# taz.de -- Filmförderung nach dem Ampel-Aus: Lasst den Film nicht bluten
       
       > Die Novellierung des Filmförderungsgesetzes sollte ab Januar 2025
       > eingeführt werden. Doch durch das Ampel-Aus droht auch ein Aus der
       > Filmlandschaft.
       
 (IMG) Bild: Wohin ginge es für Paula Beer ohne Filmförderung? Szene aus Christian Petzolds Film „Roter Himmel“
       
       Die Novellierung des Filmförderungsgesetzes (FFG), die als Grundlage für
       eine umfassende Reform der deutschen Filmbranche für den 1. Januar 2025
       geplant war, steht nach dem Aus der Ampelkoalition auf der Kippe.
       Eigentlich sollte das Gesetz ursprünglich noch in diesem Jahr verabschiedet
       werden, doch wegen der fehlenden zweiten und dritten Lesung im Bundestag
       droht die Novelle zu scheitern. Ohne rechtzeitige Verabschiedung läuft das
       aktuelle Filmförderungsgesetz nach zwei Verlängerungen Ende Dezember 2024
       aus – ein Szenario, das massive Auswirkungen auf die Branche hätte.
       
       Ohne ein gültiges FFG gäbe es keine gesetzliche Grundlage für die
       [1][Abgaben von Verwertern wie Streamingdiensten, Fernsehsendern und
       Kinobetreibern an die Filmförderanstalt (FFA)]. Diese Abgaben fließen
       direkt in die Förderung neuer Filmprojekte. Allein im letzten Jahr
       bewilligte die FFA rund 70 Millionen Euro Fördergelder. Ohne diese Mittel
       drohen der Filmindustrie Insolvenzen, Arbeitsplatzverluste und ein Einbruch
       der Produktion.
       
       [2][Die Reform des FFG ist Teil eines größeren Konzepts, das die deutsche
       Filmindustrie international wettbewerbsfähiger machen soll]. Neben der
       Novellierung des Filmförderungsgesetzes, das als erste Säule gilt, umfasst
       der Plan ein Investitionsprogramm sowie Steueranreize. Das
       Investitionsprogramm sieht höhere Pflichtabgaben von Streamingdiensten und
       Mediatheken-Betreibern vor.
       
       ## Es hakt an der Umsetzung
       
       Die Verhandlungen dazu gestalten sich jedoch schwierig. Eine Einigung gibt
       es hierzu noch nicht. Die dritte Säule, Steueranreize für die
       Filmproduktion in Höhe von bis zu 15 Prozent, sollte Unternehmen
       zusätzliche Anreize bieten, in Deutschland zu drehen und zu investieren.
       Auch hier hakt es jedoch an der Umsetzung, weshalb diese beiden Säulen
       aktuell wanken.
       
       Trotz der Unsicherheiten wurden im Rahmen der FFG-Novelle bereits einige
       wichtige Neuerungen eingeführt. Dazu gehören Maßnahmen zur
       Geschlechtergerechtigkeit, eine stärkere Förderung von Diversität und
       Innovationen bei der Vergabe von Fördermitteln. Außerdem wurden klare
       Kriterien geschaffen, um Fördergelder effektiver zu verteilen und die
       Filmbranche zukunftsfähiger zu machen. Diese Änderungen sollen unter
       anderem die Internationalität und Digitalisierung der deutschen
       Filmproduktion stärken.
       
       Sollte das FFG nicht rechtzeitig verabschiedet werden, wäre das ein enormer
       Rückschlag für die ganze Branche. Ein „Worst-Case-Szenario“ wäre, dass es
       weder ein neues FFG noch ein Verlängerungsgesetz für das noch bestehende
       FFG geben würde. Und ohne die gesetzliche Grundlage entfielen die Abgaben
       an die FFA und damit die finanzielle Basis der Filmförderung.
       
       Ein Sprecher der Kulturstaatsministerin Claudia Roth erklärt die Lage wie
       folgt: „Die Reform der Filmförderung ist für die Kulturstaatsministerin ein
       zentrales Anliegen und sie setzt sich gerade mit aller Kraft dafür ein,
       dass dieses für den Filmstandort Deutschland und für die gesamte
       Filmbranche hierzulande so wichtige Vorhaben noch in dieser
       Legislaturperiode abgeschlossen werden kann. Dafür müsste auch eigentlich
       eine parteiübergreifende Mehrheit im Bundestag möglich sein, da diese
       Reform auch von unionsgeführten Bundesländern wie Bayern,
       Nordrhein-Westfalen und Berlin unterstützt wird, die als wichtige Orte des
       Filmschaffens auch besonders dringend darauf angewiesen sind.“
       
       ## Die Wettbewerbsfähigkeit der Filmindustrie sichern
       
       Die Produktionsallianz, ein Zusammenschluss führender
       Filmproduktionsunternehmen, warnt vor Insolvenzen und
       Arbeitsplatzverlusten. Gegenüber der Filmfachzeitschrift Blickpunkt Film
       bezeichnete der Geschäftsführer der Produktionsallianz, Björn Böhning, das
       FFG als „alternativlos“ und appelliert an die Politik, eine umfassende
       Krise der Branche zu verhindern. Auch der Hauptverband der Filmtheater
       sieht das geplante Reformwerk als unverzichtbar, um die
       Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Filmindustrie zu sichern.
       
       Das politische Aus der Ampelkoalition erschwert die Umsetzung des FFG
       erheblich. Die CDU, die sich bislang als verlässliche Partnerin der
       Filmwirtschaft gezeigt hatte, signalisiert zwar Unterstützung, knüpft diese
       aber an die Vertrauensfrage, die Bundeskanzler Olaf Scholz im Dezember
       stellen will. Laut CDU soll die Novellierung des FFG erst nach Klärung der
       Vertrauensfrage verabschiedet werden – frühestens Mitte Dezember, kurz vor
       Weihnachten. Ob dies tatsächlich geschieht, bleibt fraglich.
       
       Sollte die Novelle scheitern, droht der deutschen Filmindustrie nicht nur
       ein massiver Einbruch, sondern auch ein Imageschaden auf internationaler
       Ebene. Die deutsche Filmförderung ist essenziell, um qualitativ hochwertige
       Produktionen zu sichern und den Standort Deutschland für Filmemacher
       attraktiv zu halten. Die Zeit für die Politik drängt, denn ohne eine
       schnelle Einigung stehen nicht nur zahlreiche Projekte, sondern auch die
       gesamte deutsche Filmbranche auf dem Spiel.
       
       26 Nov 2024
       
       ## LINKS
       
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