# taz.de -- Zuschüsse für steigende Heizkosten: Bitte nicht trödeln!
       
       > Heizhilfe für Arme ist richtig, aber nicht ausreichend. Die Koalition
       > sollte angesichts steigender Strompreise zügig Maßnahmen vorantreiben.
       
 (IMG) Bild: Vor allem SPD und FDP würden die EEG-Umlage auf den Strompreis früher abschaffen als geplant
       
       Der Schritt geht in die richtige Richtung: Mit dem einmaligen
       [1][Heizkostenzuschuss], den das Bundeskabinett am Mittwoch auf den Weg
       gebracht hat, werden die steigenden Energiepreise für rund 2,1 Millionen
       Menschen mit geringem Einkommen abgefedert. Weit genug geht der Schritt
       aber nicht. Keine Hilfe bekommen Menschen, die zu viel verdienen, um
       Wohngeld zu erhalten, aber auch nicht genug, um ihre Nebenkostennachzahlung
       zu stemmen.
       
       Opposition und Sozialverbände kritisieren zudem, dass die Zuschusshöhe –
       angefangen bei 135 Euro für Singlehaushalte – nicht ausreiche, um die
       Mehrkosten zu decken. Derartige Kritik liegt zwar in der Natur von
       Opposition und Sozialverbänden, allerdings hat sich das Bauministerium die
       Sätze vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft ausrechnen
       lassen. Das ist zumindest kein Indiz dafür, dass der Zuschuss am oberen
       Ende des Vertretbaren liegt.
       
       Aufschlussreich ist auch, dass die Heizhilfe für die Armen den Staat mit
       190 Millionen Euro relativ wenig kosten wird. Zum Vergleich: Den
       [2][KfW-Fördertopf für energieeffizientes Bauen], der eher dem
       Vermögensaufbau für Wohlhabende dient als dem Klimaschutz, hat die Ampel
       diese Woche um 5 Milliarden Euro aufgestockt.
       
       Es ist daher richtig, dass die Koalition weitere Schritte zur Entlastung
       bei den Energiekosten plant. Am schnellsten, wohl bis zum Sommer, kommt die
       Reform des CO2-Preises fürs Heizen. Die Mehrkosten sollen in Zukunft zur
       Hälfte die Vermieter*innen zahlen. Durch diese Maßnahme entstehen dem
       Staat keine neuen Ausgaben, sie sorgt aber für mehr
       Verteilungsgerechtigkeit und hilft beim Klimaschutz: Künftig haben
       Eigentümer*innen ein stärkeres Interesse an Energieeffizienz.
       
       Und sonst? Vor allem SPD und FDP würden angesichts steigender Preise die
       [3][EEG-Umlage auf den Strompreis früher abschaffen] als geplant. Arme
       Menschen würden dadurch einen größeren Anteil ihres Einkommens sparen als
       Reiche. Doch in absoluten Zahlen würden Wohlhabende, die im Schnitt mehr
       Strom verbrauchen, stärker entlastet – falls die Anbieter die Ersparnis an
       Kund*innen weitergeben. Mehr Verteilungsgerechtigkeit würde das Klimageld
       bringen, das im Koalitionsvertrag nur angedeutet ist.
       
       Eine solche Pro-Kopf-Zahlung würde Reiche gegenüber Armen nicht
       besserstellen. Gleichzeitig würde sie dem Klima helfen, weil der Anreiz zum
       Energiesparen größer wäre als bei niedrigeren Strompreisen. Der Nachteil:
       Die Ausarbeitung des Klimagelds ist komplex und braucht Zeit. Die Ampel
       sollte nicht trödeln. Sie muss sich schleunigst an die Arbeit machen.
       
       2 Feb 2022
       
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