# taz.de -- Kanzlerkandidatur bei der SPD: Im Pott ist für Olaf Scholz einiges im Argen
       
       > Im mächtigen Landesverband Nordrhein-Westfalen stehen nicht alle hinter
       > dem Kanzler. An der Basis ist die Stimmung gespalten.
       
 (IMG) Bild: Anschauen können sie sich noch: Boris Pistorius (links) und Olaf Scholz im September
       
       Essen taz | Im größten und einflussreichsten SPD-Landesverband
       Nordrhein-Westfalen wächst der Widerstand gegen [1][eine erneute
       Spitzenkandidatur von Bundeskanzler Olaf Scholz.] „Wenn Sie in der SPD die
       Mitglieder befragen würden, wären 80 Prozent für Verteidigungsminister
       Boris Pistorius“, sagte Serdar Yüksel, Chef des SPD-Unterbezirks Bochum,
       dem Stern. Parteikreise berichten von deutlichem Rumoren in der 56-köpfigen
       Düsseldorfer Landtagsfraktion – öffentlich wagte sich dort zuletzt aber
       noch niemand aus der Deckung.
       
       Scholz trage Verantwortung für die gesamte Partei, mahnte Yüksel, dessen
       Kandidatur für den nächsten Bundestag als gesetzt gilt. Es gehe um „die
       Frage, ob die SPD überlebt“. Auch der aus NRW stammende Ex-Bundesparteichef
       Franz Müntefering erklärte, Scholz habe kein natürliches Vorrecht auf eine
       Kanzlerkandidatur. Ein SPD-Parteitag solle stattdessen die Entscheidung
       treffen, forderte der einstige Vizekanzler. „Selbstverständlich sind
       Gegenkandidaturen in der eigenen Partei grundsätzlich möglich und kein
       Zeichen von Ratlosigkeit. Sie sind praktizierte Demokratie“, so Müntefering
       gegenüber dem Tagesspiegel.
       
       Während die SPD bei Umfragen zwischen 15 und 16 Prozent herumdümpelt, gilt
       Pistorius als mit Abstand beliebtester Politiker Deutschlands. Könnten die
       Bürger:innen den Kanzler direkt wählen, würden sich 39 Prozent für ihn,
       aber nur 32 Prozent für CDU-Oppositionsführer Friedrich Merz entscheiden,
       so das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage. Scholz wollen dagegen nur 16
       Prozent weiter im Amt sehen.
       
       Schon in der vergangenen Woche hatten sich Sozialdemokraten wie der
       parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion in
       Sachsen-Anhalt, Rüdiger Erben, für Pistorius ausgesprochen. Auch im
       Seeheimer Kreis der konservativeren SPD-Bundestagsabgeordneten seien die
       Pistorius-Unterstützer mittlerweile in der Mehrheit, berichtete der
       Spiegel. Demnach habe der Abgeordnete Joe Weingarten aus Rheinland-Pfalz
       sogar vor einem „Desaster“ gewarnt, sollte Scholz Spitzenkandidat bleiben.
       
       ## Die Co-Vorsitzende der SPD in NRW gibt sich uneindeutig
       
       Aus dem nordrhein-westfälischen SPD-Landesvorstand hieß es dazu, die von
       Bochums Parteichef Yüksel geschilderte Ablehnung von Scholz durch die
       Parteibasis sei richtig wiedergegeben – und werde dem Kanzler so auch
       kommuniziert. Kein Thema sollte die Spitzenkandidatur dagegen bei einer
       „Dialogveranstaltung“ in der Ruhrgebietsmetropole Essen sein, bei der
       führende Genoss:innen mit ihrer Basis, aber auch mit Nichtmitgliedern
       ins Gespräch kommen wollten: Wie zuvor schon die Co-Bundesvorsitzende
       Saskia Esken und Bundestagsfraktionschef Rolf Mützenich stärkten dort
       Bundesparteichef Lars Klingbeil und Generalsekretär Matthias Miersch Scholz
       noch einmal demonstrativ den Rücken.
       
       „Olaf Scholz ist der Kanzler – und alle, die in der SPD Verantwortung
       tragen, haben in den letzten Tagen auch deutlich gemacht, dass wir hinter
       ihm stehen“, erklärte Klingbeil. „Sie können mir die Frage 3.000 Mal
       stellen“, sagte auch Miersch: „Ich bin sicher, dass Olaf Scholz
       Kanzlerkandidat der SPD wird.“
       
       Weniger eindeutig äußerte sich die Co-Vorsitzende der SPD in NRW, Sarah
       Philipp: „Die Partei bereitet sich auf einen kurzen, komprimierten
       Wahlkampf vor“, sagte Philipp der taz. „Dass mit Scholz und Pistorius
       gleich zwei Kabinettsmitgliedern zugetraut wird, ein guter Kanzler zu sein,
       ist dabei eine Stärke.“
       
       Folgerichtig schien da, dass die Genoss:innen in Essen bei Panels zwar
       etwa über Friedenspolitik oder über die Wirtschaft diskutierten, die
       Kandidatenfrage aber aussparten. Auch auf Nachfrage zeigten sich die
       Genoss:innen gespalten: „Ich stehe total hinter Scholz“, sagte der taz
       etwa Susanne Kirchhof, in NRW Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der
       Selbstständigen in der SPD.
       
       „Ich wäre für eine Auswechselung“, meinte dagegen Marco Goertz,
       Ortsvereinsvorsitzender im niederrheinischen Niederkrüchten. Nötig sei auf
       jeden Fall eine schnelle Entscheidung, meinten andere – am besten bis zur
       sogenannten Wahlsieg-Konferenz der SPD am 30. November, deren Namen viele
       Sozialdemokrat:innen nur noch mit süffisantem Lächeln in den Mund
       nehmen.
       
       17 Nov 2024
       
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