# taz.de -- Causa Rubiales: Zwischen Tradition und Moderne
       
       > An der Kuss-Affäre spalten sich Spaniens Gemüter entlang der politischen
       > Haltung. Für oder wider Fortschritt, soziale Gerechtigkeit und
       > Frauenrechte.
       
 (IMG) Bild: Unterstützung für Spaniens Nationalspielerin Jenni Hermoso in Madrid am 28. August
       
       Es geht längst um mehr als nur Fußball. Die Causa Luis Rubiales spiegelt
       die Reibungen, die die spanische Gesellschaft nahezu diametral spalten in
       einem Land mitten im echten progressiven Umbruch. Politiker und Medien
       haben sich für oder gegen Rubiales positioniert. Denn der Fall nach dem
       WM-Sieg der Spanierinnen spielt sich parallel zu einer erneuten Hängepartie
       zwischen der konservativen Volkspartei (PP) und den Sozialisten (PSOE) ab.
       
       Fast hat man den Eindruck, als sei die Affäre eine Rückrunde, ein
       Nachklapp der Pattsituation, die aufgrund der vorgezogenen Parlamentswahlen
       Ende Juli besteht. Allen Prognosen nach hätten die Wahlen Spanien einen
       Rechtsruck bescheren sollen, denn die [1][PP von Alberto Núñez Feijóo]
       will nur mit der rechtsextremen Vox koalieren. Zusammen lagen sie ganz
       vorne in den Umfragen.
       
       Obwohl Feijóo in der Tat die meisten Stimmen erhielt, hat jetzt der
       Sozialist [2][Pedro Sánchez die besten Karten], erneut eine
       linksprogressive Regierungskoalition zu stellen. Genauso gut sind die
       Karten für die progressiven medialen, sozialen und politischen Stimmen, für
       die Fußballerinnen, die in der [3][Kussaffäre Rubiales–Hermoso] für Respekt
       und Gleichberechtigung gegenüber Frauen kämpfen. Es geht um eine soziale
       und politische Modernisierung der Gesellschaft.
       
       Konservative Medien und rechte Stimmen sprechen seit Tagen von einer
       „politischen Jagd“ auf Rubiales. Nicht nur er, auch der umstrittene
       [4][Jorge Vilda, Trainer des Weltmeisterteams], steht im Zuge der aktuellen
       Affäre kurz vor dem Aus. Eine Pro-Rubiales-Kampagne verkündet sinngemäß
       das Credo: Warum sollen jetzt Dinge verboten sein, die immer so waren
       beziehungsweise wir immer so gemacht haben? Damit ist ganz offensichtlich
       auch ein nicht einvernehmlicher Kuss gemeint.
       
       In Kommunen, in denen Vox und PP regieren, wurden jüngst Theaterstücke
       verboten, die häusliche Gewalt verurteilen. Tradition versus Modernität,
       darum geht es in der Spaniens Öffentlichkeit bewegenden Debatte. Die
       Vorreiterrolle hinsichtlich der sozial gerechten und feministischen
       Reformen hat sich die spanische Regierung unter Sánchez innerhalb der
       Europäischen Union längst verdient. Dabei kamen diese Reformen nicht aus
       dem Nirgendwo.
       
       Erinnern Sie sich an die spontanen und parteifernen Proteste in Spanien
       2011/2012, die unter anderem soziale und politische Missstände
       kritisierten? Die Causa Rubiales zeigt erneut: So wie bisher darf es nicht
       weitergehen. Wird die spanische Kussaffäre nun eine europaweite soziale und
       politische Kettenreaktion des Respekts gegenüber Frauen und eine sozial
       gerechte Politik auslösen? Zu begrüßen wäre es. 2024 ist Europawahljahr –
       mit der Prognose eines Rechtsrucks.
       
       2 Sep 2023
       
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 (DIR) Gemma Teres Arilla
       
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