# taz.de -- Ex-Pastor über Klaus-Michael Kühne: „Er ist gut gegen Kritik gepanzert“
       
       > Ex-Pastor Ulrich Hentschel über das Sponsoring von Klaus-Michael Kühne,
       > dessen Spedition im NS am Abtransport jüdischen Eigentums verdient hat.
       
 (IMG) Bild: Kann gut mit Machthabern: Klaus-Michael Kühne (rechts) neben Entwicklungsminister Gerd Müller 2020
       
       taz: Herr Hentschel, wie viel Macht hat Klaus-Michael Kühne in Hamburg? 
       
       Ulrich Hentschel: Sehr viel! Die speist sich zum einen aus seinen
       Beteiligungen an Hapag-Lloyd und der Lufthansa, zum anderen aus seinem
       finanziellen Engagement für die Elbphilharmonie, das Literaturfestival
       „Harbour Front“, die Staatsoper, die Hauptkirche St. Katharinen und andere
       wichtige kulturelle Einrichtungen. So schafft er es, die Diskussion über
       die fehlende Beschäftigung mit der lukrativen NS-Geschichte seines
       Unternehmens kleinzuhalten.
       
       Verhindern finanzielle Abhängigkeiten von Kühne und seinem Vermögen also
       eine kritische Diskussion über die zentrale Rolle, die das Unternehmen
       Kühne+Nagel beim Abtransport jüdischen Eigentums aus ganz Westeuropa und
       Italien spielte? Immerhin vergibt das Harbour-Front-Literaturfestival nun
       keinen „Klaus-Michael Kühne-Preis“ mehr. 
       
       Das war in der Tat eine Reaktion auf die öffentliche Aufmerksamkeit, die
       entstand, als sich [1][Sven Pfizenmaier von seiner Preis-Bewerbung
       zurückzog] – explizit begründet mit Kühnes Geschichtsklitterung.
       
       Die Autorin Franziska Gänsler [2][trat von ihrer Nominierung ebenfalls
       zurück], weil sie es wiederum untragbar fand, wie die Kühne-Stiftung mit
       Pfizenmaiers Kritik umging. Ist da nicht doch eine gewisse Dynamik
       entstanden? 
       
       Durchaus, aber das ist noch lange kein Durchbruch. Wahrscheinlich ändert
       sich erst dann wirklich etwas, wenn in der New York Times mal ein Artikel
       über Kühnes frühe NS-Profite stünde.
       
       In Bremen war es auch ohne so etwas möglich, ein [3][„Arisierungs“-Mahnmal]
       unweit der neuen Kühne+Nagel-Zentrale zu platzieren – mit Fokus auf die
       damaligen Speditions-Geschäfte. 
       
       In Bremen ist Kühne aber auch gesellschaftlich und als Kultursponsor längst
       nicht so präsent wie in Hamburg. Hier konzentriert er seine
       Stiftungsaktivitäten.
       
       Bremen ist der Stammsitz von Kühne+Nagel. Aber es wäre nicht vorstellbar,
       dass sich der Unternehmer [4][in den örtlichen Fußballverein einkauft]. 
       
       Auch beim HSV gibt es jetzt eine kleine Fan-Gruppe, die sich kritisch mit
       der Herkunft von Kühnes Vermögen beschäftigt – aber das ist erst ein
       kleiner Anfang. Kühne ist gut gegen Kritik gepanzert.
       
       Bei der Diskussion morgen Abend ist niemand von der Kühne-Stiftung dabei –
       wurde die nicht eingeladen? 
       
       Doch, natürlich, aber ohne Erfolg. Leider hat auch Gabi Dobusch,
       Kulturexpertin der SPD und Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft, ihre
       Teilnahme abgesagt. So entsteht der Eindruck, dass, wie Kühne und die von
       ihm beschenkten Kultureinrichtungen, auch die Hamburger Politik einer
       kritischen Debatte ausweichen will.
       
       Stimmt. 
       
       Dabei ist es sehr wichtig zu diskutieren, welche Mitverantwortung die
       staatliche Kulturpolitik für die Akzeptanz einer bedeutenden NS-Erbschaft
       hat. Man muss ja über Maßstäbe für eine Grenze sprechen, ab der die
       kulturelle Förderung, die einem Ablasshandel gleichkommt, aus solchem
       Vermögen nicht mehr akzeptabel ist. Und wenn Kühne wirklich der Hamburger
       Patriot wäre, als der er sich immer bezeichnet, würde er hier auch Steuern
       zahlen – das wäre weit mehr, als er nun an Stiftungsgeldern verteilt.
       
       24 Apr 2023
       
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