicht: Mitglieder des Technischen Hilfswerks entfernen 2017 Teile von einem gesprengten Funkturm
       
       Oldenburg taz | Um kurz nach acht Uhr standen am Mittwochmorgen
       Staatsanwaltschaft und Polizei mit einem richterlichen
       Durchsuchungsbeschluss am Tor des städtischen Sanierungsgebiets. Das Ziel
       der Ermittler: der ehemalige Schießstand. [1][Dort soll
       schadstoffbelasteter Schutt illegal vergraben sein]. Möglicherweise mit
       Wissen oder sogar auf Anordnung von Mitarbeitern des städtischen
       Fachdienstes „Projekt Fliegerhorst“. Deshalb rückten Staatsanwaltschaft und
       Polizei zeitgleich auch im Rathaus an, außerdem in Geschäfts- und
       Privathäusern im benachbarten Bad Zwischenahn sowie in Anröchte in
       Nordrhein-Westfalen.
       
       Jetzt soll zunächst durch Bodenproben geklärt werden, ob tatsächlich
       Schadstoffe untergegraben wurden. Deshalb ist am heutigen Donnerstag auch
       ein schwerer Bagger im Einsatz. Anfang des vergangenen Jahres hatte sich
       ein Bauarbeiter selbst bezichtigt, er habe den hoch belasteten Bauschutt
       zwischen den Erdwällen des ehemaligen Schießstands abgelagert. Dann sei die
       Fläche planiert worden und das städtische Gartenbauamt habe Gras eingesät.
       
       Insgesamt soll es sich um 15.000 Tonnen handeln, vor allem Ziegelsteine mit
       Teeranhaftungen sowie asbesthaltiges Material aus abgerissenen
       Unterkunftsgebäuden und dem einstiegen Truppenkino. Teer gilt als
       krebserregend und muss als Sondermüll entsorgt werden. Außerdem sollen auch
       fast 5.000 Kubikmeter Erdreich untergegraben worden sein, das mit
       Treibstoff verseucht war.
       
       ## Zweifel an den Aussagen der Stadtverwaltung
       
       Die Stadt Oldenburg wies den schwerwiegenden Verdacht weit von sich,
       weigerte sich aber, selbst Bodenuntersuchungen vorzunehmen. Im vergangenen
       November gab Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) dann sogar
       ausdrücklich „Entwarnung“ und berief sich auf einen Bericht der städtischen
       Bodenbehörde.
       
       Er präsentierte dabei Zahlen, nach denen es seiner Meinung nach völlig
       ausgeschlossen ist, dass dort illegal Schadstoffe entsorgt wurden. „Die
       Mengen der als entsorgungspflichtig deklarierten Abfälle aus Gebäuden,
       Straßen, Leitungstrassen und unterirdischen Anlagen wurden mit den Massen,
       die auf den vorgeschriebenen Entsorgungswegen zu beseitigen waren,
       abgeglichen“, hieß es. Dabei sei keine Differenz festgestellt worden. Die
       Zahlen beruhten allerdings in erster Linie auf Angaben des beteiligten
       Abbruchunternehmens aus der Nähe von Soest, das am Mittwoch auch durchsucht
       wurde und immer noch auf dem Fliegerhorst tätig ist.
       
       Zweifel an den Aussagen der Stadtverwaltung hatten anfangs die Grünen im
       Rat, die zusammen mit der SPD einen Antrag einbringen wollten, die
       Situation vor Ort sofort durch Grabungen genau zu untersuchen. Er wurde von
       einer Ratsmehrheit im Dezember von der Tagesordnung gestrichen. Die vom
       Oberbürgermeister vorgelegte Berechnung hätte überzeugt, hieß es zur
       Begründung – auch von den Grünen.
       
       ## Verdacht auf Korruption
       
       Die angebliche Entwarnung hat die ermittelnde Staatsanwaltschaft Oldenburg
       dagegen offensichtlich nicht überzeugen können. Zunächst seien „die
       zeitlichen Abläufe, die beteiligten Abbruchfirmen und etwaige
       verfahrensrelevante Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Osnabrück aus einem
       dort geführten Verfahren ermittelt“ worden, hieß es.
       
       Mittlerweile gibt es insgesamt fünf Beschuldigte, darunter ein
       Geschäftsführer des Abbruchunternehmens, ein Bediensteter der Stadt
       Oldenburg sowie ein externer Gutachter, der offensichtlich gleichzeitig für
       die Stadt Oldenburg und für den beauftragten Abbruchunternehmer gearbeitet
       hat. Er war unter anderem mit der Vermessung der sanierten Flächen und der
       Erfassung der bearbeiteten Mengen an Erdaushub und Schutt beauftragt. Er
       hat inzwischen eingeräumt, auch Rechnungen an das Unternehmen gestellt zu
       haben, obwohl er von der Stadt Oldenburg zu dessen Kontrolle eingesetzt
       war. Es besteht laut Staatsanwaltschaft unter anderem der Verdacht des
       Betruges. Auch der Gutachter ist immer noch im städtischen Auftrag im
       Projekt tätig.
       
       Die Ermittler in Osnabrück, mit denen die Oldenburger kooperieren, sind
       außerdem dem Verdacht der Korruption auf der Spur. Hier steht ebenfalls ein
       Mitarbeiter des Fachdienstes „Projekt Fliegerhorst“ im Fokus. Er soll
       [2][eine hohe Summe Bargeld von dem Baggerfahrer angenommen haben], der die
       Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte. Der sagt, er habe die 25.000 Euro
       im Auftrag seines Arbeitgebers übergeben. Die Beschuldigten äußerten sich
       nicht.
       
       ## Platz für einen neuen Stadtteil
       
       Ein Sprecher der Stadt Oldenburg bestätigte die Aktion. Er beharrte aber
       auf dem Standpunkt, dass der Verdacht der illegalen Schadstoffentsorgung
       haltlos sei. Auf Wunsch der Ermittlungsbehörden würden jetzt Unterlagen
       zusammengestellt.
       
       Auf dem Gelände des 2006 aufgegebenen Oldenburger Fliegerhorstes [3][soll
       ein neuer Stadtteil für 3.000 Menschen entstehen]. Die
       Kampfmittelsondierung und Sanierung haben die Stadt bislang schon mehr als
       20 Millionen Euro gekostet. Die Vermarktung der Flächen läuft nur
       schleppend.
       
       26 Feb 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christina Gerlach
       
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