# taz.de -- Deutsche Außenpolitik gegenüber Iran: Protest vor Baerbocks Tür
       
       > Das iranische Regime geht weiter brutal gegen Demonstrierende vor.
       > Deutsch-Iraner demonstrieren gegen die lasche Haltung Deutschlands.
       
 (IMG) Bild: Auch am Mittwoch demonstrierten Menschen in Berlin für Solidarität mit den Protesten in Iran
       
       Berlin taz | Während die Revolutionsstimmung im Iran [1][trotz massiver
       staatlicher Gewalt] unvermindert anhält, wächst in Deutschland der Frust
       der Iraner über die Politik der Bundesregierung. Das hat sich auf einer
       Kundgebung am Donnerstag vor dem Auswärtigen Amt in Berlin gezeigt. Rund
       100 Menschen aus ganz Deutschland sind dafür dem Aufruf des Mideast Freedom
       Forum Berlin gefolgt.
       
       Zu Beginn verlas Anmelderin Ulrike Becker einen Brief an Außenministerin
       Annalena Baerbock (Grüne) mit Forderungen „für eine [2][neue Iranpolitik“]
       zur Unterstützung der Protestbewegung, „denn ihr gehört die Zukunft“.
       
       Konkret verlangen die Protestierenden, „alle offiziellen Verhandlungen mit
       der Islamischen Republik einzustellen“, „harte Sanktionen gegen die
       repressive Elite“, weitgehender Visa-Stopp für staatliche Vertreter, Stopp
       aller Handelsbeziehungen – und „nach dem Vorbild Kanadas alle Mitglieder
       des Repressionsapparates mit Sanktionen zu belegen“.
       
       Deutschland habe 43 Jahre lang das Regime unterstützt, sagt Mina Ahadi vom
       Zentralrat der Ex-Muslime in ihrer Rede. Unter Baerbock gebe es mit ihrer
       [3][„feministischen Außenpolitik“] zwar „kleine Veränderungen, aber die
       sind nicht genug“. Die Bundesregierung müsse „klipp und klar erklären, dass
       das islamische Regime ein faschistisches Mörderregime ist, mit dem es keine
       Zusammenarbeit geben darf“. Die „Frauenrevolution“ habe nur eine Chance,
       wenn Deutschland und Europa sie konsequent unterstützten, so Ahadi.
       
       ## Große Demo am 22. Oktober geplant
       
       Lautstark skandiert die Menge das Losungswort der Proteste „Jin, Jiyan,
       Azadi“ (Frau, Leben, Freiheit) und singt die Hymne der Bewegung „Baraye“
       (deutsch: „Für“), die aus Lautsprechern tönt. Jasmin Maleki, eine junge
       Frau aus Hamburg, hält weinend auf Persisch eine anklagende Rede in
       Richtung des Ministeriums und schneidet sich Haarsträhnen ab. „Die schicke
       ich an die iranische Botschaft, mit meinem Blut“, sagt sie der taz.
       
       Auffällig ist, wie auf vielen Kundgebungen in Berlin zuvor, dass die
       Revolte auch im Exil Iraner*innen [4][vieler politischer Richtungen]
       vereint. Menschen, die Flaggen mit Löwe halten, dem Zeichen der
       Shah-Anhänger, stehen neben solchen, deren Flagge die Sonne zeigt
       (kurdisch). Jamila Naghi hat sich eine kommunistische Fahne um die
       Schultern geschlungen: Dass sie alle nun zusammenstehen, „macht mich
       optimistisch, dass das Regime fällt“, sagt die aus Dresden angereiste
       Kurdin.
       
       Mehrdad Hadjihashemi aus Bitburg, der mit zwei Mitstreitern eine Fahne mit
       dem Symbol der Atheisten hält, sieht es genau so: „Mir ist egal, ob die
       anderen Kommunisten oder sonstwas sind. Wir müssen jetzt einig sein und
       tolerant gegeneinander.“
       
       Einig sind sich alle angesprochenen auch, dass sie nächste Woche
       wiederkommen wollen. Für den [5][22. Oktober ruft der iranisch-kanadische
       Zahnarzt und Autor Hamed Esmaeilion zur Kundgebung] nach Berlin.
       
       Esmaeilion ist in der Exilgemeinde weltweit bekannt als Sprecher der
       Vereinigung der Hinterbliebenen von [6][Flug PS752]. Das Flugzeug wurde im
       Januar 2020 von den Iranischen Revolutionsgarden abgeschossen. Esmaeilion
       verlor dabei Frau und Tochter und arbeitet seither gegen das Regime. Die
       Hoffnung der Deutsch-Iraner: Wenn er als bekannte Galionsfigur zur „Freedom
       rally“ ruft, werden sie so viele sein, dass die Politik sie nicht mehr
       ignorieren kann.
       
       13 Oct 2022
       
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