# taz.de -- Ampelrepublik Deutschland: Das große Ampel-ABC
       
       > Von Dauerrot und Peitschenampeln: Deutschland ist ein beampeltes Land.
       > Die wichtigsten Begriffe der politischen Gegenwart – ein Glossar.
       
 (IMG) Bild: Verkehrsampel
       
       Die Ampel prägt seit Dezember die Berliner Republik, also politisch. Auf
       Bundesebene ist das neu. Im Straßenverkehr hingegen regieren Ampeln schon
       lange. Die Menschen haben sich an die Wechselfarben gewöhnt und nehmen
       Ampeln als Alltagsbegleitgerätschaft hin. 
       
       Dabei gibt es erhebliche Wissenslücken: Seit wann wollen Ampeln das
       Verkehrs-Tohuwabohu bändigen? Warum explodierte das weltweit erste dieser
       bunten Leuchtdinger und wo? Welche einfarbige Flutampel brachte es 2021 zu
       Berühmtheit? Wo haben Fußgänger exklusives Balkengelb? In welchen Ländern
       gibt es keine Ampel und wo gibt es eine Bompel? Und warum ist das Wort
       Ampel ausgerechnet bei den zuständigen Straßenverkehrsbehörden unüblich?
       Zudem: Was bedeuten all diese Ampelfakten für die junge Koalition? 
       
       Im nachfolgenden Glossar ist zu diesem Zweck bei besonders wichtigen
       Ampelbegriffen der Politisch induzierte Analogiefaktor (kurz: PIAF)
       angegeben. Er kann hoch, niedrig, offensichtlich oder auch gegensätzlich
       sein. 
       
       ## A
       
       … wie Ampel an sich: Ungebräuchlich im Amtsdeutsch. Man spricht von
       Lichtzeichenanlage, so auch die Straßenverkehrsordnung StVO, von
       Lichtsignalanlage oder sogar von Wechsellichtzeichenanlage und
       Verkehrslichtsignalanlage. Politisch induzierter Analogiefaktor (PIAF):
       Durchaus! Die Ampel sendet immer neue Signale.
       
       … wie Ampulla: Lateinischer Ursprung des Begriffs Ampel. Bedeutung: kleine
       Flasche oder Ölfläschchen, später laut Brüder Grimm (Deutsches Wörterbuch,
       1854): Leuchte oder „das Licht selbst“.
       
       ## B
       
       … wie Beampeln: Gebräuchliches Bürokratieverb für: eine Ampel aufstellen,
       etwa: eine Kreuzung beampeln. In diesem kreativen Verkehrsdeutsch gibt es
       auch das Straßenbegleitgrün (für Büsche, Hecken) und Großgrün (für Bäume),
       zudem den Außerortsbereich, den Straßenkörper oder für den Umbau: die
       grundhafte Erneuerung. Nicht üblich sind Verben wie bekreuzungen für: eine
       Kreuzung bauen oder entwegen für: Sperrung anlegen oder Straße aufreißen.
       Auch entampeln und belichtzeichenveranlagen sind unbekannt.
       
       … wie Befestigung: Ampeln sind mal an Metallpfählen, mal als
       Peitschenampeln (beliebt in Deutschland), mal als straßenüberspannende
       Konstruktion (beliebt in Holland) angebracht, im ländlichen Nordamerika
       auch gern als Baumelampel an einer flexiblen Hängekonstruktion über der
       Straße.
       
       … wie Blumen- oder Gemüseampel: Hängevorrichtung zur vertikalen
       Unterbringung mehrerer Zimmerpflanzen oder Gemüse- bzw. Obstsorten, meist
       ebenfalls drei, allerdings ohne Farbgebung. Die B. oder G. ist ein Beispiel
       für das Abfärben von Autoverkehrsbegriffen in die Alltagssprache, wie etwa
       „Gib Gummi“ für „Beeil dich“, ersatzweise geht auch „Du musst mal einen
       Gang höher schalten“. Einem „geht das Benzin aus“, ein Fußballspieler, der
       auf nassem Rasen wegrutscht, bekommt launig zu hören, er hätte besser auf
       „die richtige Bereifung“ achten sollen. Gegenteil: „Der hat noch einiges im
       Tank.“ Das Abfärben wird zur Seuche, wenn Autobegriffe vermenschlicht
       werden: Schrottpressen heißen „Autofriedhof“, Ersatzteile werden nach einer
       „Organtransplantation“ angeboten. Moderne Autos haben keine Lampen, sondern
       „LED-Augen“. Die Werkstatt heißt „Autodoktor“ oder „Lackdoktor“. Kürzlich
       war zu lesen, ein Oldtimer wurde „artgerecht ausgeführt“.
       
       ## C
       
       … wie Corona-Ampel: Um pandemiebedingte Öffnungen, Schließungen,
       Wiedereröffnungen und Kontaktregeln halbwegs transparent zu gestalten,
       operieren die deutschen Landes- und Kommunalregierenden seit nunmehr fast
       zwei Jahren mit mehr oder weniger komplexen „Wenn dies, dann
       das“-Szenarios, die fast sämtlichst an die Metapher der Ampel angelehnt
       sind. Wenn Inzidenz und/oder Intensivbettenbelegung und/oder
       Hospitalisierungsquote und/oder R-Wert soundso hoch sind, ist die Ampel
       rot/gelb/grün und dürfen wir also Glühwein trinken/ins Stadion/2G+ ins
       Kino/an roten Verkehrsampeln Körperflüssigkeiten austauschen (siehe
       Knutschen). PIAF: Die Sozen wären demnach die Bösen („Rote Gefahr“), die
       Liberalen Sinnbild für so lala und also Freiheit des Wankelmuts in alle
       Richtungen, die grüne „Verbotspartei“ stünde für Go. Interessant.
       
       ## D
       
       … wie Dauerrot (gewollt): In Dresden existierte von 1987 bis 2016 (also
       über die Wende hinaus) eine Ampel, die permanent Rot zeigte, daneben ein
       grüner Rechtsabbiege-Pfeil, um zu verdeutlichen: Hier darf man nur rechts
       abbiegen. Die einfachere Lösung – ein Stoppschild mit weißem Pfeil auf
       blauem Grund –, war nicht möglich, weil sich an einer ampelgeregelten
       Kreuzung wie hier an jeder Zufahrt eine Ampel befinden muss. PIAF:
       Offensichtlich. Ampeln gibt es nur in Koalition mit sich selbst.
       
       … wie Dauerrot (ungewollt): Tritt etwa bei Defekten auf. Folge 1: Hupen,
       schimpfen. Folge 2: Man darf nach mehreren Minuten vorsichtig queren, sogar
       in Deutschland (siehe auch Nachts um halb 3).
       
       … wie Düsseldorf: Hat als einzige Stadt Deutschlands bei Fußgängerampeln
       auch einen gelben horizontalen Balken in der Mitte. Der bedeutet: Beeilen,
       bald wird es rot; auf Amtsdeutsch heißt das „Noch-Grün“ oder „Gelbzeit“.
       Das Ganze basiert auf einem Versuch von 1953 – der bis heute anhält. Alle
       600 Fußgängeranlagen der Stadt sind so ausgerüstet. Die Rheinische Post
       schrieb kürzlich von „dreiflammigen Fußgängerampeln“. Flammen? Vorsicht –
       siehe Historie. PIAF: Fraglich. Der gelbe Balken als gelbe Bremse?
       
       ## E
       
       … wie Eindösen (an roter Ampel): Kann an Ampeln und im Straßenverkehr
       grundsätzlich nicht empfohlen werden. PIAF: Ständig (Scholz).
       
       ## F
       
       … wie Farbenspiele: Rot ist gemeinhin immer oben, Grün unten, mit oder ohne
       Richtungspfeil. Das Leuchten und Blinken von Rot-Gelb-Grün ist
       international vielschichtig bunt. Viele Länder wie Frankreich, Belgien oder
       Spanien verzichten auf Gelb beim Wechsel von Rot auf Grün. PIAF: So
       vielschichtig wie die Erwartungen an die Berliner Ampel. Gelb abgeschaltet:
       Geht!
       
       … wie Flutampel: Nach dem verheerenden Juli-Hochwasser an der Erft im Jahr
       2021 guckte an der meterhoch gefluteten Luxemburger Straße/B265 bei Blessem
       über Tage nur noch das Rotlicht eines Masts aus den Wassermassen. Darunter
       und daneben waren Dutzende Pkws und Lkws tief abgesoffen. PIAF: Nur die SPD
       bleibt, zudem ganz oben, der Rest geht unter? Unwahrscheinlich.
       
       … wie Fußgängerampeln: Sind oft in den Umlauftakt eingebettet: parallel zu
       den Farben des Straßenverkehrs (gefährlich) oder mit leichtem Zeitvorlauf
       bei Grün (etwas weniger gefährlich). Alternativ haben sie eigenes Grün,
       auch zum Diagonalgehen (sehr gefährlich für den Straßenverkehrsfluss –
       siehe auch Grüne Welle). Oder sie reagieren auf Knopfdruck. Dabei gibt es
       diverse Varianten: a) Reaktion erst, wenn sie in das Verkehrsschema passen
       (fußgängerunfreundlich) oder nach einer fixen Zeit (etwas besser) oder
       unmittelbar: Damit lassen sich dann heranfahrende Lieblingsmarken wie
       Mercedes, Porsche oder SUV aller Hersteller kunstvoll einbremsen. Der
       freundliche Gruß beim Queren der Straße sollte eine angemessene
       Kompensation sein. Manchmal piept es auch, wenn die Ampel auf Grün
       wechselt: Solche akustischen Zusatzsignale helfen Blinden und
       Sehbehinderten. Für alle anderen ist das Piepsen von zweifelhafter
       Pädagogik: Nun aber los, macht euch rüber, dass ihr nicht im Weg seid, wenn
       der querende Autoverkehr wieder fahren darf und ohne Verzögerung will.
       PIAF: Fraglich. Funktioniert so auch Politik?
       
       ## G
       
       … wie Grüner Pfeil: Erlaubt an einer sonst roten Ampel a) allen das
       Rechtsabbiegen, in der DDR sehr üblich, ab 1990 eine der wenigen
       sozialistischen Verkehrserrungenschaften, die von den Besserwessis
       vereinzelt übernommen wurden. Seit 2020 auch b) nur für Radfahrer
       einrichtbar. Wird hierzulande aber kaum gemacht, anders als in der Schweiz.
       PIAF: Überall hoch, sowohl verkehrspolitisch bei Autofahrern als auch im
       Politkosmos allgemein: Sonderrechte für diese Radfahrerpartei?
       
       … wie Grüne Welle: Immer wieder gefordert von Autofahrern. Psychologisch
       erklärt sich der immer wieder erhobene Wunsch nach Grüner Welle als
       technische Kompensation für die allgegenwärtige Enttäuschung, weil „Freie
       Fahrt für freie Bürger“ (und Bürgerinnen) in der Autorepublik Deutschland
       zu selten klappt.
       
       ## H
       
       … wie Historie: Die weltweit erste Lichtsignalanlage wurde am 10. Dezember
       1868, also lange vor Erfindung des Autos, in London auf dem Parliament
       Square aufgestellt. Grund: Es herrschte Chaos aus Kutschen, Fuhrwerken und
       Fußgängern. Der sechs Meter hohe Mast hatte Winkelemente an den Seiten und
       eine abwechselnd rot oder grün leuchtende Scheibe ganz oben, die ein Bobby
       Ihrer Majestät immer von unten umschaltete. Sie wurde mit Gaslicht
       betrieben – und explodierte unglücklicherweise nach drei Wochen (der
       diensthabende Ampelpolizist wurde schwer verletzt). Mit der
       Elektrifizierung begann der Siegeszug der Ampel: Cleveland 1914 (nur rot
       und grün), erstmals dreifarbig 1920 New York. Es folgten 1922 Paris, 1924
       Berlin (Potsdamer Platz), 1925 Hamburg (Mönckebergstraße). Bis 1953 war
       Gelsenkirchen ampelfrei, Heilbronn bis 1954 und Bremerhaven sogar bis 1957.
       Am Potsdamer Platz musste anfangs ein Polizist in den Signalturm, um
       Farbtafeln vor dem Licht von Hand zu wechseln. Heute gibt es in Deutschland
       gut 50.000 Ampelanlagen mit 1,5 Millionen Einzelampeln, die meisten pro
       tausend EinwohnerInnen hat mit Abstand Stuttgart. Weltweit leuchten
       wahrscheinlich mehr als 50 Millionen. Bhutan hat keine einzige Ampel, auch
       Tonga nicht, trotz über 100.000 Einwohnern und vielen tausend Automobilen.
       PIAF: Tonga kennt auch keine Ampelkoalition, nur einen König.
       
       ## I
       
       … wie Intelligente Ampeln: Schalten automatisch und sehr plötzlich auf Rot,
       wenn jemand, gemessen über Induktionsschleifen, zu schnell auf einen
       Kreuzungsbereich zufährt. Fährt man langsamer, springt die Ampel umgehend
       auf Grün. Effekt: Zufließen statt Drauflosbrettern. Hohes erzieherisches
       Potenzial, wie in den (mal wieder) verkehrsvorbildlichen Niederlanden
       vielfach beobachtet werden kann. Deutlich sinnvoller als Tempo-Anzeigen,
       durch die man eine Grüne Welle erreicht. Denn diese stimmen bisweilen
       nicht, zumal lassen sie manche mathematisch wenig versierte AutolenkerInnen
       glauben, wenn sie doppelt so schnell führen, kämen sie eine Grünphase
       früher an.
       
       K
       
       … wie Kavalierstart: 50er-Jahre-Euphemismus für rücksichtsloses Anfahren an
       Ampeln, unbedingt mit quietschenden Reifen. PIAF: Umgekehrt, mehr
       stotternder Zeitlupenstart.
       
       … wie Knutschen: An Ampel geduldet (bei Rot), beim Fahren nicht, sofern es
       zu einem Unfall kommt. Zählt wie Trunkenheitsfahrt, so 2012 das Landgericht
       Saarbrücken nach einem Frontalunfall mit Todesfolge. Das Unfallopfer trug
       keinen Gurt, trotzdem haftete der Knutschfahrer zu 100 Prozent. Auch seine
       geknutschte Freundin trug keine Mitschuld. In Coburg wurde ebenfalls 2012
       (das Jahr der Ampelküsse?) geknutscht, bis es krachte: Die Liebkosungen
       seiner Beifahrerin hatten einen Autofahrer so abgelenkt, dass er den Fuß
       vom Bremspedal ließ und sein Wagen auf das Auto hinter ihm rollte und es
       crashte. PIAF: Geringe Gefahren. Die sollen sich nicht liebend küssen,
       sondern endlich mal zukunftsfähige Politik machen.
       
       … wie Kreisverkehr: Gilt als größter Feind der Ampelanlage und der
       Ampelanlagenbauer (in Deutschland vor allem Siemens). Er regelt
       Kreuzungsverkehr autonom, drosselt das Tempo, verhindert hektisches Bremsen
       und Wiederanfahren (siehe auch Kavalierstart), spart elektrische Energie,
       ist weniger störanfällig, bietet Raum für Straßenbegleitkunst in der Mitte
       und, falls klug, also niederländisch, gebaut, höhere Sicherheit vor allem
       für den Radverkehr. PIAF: Statt Ampelknirschen könnte die
       Kreisverkehrskoalition eine dauerhaft funktionierende Alternative sein.
       
       ## L
       
       … wie Lampe: Lampe und Ampel sind ein Anagramm. Im Radsport wäre es anfangs
       sogar eine „Belgische Reihe“ der Buchstaben: Da lässt sich der Erste eines
       Teams immer nach hinten fallen, hier das L. PIAF: Eher keiner. Von einer
       Lampenkoalition war noch nicht die Rede.
       
       … wie Lebensmittelampel: Kennzeichnung von Lebensmitteln mit hohen
       Umweltfolgeschäden (rot) über mittelmäßig (gelb) bis zu grün (geringer
       Ökokosten-Rucksack). PIAF: SPD besonders skeptisch, FDP ähnlich.
       
       … wie Lichtverschmutzung: Nächtens sind Ampelanlagen bisweilen in einer
       Richtung auf gelbes Blinken umgestellt. Wer gleich daneben sein
       Schlafzimmer hat, wird die Dauerdisko hassen.PIAF: Gelb deutlich
       aufgewertet, Blinken sorgt für Aufmerksamkeit.
       
       ## M
       
       … wie Mittelinsel: Rettungsbereich für langsame FußgängerInnen bei langen
       Wegen über eine Kreuzung. Längere Grünphasen würden Autoverkehr unzumutbar
       ausbremsen. Also Offenbarungseid einer menschenfreundlichen
       Verkehrspolitik.
       
       … wie Musk-Murks: Kürzlich hat ein autonom fahrender Tesla den aufgehenden
       Mond mit einer gelben Ampel verwechselt und ist stehen geblieben. PIAF:
       Nicht automatisch vor den Liberalen erstarren!
       
       ## N
       
       … wie Nachts um halb 3: warten Deutsche an der roten Fußgängerampel.
       
       … wie Nachts um halb 4 auch: Vielleicht sind es sogar noch die gleichen.
       Standfestigkeit zählt zu den wichtigsten Charaktereigenschaften in diesem
       Land. Dazu gehört das eiserne Stehenbleiben vor jedweder roten Ampel, auch
       auf weit einsehbarer, einsamer Straße, selbstverständlich auch zu Fuß. Im
       Bahnverkehr hat das seine farblose Analogie: „Bevor der Deutsche eine
       Revolution anzettelt“, so Lenin einst (möglicherweise war es in Wahrheit
       Trotzki), „kauft er sich erst mal eine Bahnsteigkarte.“ PIAF: Fraglich –
       vor Rot stehen alle stramm? Sicher: Revolutionär ist an der Berliner Ampel
       nichts, bislang scheint sie eher bahnsteigkartengewöhnlich.
       
       ## P
       
       … wie Pförtnerschaltung: Schaltung von Ampelanlagen zur gezielten Steuerung
       des Verkehrs. Dadurch soll ein maximaler Zufluss von Fahrzeugen einen
       Engpassabschnitt (also mittlerweile fast überall) entlasten. Folgen:
       Genervte FahrzeugführerInnen suchen sich andere Wege. Kann auch helfen,
       Hubraumverkehre von Wohn- in Industriegebiete zu verlagern. Gern von
       Freifahrtbürgern als Rote Welle beschimpft. PIAF: Rote Welle. Wahlergebnis
       SPD.
       
       ## R
       
       … wie Rekorde: Das bayerische Eichstätt ist deutscher Rekordhalter: 37
       Ampeln an einer völlig verbauten Kreuzung, um alle Abbiegevarianten und die
       Querung einer Bahnlinie vermeintlich zu perfektionieren. Anlass für viel
       Ärger und Herumsteherei. Zudem wurde eine Fußgängerampel vergessen. Die
       englische Kleinstadt Beverley ist stolz auf einen Ampelwald von 42
       Exemplaren. Vorher war dort ein schnöder Kreisverkehr. PIAF: Böswillige
       könnten auf die Idee kommen, in Rathäusern wird von Ampelherstellern noch
       ein privater Bonus für Aufträge abgeliefert.
       
       … wie Rotlichtverstoß: Kostet. Manchmal auch den FührerInschein.
       
       ## S
       
       … wie Sprichwort: „Eine Ampel ist ein kleines grünes Licht, das beim
       Näherkommen rot wird“, glauben bisweilen enttäuschte WagenlenkerInnen.
       PIAF: Bislang galt, je größer das grüne Licht zu werden scheint, desto mehr
       Gelb dringt durch.
       
       … wie Symbole: Rot-Gelb-Grün an Ampelanlagen ist vielfach ergänzbar. Mit
       Rad- und Fußgängersymbolen, westlich nüchtern oder östlich charmant
       („Ampelmännchen“). Je nach Land kommen Rentiere (Finnland), Pferde
       (Mongolei), Hunde oder Engel dazu und viele abenteuerliche Kuriositäten.
       Längst sind auch Ampelfrau (offizielle Premiere: Zwickau 2004) und Paare
       dazugekommen, in Holland seit 2000 die Symbol-Sophie, Mainzelmenschchen in
       Mainz, der Bergmann in Duisburg, Wikinger in Dänemark, das aufgeklebte
       Hanfblatt, ein AKW-nee-Hinweis und vieles mehr. In Augsburg gibt es an
       einer Fußgängerquerung mit einer Straßenbahnstrecke die Bodenampel
       („Bompel“), eine Reihe roter Lichter im Asphalt. Die Bompel will die vom
       Smartphone ablenkte „Generation Kopf unten“ vor Unfällen schützen.
       
       ## T
       
       … wie Tut-tut!: Vordermann oder -frau träumt, Hintermann oder -frau hupt.
       Oder noch anders. (siehe auch Dauerrot (ungewollt); Knutschen).
       
       ## U
       
       … wie Urlaub: Zwei Wochen des Lebens steht jeder Autofahrer hierzulande
       wartend vor einer roten Ampel. Viel? Das ist gerade mal ein Urlaub.
       
       ## V
       
       … wie Verkehrspolizisten: Waren bis weit bin die 60er Jahre als lebendige
       Beamtenampeln im Einsatz. Farblos, dafür mit Armzeichen und Drehungen.
       Regel: „Siehst du Brust oder den Rücken, musst du auf die Bremse drücken.“
       / „Siehst du die Hosennaht, dann hast du freie Fahrt.“
       
       ## W
       
       … wie Wartezeit: Ein Countdown bis zum Umspringen auf Grün wird, anders als
       manchmal in Frankreich, Irland, Japan oder den USA, sehr selten angezeigt.
       Grund: zu teuer. Ausnahmen sind Sekundenzähler etwa an der Fußgängerampel
       am Hamburger Hauptbahnhof. Beliebter sind vage Hinweise wie „Signal kommt“
       – irgendwann. PIAF: Hoch. Da werden Vorhaben manchmal auch umgesetzt,
       irgendwann.
       
       … wie Wechselfarben: An der Verkehrsampel leuchten immer nur maximal zwei
       Farben gleichzeitig. PIAF: Gegensätzlich. Hier wollen alle immer
       gleichzeitig leuchten.
       
       ## Z
       
       … wie Zukunft (Gedankenspiel): Gäbe es im Straßenverkehr ein geschmeidig
       funktionierendes Netz aus schnell getakteten E-Bussen und Tramlinien, viel
       Platz für Rad- und Fußverkehr, alles temporeduziert, aber keine Autos,
       wären Kreuzungen vermutlich ausreichend durch „rechts vor links“ geregelt.
       Und für FußgängerInnen gäbe es gut einsehbare, abgedrempelte Zebrastreifen
       als Querungshilfe. Jetzt erfindet plötzlich jemand eine stinkende, massiv
       platzraubende, rasende Blechdose zum Individualtransport mit einem absurden
       Kosten-Nutzen-Verhältnis, er würde es Automobil, also Selbstbeweger, nennen
       – dann a) wären Verwunderung und Skepsis vermutlich groß und b) müsste
       wegen plötzlich massiver Gefahren ganz schnell noch jemand Ampeln erfinden.
       
       16 Jan 2022
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernd Müllender
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ampel-Koalition
 (DIR) Verkehr
 (DIR) Alphabet
 (DIR) Führerschein
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Verkehrswende
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) 100 Jahre Verkehrsampeln: Wider das gängelnde Rot
       
       Am 15. Dezember 1924 ging in Berlin die erste Ampel Deutschlands an. Für
       Fußgänger sind sie Ärgernis und Gefahr. Lobbyisten fordern daher ein
       Ampel-Aus.
       
 (DIR) Zwei Jahre Nutri-Score: Manchmal ist sie zu Unrecht grün
       
       Seit zwei Jahren soll die Lebensmittelampel Nutri-Score
       Verbraucher:innen vor Zucker- und Fettbomben warnen. Das klappt aber
       nur bedingt.
       
 (DIR) Umweltaktivist über Verkehr in Madrid: „Autofreie Städte sind die Zukunft“
       
       Madrid gehörte zu den ersten Städten, die Individualverkehr aus der City
       verbannten. Doch das Verbot hielt nicht. Was ging schief?
       
 (DIR) Vorabdruck eines Fahrradromans: Geschichten aus der Verkehrswende
       
       In „Die Zahl 38.185“ ist Aachen Kriegsschauplatz. Radler und Autofahrer
       befehden sich so obsessiv, dass einige sogar in Therapie müssen. Nur
       Satire?
       
 (DIR) Braunkohleprotest bei Garzweiler: Warten auf die neue Abrisskante
       
       Im Dorf Lützerath bereiten sich AktivistInnen darauf vor, dass Fahrzeuge
       zum Abholzen und Abreißen anrücken. Am Horizont stehen Windräder – still.