# taz.de -- Warntag ist immer: Wann das Handy warnt. Und wann nicht
       
       > Unser Autor schreckte auf, als am Bundes-Warntag sein Handy brummte. Doch
       > Entwarnung kann er nicht geben. Denn: Klima-Alarm ist eigentlich immer.
       
 (IMG) Bild: Eigentlich ist immer Warntag
       
       Es ist 10.59 Uhr, als ich zusammenzucke. Ich sitze am Schreibtisch, als
       neben mir plötzlich das Handy kreischt und brummt. Meine Güte, hat mich das
       Ding erschreckt. Warum? Ah, sieh an: eine SMS zum [1][„bundesweiten
       Warntag]“.
       
       Interessant. Ich dachte, das sei gestern gewesen. Als mir diese
       Nature-Studie erklärte, das Absterben des Amazonasregenwalds brächte nicht
       nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Katastrophe. Das fand
       ich schon ganz schön alarmierend.
       
       Oder war bundesweiter [2][Warntag] am 20. November? Als die COP27 in Scharm
       al-Scheich mit einem neuen [3][Fonds für Klimaschäden] endete – aber nicht
       mit einem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, um diese Schäden zu stoppen. Ich
       saß im Konferenzbunker und habe daher das Ausrücken von Feuerwehr,
       Polizei. THW und Bundeswehr verpasst.
       
       Dafür schrillten doch aber am 27. Oktober alle Sirenen, oder? Da brachte
       die UN ihren [4][„Emissions Gap Report“] für 2022 heraus, der uns zeigte:
       Die Chance, 1,5 Grad zu halten, schwindet schnell. Wir stoßen immer noch
       Milliarden von Tonnen CO2 zu viel aus.
       
       ## 2,5 Grad Erhitzung
       
       Und erinnern Sie sich an diesen unglaublichen Aufstand einen Tag zuvor?
       Überall weinende Menschen, schreiende Kinder, Generalstreik, alle Züge
       standen still. Was war geschehen? Die [5][UNO legte ihre Bilanz] vor, wie
       viele Staaten neue Klimapläne vorgelegt hatten (24 von 195) und wohin uns
       das bringt – auf 2,5 Grad Erhitzung nämlich.
       
       Und dann läuteten an diesem 26. Oktober gleich noch mal die Glocken Sturm,
       vor allem in Genf: Da erklärte die Meterologeno[6][rganisation WMO], in der
       Atmosphäre seien jetzt der neue Rekordwert von 415,7 ppm Kohlendioxid und
       unerklärlich hohe Methananteile gemessen worden.
       
       Oder verwechsele ich da was? Hörte ich nicht das große Heulen und
       Zähneklappern am 28. Juli? Da war Welt-Überlastungstag, wo wir alles
       aufgebraucht hatten, was sich hier so in einem Jahr regeneriert an Holz,
       sauberem Wasser, fruchtbarem Boden. Oder war der Tag der großen Massenpanik
       der 13. Mai, als der finale 6. Sachstandsbericht des Klimarats IPCC
       vorgelegt wurde? Oder nein, dieser globale Aufschrei im Mai 2019, als die
       Artenschutzexperten des IPBES warnten, wir rotteten gerade 1 Million von
       insgesamt wohl 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten aus. Mein Handy hörte an
       dem Tag gar nicht mehr auf zu brummen, zu vibrieren, zu schreien und zu
       jammern.
       
       Es kann allerdings auch sein, dass ich mir das alles nur einbilde. Ein
       Blick aufs Handy beruhigt mich auch gleich wieder. „Es besteht keine Gefahr
       für die Bevölkerung“, meldet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Es war
       ja auch erst eine Minute vor elf.
       
       9 Dec 2022
       
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 (DIR) [3] /Klimagipfel-COP-27-in-Aegypten-endet/!5896214
 (DIR) [4] https://wedocs.unep.org/bitstream/handle/20.500.11822/40875/EGR2022_KR.pdf?sequence=3
 (DIR) [5] https://unfccc.int/ndc-synthesis-report-2022
 (DIR) [6] https://www.sueddeutsche.de/politik/international-rekordanstieg-des-treibhausgases-methan-in-der-atmosphaere-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-221026-99-274193
       
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