# taz.de -- Putin zur Kriegslage: „Hauptziel“ Donbass
       
       > Beim Wirtschaftsforum in Wladiwostok zeigt sich Russlands Präsident
       > optimistisch. Den US-Wahlen begegnet er mit antisemitischer
       > Verschwörungsideologie.
       
 (IMG) Bild: Mit dem Lachen hat er es nicht so: Wladimir Putin beim Wirtschaftsforum in Wladiwostok
       
       Moskau taz | Es ist seine übliche Aufzählung von Erfolgsmeldungen, das
       macht Russlands Präsident Wladimir Putin gern, egal, wo ihm der rote
       Teppich ausgerollt wird. Am Donnerstag eben auf dem Wirtschaftsforum in
       Wladiwostok, in Russlands Fernem Osten. Die Inflation, ja, etwas hoch, sagt
       Putin, aber sie sinke nun. Arbeitskräftemangel, ja, gebe es, aber in
       Russland, sagt Putin, strebe man immer nach vorn, sein Ziel vor Augen. Und
       das sei klar: Entwicklung, Entwicklung, Entwicklung. „Alles für die
       Menschen.“
       
       Die Menschen, vor allem in der Region Kursk, [1][verlassen gerade nur mit
       dem, was sie am Leib tragen, ihre Häuser], weil die ukrainische Armee
       Tausende Quadratmeter dieser Region kontrolliert. Sie stranden in
       Flüchtlingsunterkünften, Zukunft ungewiss.
       
       In anderen Teilen des Landes verpflichten sich Menschen als Soldaten, weil
       Millionen Rubel sie locken und die russische Propaganda sie glauben macht,
       sie verteidigten als Helden ihr Vaterland. [2][Die Mütter dieser
       Neusoldaten wissen, dass sie ihre Söhne verlieren werden], und reden sich
       gleichzeitig ein, es werde diesen schon nichts passieren. Eine Strategie
       der Beschönigung, um sich den Verbrechen der Söhne und des eigenen Staates
       nicht stellen zu müssen.
       
       ## Zynismus und Beschönigungen
       
       Beschönigen, verdrehen, dazu zynisch lachen, das beherrscht auch Russlands
       Präsident, wie er in Wladiwostok zeigt. Beim US-Wahlkampf unterstütze er
       natürlich Kamala Harris, sagt er, und überrascht damit offensichtlich
       einige. Seine Körpersprache, sein verächtliches Lächeln verraten
       allerdings, dass Putin sich über die US-amerikanische
       Präsidentschaftskandidatin lustig macht. [3][Sie habe so ein ansteckendes
       Lachen], sagt einer, dem gerade das fehlt. „Es geht ihr also gut. Das wird
       sie hoffentlich davon abhalten, gegen unser Land so viele Sanktionen
       einzuführen wie einst Präsident Trump.“ Dann wartet er auf die nächste
       Frage.
       
       Dass die Ukraine Teile der russischen Region Kursk besetzt hält, die erste
       Eroberung russischen Territoriums seit 1941, erwähnt er fast beiläufig.
       „Der Feind wollte uns nervös machen und dazu bringen, Truppen zu verlegen
       und unsere Offensive im Donbass zu stoppen. Doch die Befreiung des Donbass
       ist unser Hauptziel“, sagt Putin. Dann driftet er ab. „Ich habe den
       Eindruck, dass die, die die Ukraine regieren, entweder Außerirdische oder
       Ausländer sind“, sagt er und bedient sich damit antisemitischer
       Verschwörungstheorien.
       
       ## Rechtsesoterische Weltverschwörungstheorien
       
       Der weltweit populäre rechtsesoterische Brite David Icke beschreibt in
       seinen Schriften reptilienähnliche Außerirdische, die aus unterirdischen
       Bunkern heraus politische Prozesse kontrollieren. In Russland verbreitete
       der Antizionist Waleri Jemeljanow bis zu seinem Tod 1999 die Theorie der
       Weltverschwörung durch reptilienartige Außerirdische und schwadronierte
       über die Überlegenheit der russischen Nation.
       
       Putin bedient sich nicht zum ersten Mal antisemitischer Sprüche. Den
       ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bezeichnete er einst als
       „Schande des jüdischen Volkes“. Das hätten ihm „jüdische Freunde“ gesagt.
       Ein antisemitischer Klassiker.
       
       5 Sep 2024
       
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