# taz.de -- Baerbock in Ägypten: Zelte und Schlafsäcke für Gaza
       
       > Die Außenministerin besucht Kairo und fordert mehr Hilfe für Gaza.
       > Derweil sollen im Libanon weitere Hisbollah-Leute gezielt getötet worden
       > sein.
       
 (IMG) Bild: Annalena Baerbock während einer Pressekonferenz in Kairo am 09.01
       
       Kairo taz | Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) setzt auf die
       Unterstützung Ägyptens für eine Lösung im Gaza-Israel-Krieg. Ägypten sei
       selbst häufig von Terror heimgesucht worden, sagte Baerbock nach einem
       Gespräch mit ihrem Amtskollegen Samih Shukri am Dienstag in Kairo. Ein
       Flächenbrand in der Region müsse unbedingt verhindert werden.
       
       Baerbock betonte erneut: „Für Deutschland ist glasklar: Israel muss sich
       vor dem Hintergrund des 7. Oktober 2023 verteidigen.“ Jedoch müssten
       zugleich palästinensische Zivilist:innen stärker geschützt werden.
       Baerbock plädierte für humanitäre Pausen, um Hilfen in den Gazastreifen zu
       bringen.
       
       Im Laufe des Dienstags will die deutsche Außenministerin an den
       Grenzübergang Rafah reisen, der den Gazastreifen mit Ägypten verbindet.
       Geplant ist die Übergabe von rund 10 Tonnen an Hilfsgütern, darunter Zelte,
       Decken und Schlafsäcke.
       
       Seit Tagen ist es nahezu unmöglich, Hilfsgüter in den abgeriegelten
       Gazastreifen zu bringen, insbesondere in den Norden. Es gibt enorme
       praktische Probleme an den Grenzübergängen. Alle Lkw müssen geprüft und
       gescannt werden, und an verschiedenen Stationen werden Güter neu verladen.
       Dies führt zu erheblichen Verzögerungen.
       
       Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte zudem, es gebe kaum noch
       medizinisches Personal vor Ort. „Weitere Verzögerungen werden zu mehr Toten
       und Leid für zu viele Menschen führen.“ Auch das UN-Hilfswerk für
       palästinensische Geflüchtete (UNRWA), das Kinderhilfswerk Unicef und das
       UN-Welternährungsprogramm verweisen auf die katastrophale Lage. Sie fordern
       die israelische Regierung auf, [1][Hilfe zu leisten, Zivilist:innen zu
       schützen sowie Hilfsorganisationen den Zugang zu erleichtern.]
       
       Baerbock spricht sich gegen Vertreibung aus 
       
       In Ägypten ist eine kritische Haltung gegenüber Israel weit verbreitet, wie
       eine Bemerkung eines arabischen Journalisten bei einer Pressekonferenz von
       Baerbock und Shukri am Dienstag zeigte. Der Sky-News-Journalist gedachte
       vor seiner Frage den toten Journalist:innen im Gazastreifen. Shukri
       selbst warf Israel vor, die Arbeit von Medienleuten gezielt zu verhindern,
       was Baerbock zurückwies.
       
       Ägypten fürchtet insbesondere Flüchtlinge aus Gaza. „Wir reden über eine
       Waffenruhe und parallel werden die Palästinenser:innen vertrieben und
       zwangsumgesiedelt“, betonte Shukri. Auch Baerbock sprach sich gegen eine
       Vertreibung aus: „Gaza und das Westjordanland gehören den
       Palästinenser:innen“, so die Außenministerin.
       
       Um einen dauerhaften Frieden in Nahost zu erreichen, müsse auch über
       Sicherheit und Sicherheitsgarantien sowohl für Israel als auch für die
       Palästinenser:innen gesprochen werden, sagte Baerbock weiter. Ob dies
       auch einen Bundeswehreinsatz in der Region bedeuten könne, ließ sie offen.
       Baerbock setzt auf reformierte Verwaltungsstrukturen im Gazastreifen und
       eine wirtschaftliche Stabilisierung. „Wenn wir nicht alle dazu bereit sind,
       dann kann es keinen Frieden geben“, sagte sie.
       
       Berichte über weitere Tötung im Libanon 
       
       Baerbock war am Sonntag nach Israel gereist und hatte sich sich unter
       anderem mit ihrem Amtskollegen Israel Katz getroffen. Am Montag besuchte
       die Außenministerin das Westjordanland. [2][Ihre Botschaft: Beistand und
       klare Kante,] Solidarität – aber nicht bedingungslos. Wenn es zu einer
       Zweistaatenlösung kommen solle, um den Frieden in der Region zu sichern,
       müsse die Hamas die Waffen niederlegen und auch Israel den
       Palästinenser:innen ein Leben in Sicherheit ermöglichen.
       
       In Israel hatte Baerbock die zusätzliche Öffnung des Grenzübergangs Kerem
       Schalom als „wichtigen Anfang“ für mehr humanitäre Hilfe bezeichnet.
       Deutschland hat seit Kriegsbeginn am 7. Oktober 2023 die finanzielle
       Unterstützung für Gaza auf 200 Millionen Euro verdreifacht. Eine weitere
       Aufstockung ist geplant.
       
       Derzeit sind hochrangige internationale diplomatische Vertreter:innen
       auf Tour in der Region und [3][bemühen sich um Deeskalation auf allen
       Seiten]. US-Außenminister Antony Blinken traf am Montagabend in Israel ein.
       Klima- und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wird am Mittwoch in
       Israel und dem Westjordanland erwartet. Zuvor wollte er in den Oman und
       nach Saudi-Arabien reisen. Auch die [4][Diskussion um den Verkauf deutscher
       Eurofighter] an die Saudis im Kampf gegen die jemenitischen Huthis dürften
       bei den Gesprächen Thema sein.
       
       Baerbock wird am Dienstagabend weiter in den Libanon reisen. In den
       vergangenen Tagen hatte sich die Lage im israelisch-libanesischen
       Grenzgebiet verschärft. Die vom Iran unterstützte Schiitenmiliz Hisbollah
       feuert regelmäßig Raketen auf Israel. Das israelische Militär reagiert mit
       Gegenangriffen.
       
       Am Montag wurde ein hochrangiger Kommandeur der Hisbollah getötet. Am
       Dienstag folgte dem Nachrichtensender [5][Al Jazeera zufolge] ein
       Drohnenangriff auf ein Auto, bei dem drei Hisbollah-Mitglieder gezielt
       getötet worden sein sollen. [6][Die Sorge ist groß, dass der Gaza-Krieg zu
       einem Flächenbrand in der Region wird].
       
       9 Jan 2024
       
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