# taz.de -- Merz-Äußerung zum Ukrainekrieg: Um so schlimmer
       
       > Friedrich Merz spekuliert über ein Eingreifen der Nato in der Ukraine.
       > Weiß der CDU-Chef überhaupt, worüber er da redet?
       
 (IMG) Bild: Friedrich Merz trägt das Herz auf der Zunge
       
       Zu den beruhigenden Nachrichten in dieser mehr als beunruhigenden Zeit
       gehört die eindeutige, zweifelsfreie Absage der Nato, eine Flugverbotszone
       über der Ukraine zu schaffen. Das würde höchstwahrscheinlich einen Krieg
       mit Russland zur Folge haben – schon die Spekulation darüber ist mehr als
       schwindelerregend. Die USA schließen jede direkte Intervention aus.
       
       Als Putin dem Westen kürzlich einen Atomkrieg androhte, falls der der
       Ukraine helfen sollte, und zudem die russischen Nuklearsteitkräfte [1][in
       erhöhte Alarmbereitschaft versetzte], reagiert Joe Biden klug. Nämlich gar
       nicht. Ein US-Sprecher erklärte mit kühlem Understatement, Putins
       Eskalation sei [2][„vollkommen unnötig“.] Die US-Nuklearwaffen würden nicht
       in Alarmbereitschaft versetzt.
       
       Diese Klugheit ist Friedrich Merz, Oppositionsführer der Union, nicht
       gegeben. Angesichts der russischen Besetzung eines AKW in der Ukraine
       spekuliert Merz über einen möglichen Kriegseintritt der Nato. Wenn
       Reaktoren von Atomkraftwerken getroffen würden, sei der Westen betroffen
       und müsse reagieren. Es könne eine Situation geben, in der „[3][die Nato
       Entscheidungen treffen muss, um Putin zu stoppen“.]
       
       Vor sechs Wochen hielt der CDU-Mann die Idee, Russland vom
       Swift-Zahlungssystem abzukoppeln, für falsch und warnte vor dem Einsatz
       dieser „finanziellen Atombombe“. Diese Einschätzung und die Metaphorik
       waren kein Ausweis von Weitsicht oder Feinfühligkeit. Friedrich Merz trägt
       sein Herz eben auf der Zunge. Das ist unterhaltsam, wenn er gegen das
       CDU-Establishment wettert. In Kriegszeiten ist es weniger amüsant.
       
       Jede Kriegsbeteiligung beginnt mit einem „wäre“ und der Warnung: Jetzt noch
       nicht, aber wenn das passiert, werden wir antworten. Diese Warnungen
       verselbstständigen sich oft. Jede Eskalation im Krieg beginnt mit einem
       Konjunktiv. Vielleicht weiß Merz das nicht. Vielleicht wollte er nur sagen,
       was er sich so denkt. Um so schlimmer.
       
       4 Mar 2022
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.zdf.de/nachrichten/politik/atomwaffen-unterschiede-putin-ukraine-russland-krieg-100.html
 (DIR) [2] https://www.n-tv.de/politik/Putin-droht-Biden-bleibt-zu-Hause-article23161465.html
 (DIR) [3] https://www.ndr.de/nachrichten/info/Merz-zu-Ukraine-Krieg-Denkbar-dass-Nato-noch-eingreifen-muss,audio1080584.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Reinecke
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Friedrich Merz
 (DIR) Atomkraftwerk
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Nato
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Kolumne Die Woche
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Rassismus
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Forderungen nach einer Flugverbotszone: Falsch und gefährlich
       
       Präsident Selenskis Drängen nach einer Flugverbotszone ist verständlich.
       Doch dann würde ein Krieg zwischen Atommächten drohen.
       
 (DIR) Krieg, Zeitenwende und Fake News: Gebt das Geld der Ukraine
       
       Mit Ansichten zum Ukrainekrieg rücken Hardliner der Linken nahe an die AfD
       heran. Und die USA bekommen endlich ihr „wehrhaftes“ Deutschland.
       
 (DIR) Tagebuch aus der Ukraine und dem Exil: Eine Woche Krieg
       
       Russland greift die Ukraine an. Menschen fliehen, aufs Land oder ins Exil.
       Andere bleiben und kämpfen. Nichts ist mehr, wie es war. Fünf Tagebücher
       
 (DIR) Waffenexperte über Russlands Aggression: „Das wäre der völlige Wahnsinn“
       
       Russische Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft? Friedensforscher Ulrich
       Kühn befürchtet eine nukleare Eskalation – und warnt vor Rufen nach der
       Nato.
       
 (DIR) Antislawischer Rassismus in Deutschland: „Wir sind nicht Putin“
       
       Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nehmen Anfeindungen gegen die
       russischstämmige Community in Deutschland zu.
       
 (DIR) +++ Nachrichten zum Ukrainekrieg +++: „Erinnert euch an Tschernobyl“
       
       Der Angriff aufs AKW Saporischschja löst weltweit Sorge aus. Der Kreml ruft
       Russen zur Unterstützung Putins auf. Deutsche Ärzte sichern Versorgung von
       Flüchtlingen zu.
       
 (DIR) Ukrainische Flüchtlinge in Polen: Zuflucht hinter der Grenze
       
       Seit dem russischen Überfall haben eine Million Menschen, vor allem Frauen
       und Kinder, die Ukraine verlassen. Die meisten flüchten nach Polen.
       
 (DIR) Finanzielle Folgen des Ukraine-Kriegs: Russland wird verlieren
       
       Vielleicht siegt Putin in der Ukraine, aber ökonomisch wird er verlieren.
       Die Kosten der Russen werden gigantisch sein, wenn sie jetzt nicht
       aufgeben.