# taz.de -- Flucht und Migration in die EU: Zypern macht dicht
       
       > Zypern setzt die Bearbeitung von Asylanträgen von Syrern aus. Grund ist
       > die gestiegene Zahl von Neuankömmlingen. Nun soll ein Deal mit Libanon
       > her.
       
 (IMG) Bild: Eingang zum Flüchtlingscamp Pournara auf Zypern
       
       Athen taz | Allein im April sind Medienberichten zufolge mehr als 1.000
       Flüchtlinge und Migranten mit Booten aus dem Libanon in Zypern angekommen.
       Viele von ihnen sind Syrer. Dass Zypern nun die Bearbeitung von
       Asylanträgen von Syrern bis auf Weiteres aussetzt, sei „eine Notmaßnahme,
       eine schwierige Entscheidung, um die Interessen unseres Landes zu
       schützen“, so [1][Zyperns Staatspräsident Nikos Christodoulidis.]
       
       Die im östlichen Mittelmeer gelegene Insel Zypern befindet sich nur rund
       160 Kilometer westlich der Küsten des Libanon und Syriens. Ganz Zypern hat
       nur etwa 1,25 Millionen Bewohner. Seit dem Sommer 1974 ist das Eiland nach
       der [2][völkerrechtswidrigen Invasion türkischer Truppen] in den
       Inselnorden [3][faktisch geteilt]. Etwa 900.000 Menschen leben im von der
       Regierung der Republik Zypern kontrollierten Süden der Insel, weitere
       350.000 Menschen in der 1983 ausgerufenen und nur von der Türkei
       anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“.
       
       Die [4][Schutzsuchenden wollen in den Süden Zyperns]. Von Anfang Januar bis
       Ende März dieses Jahres erreichten offiziellen Angaben zufolge 2.448
       irreguläre Migranten Zyperns Süden über den Seeweg. Ein Großteil der Boote
       mit Flüchtlingen und Migranten startet vom Libanon aus. Im entsprechenden
       Vorjahreszeitraum waren es auf dieser Route lediglich 78. Gemessen an
       seiner Gesamtbevölkerung ist Zypern das EU-Land mit den meisten irregulär
       einreisenden Migranten in der EU-27.
       
       Die nun beschlossene Aussetzung der Asylanträge von Syrern ist ein scharfes
       Schwert. Es ist nicht das erste Mal, dass ein EU-Land es anwendet. Im März
       2020 hatte Griechenland die Aussetzung aller Asylanträge beschlossen.
       Tausende von Flüchtlingen und Migranten hatten damals gleichzeitig
       versucht, die Festlandsgrenze zwischen Griechenland und der Türkei
       irregulär zu überqueren und damit EU-Gebiet zu erreichen. Erst nach dem
       Ende der Auseinanderstzungen an der Grenze wurde die Aussetzung wieder
       aufgehoben.
       
       ## Zyperns Präsident besucht Libanon
       
       Ein weiterer Hebel, um die Zahl der Neuankömmlinge auf Zypern signifikant
       zu senken, soll aus Sicht von Nikosia die Bereitstellung von zusätzlichen
       Geldern für den Libanon sein. Der seit 2019 von einer desaströsen
       Wirtschaftskrise geschüttelte Zedernstaat beherbergt laut offizieller
       Angaben mindestens 800.000 Flüchtlinge aus Syrien, davon leben nach
       UN-Angaben 90 Prozent in Armut. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer
       aus, die tatsächliche Zahl der dort Ausharrenden dürfte zwischen 1,5 und 2
       Millionen Menschen liegen.
       
       Zyperns Staatspräsident Christodoulides besuchte letzte Woche den Libanon,
       nachdem er bereits Anfang April die EU um Hilfe angerufen hatte. Sein Ziel
       ist es, dass Brüssel Beirut bei der Eindämmung der Flüchtlingsströme aus
       dem Libanon mehr als bisher finanziell unterstützt. So soll der Druck auf
       die libanesische Regierung erhöht werden, um die Abfahrt der Boote zu
       verhindern.
       
       „Die EU stellt dem Libanon erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung“, so
       Christodoulidis. Es bestehe durchaus der politische Wille, diese
       Finanzmittel aufzustocken, fügte er hinzu. Die EU hat ein [5][Abkommen
       solcher Art] im Februar mit Ägypten geschlossen, Kairo kassiert so
       EU-Finanzhilfen in Höhe von 7,4 Milliarden Euro.
       
       Ein dritter Hebel, um der Lage auf Zypern Herr zu werden, ist aus Sicht von
       Nikosia, Teile Syriens zu sicherem Gebiet zu erklären. In diesem
       Zusammenhang besuchte Zyperns Innenminister Konstantinos Ioannou in der
       vorigen Woche die EU-Partner Dänemark, Tschechien sowie Griechenland, um
       für einen solchen Vorstoß innerhalb der EU zu werben. UN-Organisationen,
       Menschenrechtsgruppen sowie viele westliche Regierungen halten jedoch daran
       fest: Syrien bleibt weiterhin kein sicheres Land für Rückkehrer.
       
       15 Apr 2024
       
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 (DIR) Ferry Batzoglou
       
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