# taz.de -- Karlsruhe stellt Ermittlungen ein: NSU-Helfer kommen davon
       
       > Die Bundesanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen fünf mutmaßliche
       > Unterstützer der Rechtsterroristen ein. Die Linke sieht einen „Skandal“.
       
 (IMG) Bild: Plakate mit Portäts der NSU-Opfer vor dem Oberlandesgericht München, 2018
       
       BERLIN taz | Sie sollen dem „[1][Nationalsozialistischen Untergrund]“ (NSU)
       Waffen, Wohnungen oder Pässe beschafft haben. Elf Jahre lang wurde gegen
       sie wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Nun
       bestätigte die Bundesanwaltschaft: Die Ermittlungen gegen fünf mutmaßliche
       NSU-Helfer sind eingestellt.
       
       Es habe sich kein hinreichender Tatverdacht ergeben, sagte eine Sprecherin
       der Bundesanwaltschaft am Mittwoch der taz. Die durch die Ermittlungen
       gewonnenen Erkenntnisse reichten nicht für eine Anklage. Konkret geht es
       um: [2][Max-Florian B., Matthias D. und Thomas S.], die dem NSU-Kerntrio
       Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Wohnungen besorgten; Mandy
       S., die Zschäpe ihre Krankenkassenkarte überließ; und Jan W., der
       verdächtigt wurde, Waffen beschafft zu haben.
       
       Gegen vier weitere mögliche NSU-Helfer ermittelt die Bundesanwaltschaft
       noch, darunter [3][Susann E.], die beste Freundin Zschäpes, die ihr
       Bahncards überließ. Auch hier ist jedoch die Einstellung des Verfahrens
       wahrscheinlich. Noch offen bleibt ein „Strukturverfahren“, in dem die
       Bundesanwaltschaft allgemein Hinweisen auf das Trio nachgehen kann.
       
       Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt waren 1998 abgetaucht und hatten bis zur
       Selbstenttarnung 2011 zehn Menschen erschossen sowie 3 Anschläge und 15
       Überfälle verübt – die schwerste Rechtsterrorserie der Bundesrepublik. In
       einer Bekenner-DVD nannte sich der NSU selbst ein „Netzwerk von Kameraden“.
       
       ## Schon der engste NSU-Vertraute kam milde davon
       
       Mundlos und Böhnhardt hatten sich vor ihrer Festnahme erschossen. Zschäpe
       wurde 2018 [4][zu lebenslanger Haft verurteilt]. Haftstrafen erhielten auch
       vier weitere Helfer: der Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben, der langjährige
       NSU-Vertraute André Eminger, der Passbeschaffer Holger G. und der
       Waffenüberbringer Carsten S. Außer Wohlleben, der zehn Jahre Haft bekam,
       kamen die vier Helfer milde davon.
       
       Allen voran [5][Eminger], ein strammer Neonazi, der vor Gericht schwieg und
       nur 2,5 Jahre Haft erhielt – die Bundesanwaltschaft hatte 12 Jahre
       gefordert und ihn gar als vierten NSU-Mann ins Spiel gebracht. Das Gericht
       aber sah es als nicht erwiesen an, dass Eminger von Beginn an in die
       Terrortaten eingeweiht war. Und der Bundesgerichtshof [6][bestätigte das
       Urteil] im Dezember 2021. Spätestens hier war klar, dass die anderen Helfer
       kaum noch etwas zu fürchten haben.
       
       ## Opfer glauben an weitere Helfer
       
       Die Opferfamilien hatten dagegen stets betont, dass sie fest von weiteren
       Helfern ausgehen, die etwa Tatorte auskundschafteten. Die
       Bundesanwaltschaft hielt dem entgegen, dass es dafür keine konkreten
       Beweise gibt – und untermauert dies nun mit der Einstellung der Verfahren.
       
       Die Linken-Innenexpertin Martina Renner nannte diesen Schritt „einen
       Skandal“. „Die Bundesanwaltschaft war immer nur daran interessiert, die
       These vom Trio nicht zu gefährden“, sagte sie der taz. „Wirklich Aufklärung
       stand nie im Vordergrund. Es darf jedoch keinen Schlussstrich geben.“ Die
       Aufarbeitung des Terrors müsse weitergehen.
       
       14 Sep 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /10-Jahre-nach-dem-Auffliegen-des-NSU/!5808645
 (DIR) [2] /Zehn-Jahre-nach-NSU-Enttarnung/!5809433
 (DIR) [3] /Zehn-Jahre-nach-NSU-Enttarnung/!5809433
 (DIR) [4] /Urteile-im-NSU-Prozess/!5517273
 (DIR) [5] /NSU-erneut-vor-Gericht/!5815879
 (DIR) [6] /Revision-zu-NSU-Urteil-abgewiesen/!5822522
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konrad Litschko
       
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