# taz.de -- Israels Pläne für Gaza: Es hängt an Netanjahu
       
       > Nun ist es klar: Israel will Gaza wieder okkupieren, die Folgen dürften
       > fatal sein. Die letzte Hoffnung ist Israels Bevölkerung.
       
 (IMG) Bild: Die Konsequenzen: Eine Mutter trauert um ihren Sohn, der durch einen israelischen Luftangriff in Khan Younis getötet wurde
       
       Den gesamten Gazastreifen will die israelische Regierung militärisch
       erobern [1][und auf unbestimmte Zeit besetzen]. Damit ist ein Kernanliegen
       der religiös-nationalistischen Siedlerbewegung zur Regierungslinie
       geworden. Die zwei Millionen Palästinenser, die die Armee derzeit mit
       Ansage aushungert, sollen laut Medienberichten auf einem Bruchteil des
       Küstenstreifens zusammengetrieben werden. Dass die Regierung nur darauf
       wartet, sie in andere Länder „umzusiedeln“, daraus macht Ministerpräsident
       Netanjahu kein Geheimnis.
       
       Unerwartet kommt der Schritt nicht. Schon im Februar vergangenen Jahres
       hatte Netanjahu angekündigt, Israel werde nach dem Krieg die
       „Sicherheitskontrolle“ in Gaza behalten. Ein erster Schritt dorthin war,
       dass der Regierungschef entgegen der Einschätzung von Armee und
       Geheimdiensten auf der Kontrolle des Philadelphi-Korridors zwischen Gaza
       und Ägypten beharrte. Dabei trieben ihn wie schon vor dem Terrorangriff der
       Hamas am 7. Oktober 2023 besonders zwei Ziele: um jeden Preis an der Macht
       zu bleiben und jede moderate palästinensische Selbstverwaltung im Keim zu
       ersticken.
       
       Die Grundlagen für neue Gewalt werden indes zementiert, wenn die Armee
       künftig inmitten einer Bevölkerung stationiert wird, die ihr nach 19
       Monaten Dauerbombardement mit mehr als 50.000 Toten feindlicher als je
       zuvor gegenübersteht. Die Hamas wird trotz allem Leid kaum kapitulieren.
       International ist seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump wenig
       Druck gegen Netanjahu zu erwarten. Widerspruch könnte stattdessen aus
       Israel selbst kommen. Umfragen zeigen seit Monaten, dass die überwiegende
       Mehrheit der Bevölkerung den Krieg für die Rückkehr der Entführten beenden
       würde.
       
       Es wäre nicht das erste Mal in der israelisch-palästinensischen Geschichte,
       dass Verständigung aus Pragmatismus möglich wird. Doch [2][mit Netanjahu an
       der Spitze], der die Spaltung der traumatisierten israelischen Gesellschaft
       wie kein Zweiter auf zynische Weise zu nutzen weiß, dürften diese Stimmen
       der Vernunft ungehört verhallen.
       
       6 May 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/israel-gaza-eroberung-besetzung-plaene-nahost-100.html
 (DIR) [2] /Internationaler-Strafgerichtshof/!6079273
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Wellisch
       
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