# taz.de -- Anklage wegen Vergewaltigung: Video soll Freiwilligkeit zeigen
       
       > Im Prozess um die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung im Görlitzer Park ist
       > ein neues Beweismittel aufgetaucht. Das Video zeigt allerdings nur 7
       > Sekunden.
       
 (IMG) Bild: Prozessbeginn wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung im Görlitzer Park vor dem Kriminalgericht Moabit
       
       BERLIN taz | Es sind nur sieben Sekunden Video, doch die könnten ein neues
       Licht auf eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung im Görlitzer Park werfen.
       Denn dieses Video, so einer der Anwälte der drei Angeklagten, zeige
       „Freiwilligkeit“.
       
       Zum Prozessauftakt am Donnerstag betonte auch der Verteidiger Christian
       Zimmer in seinem Eingangsstatement, die Anklage der Staatsanwaltschaft
       beruhe auf unvollständigen Ermittlungen und falschen Zeugenaussagen. „Mein
       Mandant hat niemanden vergewaltigt“, sagte er. „Die Interaktion zwischen
       ihm und den Hauptzeugen war einvernehmlich.“ Er habe die beiden auch
       deutlich früher getroffen als in der Anklage genannt. Die Vorwürfe seien
       nicht haltbar, sein Mandant werde den Gerichtssaal „als freier Mann“
       verlassen.
       
       Angeklagt sind zwei 23-jährige guineische und ein 22-jähriger somalischer
       Staatsbürger. Die drei sollen mit weiteren unbekannten Tatverdächtigen im
       Juni ein Ehepaar georgischer Staatsbürgerschaft [1][im Görlitzer Park in
       Kreuzberg überfallen und die Frau gemeinschaftlich vergewaltigt] haben.
       
       Zunächst sollen sie dem Mann eine Bauchtasche mit 1.200 Euro Bargeld
       entwendet und der Frau ihr Handy und ihre Handtasche mit 20 Euro abgenommen
       haben. Danach sollen sie die Frau zu sexuellen Handlungen gezwungen haben,
       den Angaben zufolge sowohl zu Oralverkehr als auch zu ungeschütztem
       Geschlechtsverkehr.
       
       ## Anwohner hörte Schreie
       
       Während der mutmaßlichen Vergewaltigungen hätten andere Tatverdächtige
       ihren Ehemann mit Ästen und Stöcken und mit Fäusten geschlagen und auf den
       Boden gedrückt, um ihn davon abzuhalten, seiner Frau zu Hilfe zu kommen.
       Ein Anwohner hörte die Hilfeschreie der Frau und rief daraufhin die
       Polizei.
       
       Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Tatverdächtigen besonders schwere
       Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und besonders schweren Raub
       vor. Zwei von ihnen wurden laut Gericht psychologisch begutachtet, sie
       seien möglicherweise aufgrund von Drogenkonsum oder psychischen
       Beeinträchtigungen vermindert schuldfähig.
       
       Das Video, das nun als neues Beweismittel im Prozess zugelassen ist, ist
       erst vor Kurzem aufgetaucht. Es sei auf dem Handy eines Tatverdächtigen
       gewesen. Das Landeskriminalamt habe bestätigt, dass das Video im
       Zusammenhang mit der Tat stehe und echt sei. Gesichter seien darauf aber
       nicht zu erkennen, sagte der Anwalt der mutmaßlich vergewaltigten Frau.
       
       Sie tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf. Ob sie auch vor Gericht
       erscheinen und aussagen wird, blieb am Donnerstag unklar. Ihr Anwalt sagte,
       sie befände sich derzeit in Georgien, sie sei grundsätzlich zur Aussage
       bereit.
       
       ## Ähnlicher Fall in Silvesternacht?
       
       Auf Nachfragen, ob das Video von der Tendenz her entlastend sei, sagte der
       Anwalt: „Aufgrund von sieben Sekunden das ganze Geschehen neu zu bewerten
       ist nicht möglich.“ Die Fragen, die sich aus dem Video ergäben, seien nun
       Sache der Hauptverhandlung. Am Dienstag geht der Prozess weiter, vorgesehen
       ist, dass sich dann die Angeklagten zu den Tatvorwürfen äußern.
       
       Die Nachricht von der Vergewaltigung hatte eine [2][Debatte um die
       Sicherheit] im Görlitzer Park ausgelöst. Der schwarz-rote Senat will den
       Görli einzäunen und nachts abschließen. [3][Zaun, Mauern, Tore könnten, so
       der Plan, im Frühsommer] fertig werden.
       
       In der vergangenen Silvesternacht sollen mehrere Männer eine Frau wiederum
       im Görlitzer Park in ähnlicher Weise vergewaltigt haben. Die Frau habe sich
       dann wehren und fliehen können, heißt es in einer Erklärung von Polizei und
       Staatsanwaltschaft. Die Polizei [4][sucht nun Zeug*innen], die Angaben
       zur Tat oder den Tatverdächtigen machen können.
       
       18 Jan 2024
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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