# taz.de -- Die Oscars 2022: „Coda“ als bester Film gekürt
       
       > Die Tragikomödie „Coda“, die vom Aufwachsen in einer gehörlosen Familie
       > erzählt, wird bester Film. Die meisten Oscars gehen an „Dune“. Will Smith
       > sorgt für Irritation.
       
 (IMG) Bild: „Coda“ von Regisseurin Siân Heder hat den Oscar als bester Film gewonnen
       
       Los Angeles dpa | Die [1][Tragikomödie „Coda“] hat den Oscar in der
       Kategorie Bester Film gewonnen. Regisseurin Siân Heder erzählt darin von
       einem Mädchen, das in einer gehörlosen Fischerfamilie aufwächst. Der Film
       erhielt insgesamt drei Auszeichnungen, wie die US-Filmakademie in der Nacht
       zum Montag in Los Angeles bekanntgab. Erstmals hat damit ein Film eines
       Streamingdienstes den Oscar in dieser Kategorie geholt. Der Film läuft beim
       Anbieter Apple TV+.
       
       „Coda“ ist ein US-Remake der französischen Komödie „Verstehen Sie die
       Béliers?“. Er handelt von der 17-jährigen Ruby, die als einzige in der
       Familie hören kann. Eines Tages wird sie vor die Wahl gestellt, ob sie ihre
       eigenen Träume als Sängerin verwirklicht oder die Erwartungen ihrer Familie
       erfüllt. Als bester Nebendarsteller wurde der gehörlose Schauspieler Troy
       Kotsur geehrt.
       
       Die meisten Auszeichnungen gingen an das [2][Sciene-Fiction-Epos „Dune“].
       Ausgezeichnet wurde der Film unter anderem für die beste Filmmusik und die
       besten visuellen Effekte. Für Komponist Hans Zimmer und den Effektexperten
       Gerd Nefzer – zwei Filmschaffende, die aus Deutschland kommen – ist es
       jeweils der zweite Oscar.
       
       Der Western „[3][The Power of the Dog]“ von Jane Campion, der mit zwölf
       Nominierungen als Favorit ins Rennen gegangen war, gewann letztlich nur
       eine Auszeichnung für die beste Regie.
       
       Schauspielerin Jessica Chastain gewann den Oscar als beste
       Hauptdarstellerin für „The Eyes Of Tammy Faye“, eine Filmbiografie über
       eine christliche TV-Predigerin. Will Smith gewann den Oscar als bester
       Hauptdarsteller für seine Rolle in „King Richard“ über den Aufstieg von
       Serena und Venus Williams zu Tennis-Stars.
       
       ## Eine Ohrfeige vor laufender Kamera
       
       Will Smith sorgte mitten in der Verleihung für einen irritierenden Moment,
       als er auf die Bühne lief und seinem Kollegen Chris Rock eine Ohrfeige gab.
       Danach kehrte er auf seinen Platz zurück und rief zweimal laut in Rocks
       Richtung: „Lass den Namen meiner Frau aus Deinem verdammten Mund!“ Zuvor
       hatte sich Komiker Rock an Smiths Frau Jada Pinkett Smith gewandt und
       gewitzelt: „G.I. Jane 2 – ich kann es nicht abwarten, das zu sehen.“ – eine
       Anspielung auf den Film „G.I. Jane“, in dem sich Demi Moore als Soldatin
       den Kopf rasierte. Jada Pinkett Smith hatte in der Vergangenheit offen über
       ihren Haarausfall gesprochen.
       
       Ariana DeBose wurde als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle im Musical
       „[4][West Side Story]“ geehrt. Sie sagte zum Publikum: „Sie sehen hier eine
       offen queere, nicht-weiße Frau, eine Afro-Latina“, die ihre Kraft durch die
       Kunst gefunden habe. Prämiert wurden zudem der „James Bond“-Titelsong von
       Billie Eilish und der Animationsfilm „Encanto“. Der Oscar für den besten
       ausländischen Film ging an „Drive My Car“ des Japaners Ryusuke Hamaguchi.
       
       Ein deutscher Kinoverband reagierte zwiegespalten auf die Entscheidung, den
       Film eines Streaminganbieters auszuzeichnen. „Wir gratulieren Apple zum
       Oscar-Gewinn von ‚Coda‘“, teilte Christian Bräuer von der AG Kino – Gilde
       mit. „Gleichzeitig finden wir es sehr bedauernswert, dass Apple lediglich
       in den USA einen Kinostart des Films mitsamt großer Kampagne ermöglicht
       hat.“ In der Vergangenheit hätten sie bei anderen Filmen wie „Macbeth“ gut
       zusammengearbeitet.
       
       Moderiert wurde die Oscar-Verleihung von den Schauspielerinnen Amy Schumer,
       Regina Hall und Wanda Sykes. Während der Sendung wurde auch zu einem
       Schweigemoment aufgerufen: „Wir bitten Sie, die Ukraine auf jede
       erdenkliche Weise zu unterstützen.“ Einige Gäste trugen blaue Bänder mit
       der Aufschrift „WithRefugees“. Vorab hatte Schauspieler Sean Penn zu einem
       Boykott der Gala aufgerufen, falls sie ohne den ukrainischen Präsidenten
       Wolodimir Selenski stattfinden sollte. Er selbst würde seine beiden
       Oscar-Statuen aus Protest „einschmelzen“, sagte Penn. Selenski wurde im
       Dolby Theatre nicht zugeschaltet.
       
       28 Mar 2022
       
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