# taz.de -- Großbrand zerstört Großmarkt in Ghana: In Schutt und Asche, aber das Geschäft geht weiter
       
       > Ein Feuer hat Westafrikas größten Markt für gebrauchte Kleidung zerstört.
       > Der Kantamanto Market in Ghanas Hauptstadt Accra ist weitgehend
       > abgebrannt.
       
 (IMG) Bild: Drei Viertel des Marktes sind zerstört: Yayra Agbofah auf dem Kantamanto Market in Accra, Freitag
       
       Accra taz | Rauchschwaden steigen aus den Trümmern auf, hier und da züngeln
       noch kleine Flammen. Dazwischen hat sich eine Frauengruppe unter einem
       kleinen Sonnenschirm versammelt. Es ist der einzige Schatten, der auf der
       Fläche noch zu finden ist. Bis vor wenigen Tagen war hier, in Ghanas
       Hauptstadt Accra, noch der [1][Kantamanto Market], Westafrikas größter
       Markt für Second-Hand-Kleidung.
       
       Es war ein wahres Labyrinth an Gängen, dicht gefüllt mit aller Art an
       Kleidung, Stoffen und Schuhen. Ein schweres Feuer in der Nacht vom 1. auf
       den 2. Januar hat nun alles in Schutt und Asche gelegt. Lediglich der
       Betonboden ist übriggeblieben.
       
       Der aber ist wenige Tage später bereits sauber gefegt. „Wir haben alles
       selbst weggeräumt“, sagt Linda Amoako. Vor dem Brand hat die 35-Jährige
       hier Handtaschen verkauft. „Mein Mann hat dort hinten Kleider verkauft“,
       sagt sie und zeigt ein paar Meter weiter. Das Ehepaar hat seine gesamte
       Existenz in dem Feuer verloren.
       
       „An die 2.500 Stände sind abgebrannt“, schätzt Yayra Agbofah von der
       Organisation The Revival. Etwa sechs bis acht Fußballfelder ist der Markt
       groß, rund drei Viertel davon sind komplett zerstört. Das Studio des
       Designers ist gerade so vom Flammenmeer verschont geblieben. Der kleine
       Holzverschlag ist eigentlich zum Lagern von Kleidung gedacht. Agbofah und
       sein Team haben es sich zur Aufgabe gembacht, weggeworfene Altkleider zu
       recyceln, und haben dafür den Lagerraum in eine Nähwerkstatt umgebaut.
       
       ## Herzstück eines globalen Handelskreislaufs
       
       Geschätzt 15 Millionen gebrauchte Kleidungsstücke werden jede Woche aus
       Europa, Nordamerika und Asien nach Ghana verschifft. Diese werden
       repariert, aufbereitet und wiederverkauft. Der Kantamanto Market ist das
       Herzstück des Kreislaufs, ein Umschlagplatz für [2][Altkleider aus aller
       Welt] und Einkommensquelle für Tausende Ghanaer.
       
       Yayra Agbofah und sein Team sind Teil dieser Kette, ein Sinnbild für
       Innovation und Beharrungskraft. Der informelle Sektor bietet Chancen auf
       Einnahmen, ohne hohe Hürden wie eine gute Ausbildung oder großes
       Startkapital – Faktoren, die umso bedeutender sind, seit Ghana 2022 in eine
       seiner schwersten Wirtschaftskrisen überhaupt abrutschte.
       
       13 Löschfahrzeuge waren im Einsatz, allerdings ohne ausreichend
       Löschwasser. Auch hätten sich die Löschbemühungen eher auf die nahegelegene
       Bank konzentriert als auf den Markt, berichten umstehende Verkäufer.
       Vorläufige Untersuchungen deuten darauf hin, dass fehlerhafte elektrische
       Anschlüsse den Brand ausgelöst haben könnten, doch auch Brandstiftung wird
       nicht ausgeschlossen.
       
       In wenigen Tagen, am 7. Januar, wird in Ghana ein neuer Präsident
       vereidigt: John Dramani Mahama vom National Democratic Congress (NDC).
       Dieser hatte bei den Wahlen am 7. Dezember [3][mit 57 Prozent einen
       Erdrutschsieg] eingefahren. Doch Linda Amoako winkt ab. Sie macht sich
       keine große Hoffnung, dass staatliche Unterstützung kommt.
       
       ## Das Geschäft geht weiter
       
       Keine 24 Stunden nach dem Feuer ist ein Großteil des zerstörten Marktes
       bereits wieder freigeräumt. Tausende Menschen haben sich in Eigeninitiative
       versammelt und arbeiten rund um die Uhr. Nadel und Faden sind vorerst
       Schaufeln und Spitzhacken gewichen.
       
       Langsam steigt eine Frau eine wackelige Holzleiter hinauf. Auf ihrem Kopf
       balanciert sie eine große Blechschüssel, randvoll mit Schutt. Eigentlich
       werden diese zum Verkauf von Getränken oder Essen genutzt. Ihre Arme und
       Beine zittern, als sie sich Schritt für Schritt die Leiter hochzieht, um
       den Inhalt auf die Ladefläche eines Lkws zu kippen. Schweiß tropft ihr von
       der Stirn. Der lange Rock verfängt sich immer wieder zwischen Leiter und
       Sandale.
       
       Während die Rauchschwaden noch über den Platz wabern, erreicht bereits die
       erste Lieferung Holz die Händler: Das Geschäft geht weiter. Rund 30.000
       Menschen arbeiten in den engen Gassen des Marktes. Es ist nicht das erste
       Mal, dass er von einem Brand betroffen ist. Dieser aber ist der mit Abstand
       verheerendste.
       
       5 Jan 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helena Kreiensiek
       
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