# taz.de -- Neue Musik aus Berlin: Schwingen statt zittern
       
       > Für ihr Album „Solo“ spielte Isabelle Faust Kompositionen von
       > Geigenvirtuosen wie Louis-Gabriel Guillemain ein. Ein Hörerlebnis von
       > feiner Spannung.
       
 (IMG) Bild: Die Violistin Isabelle Faust
       
       Ihr Instrument hört auf den Namen „Sleeping Beauty“. Klingt modern, ist
       aber eine Stradivari aus dem Jahr 1704. Für ihre knapp [1][„Solo“]
       betitelte CD hat die in Charlottenburg lebende Geigerin Isabelle Faust
       jetzt Werke ausgesucht, die alle von Komponisten aus dieser Zeit stammen.
       Der älteste von ihnen, Heinrich Ignaz Franz Biber, starb im Baujahr der
       „Schlafenden Schönheit“, der jüngste, Louis-Gabriel Guillemain, wurde ein
       Jahr später geboren.
       
       Vertreter des Barock mithin, aus unterschiedlichen Phasen. Von Biber
       abgesehen, gehören diese Namen nicht zu den üblichen Kandidaten, mit denen
       Virtuosen heute auf sich aufmerksam machen. Und selbst Biber zählt bei
       Weitem nicht zu den bekanntesten Künstlern dieser Epoche. Dass [2][Isabelle
       Faust] sich an ein so spezielles Programm wagt, zeigt nicht bloß
       [3][künstlerisches Selbstbewusstsein]. Die Auswahl folgt einer leitenden
       Idee, da sämtliche Komponisten auf „Solo“ zugleich Geigenvirtuosen waren.
       
       Die Musik passt zu Fausts Vorliebe für klare Töne, die sie hält, ohne sie
       groß mit Vibrato vom Schwingen zum Zittern zu bringen. Wo sie sonst schon
       sehr zurückhaltend mit diesem Stilmittel umgeht, verzichtet sie in ihren
       Barockeinspielungen fast vollständig darauf.
       
       Die zarten, leisen Linien der „Fantasia“ von Nicola Matteis Jr. oder der
       „Ayres“ von dessen Vater Nicola Matteis Sr. kommen so würdig zum Vorschein.
       Überhaupt ist dies keine Virtuosenleistungsschau mit
       Überwältigungsgimmicks. Alles hat eine feine Spannung. Die Mühe merkt man
       kaum.
       
       22 Oct 2023
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Caspar Boehme
       
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