# taz.de -- Neue Musik aus Berlin: Symphonie einer Hauptstadt
       
       > Die Soundcollage „Espacios En Soledad“ von Paula Schopf ist das Dokument
       > einer sich vorsichtig umhörenden Rückkehr.
       
 (IMG) Bild: Paula Schopf
       
       Einen Einreisestempel zum Perkussionsinstrument zu machen, ist nicht die
       schlechteste Art, mit Formalitäten umzugehen. Dass es obendrein noch gut
       klingt, ein wenig nach einer gedämpften Basstrommel, lässt sich in der
       zweiten Minute von [1][Paula Schopfs Soundcollage „Espacios En Soledad“]
       hören.
       
       [2][Schopf ist eine chilenische Klangkünstlerin]. Mitte der Siebzigerjahre
       musste ihre Familie vor der Pinochet-Diktatur nach Frankfurt am Main
       fliehen; sie selbst ist Anfang der Neunzigerjahre ein zweites Mal nach
       Deutschland gekommen, diesmal freiwillig in die Techno- und Elektronikszene
       Berlins, deren Clubsounds sich für lange Zeit über die Klänge Chiles legen
       sollten.
       
       „Espacios En Soledad“ ist das Dokument einer sich vorsichtig umhörenden
       Rückkehr. Paula Schopf hat die Symphonie einer Hauptstadt montiert, die
       Flugzeug- und Flughafengeräusche, die Ankunft in Santiago de Chile, den Weg
       über die Paseo de Ahumada, eine Fußgängerachse, die auf den Plaza de Armas
       führt, dorthin, wo sich in Lateinamerika am Sonntag alles trifft.
       
       „Espacios En Soledad“, der Titel legt nahe, dass Schopf in den Trubel nicht
       ganz eintauchen kann, auch wenn ihr Essen angeboten wird und sich
       Liebeslieder der linken Folksängerin Violeta Parra durch die Komposition
       ziehen.
       
       Gesungen von einer alten Dame, mit dem Schlaf kämpfend, während um sie ein
       Mensch im Mickey Mouse-Kostüm scharwenzelt. Das ist auf der
       fünfzehnminütigen Platte nicht zu hören, aber Paula Schopf erinnert sich an
       das Sinnbild, während sie aus Puntas Arenas telefoniert, der Geburtsstadt
       des neuen progressiven Präsidenten Gabriel Boric. Ihr Aufnahmeequipment hat
       sie dabei.
       
       Auf der Website von Paula Schopf lassen sich zwei frühe Versionen von
       „Espacios En Soledad“ anhören und ansehen, eine davon von [3][2017 aus dem
       Kesselhaus Berlin], die andere vom [4][„Heroines of Sound“-Festival 2018].
       
       26 Dec 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://paulaschopf.de/work/espacios-en-soledad-2/
 (DIR) [2] https://paulaschopf.de/
 (DIR) [3] https://paulaschopf.de/work/klangliche-mythologie-espacios-de-soledad/
 (DIR) [4] https://paulaschopf.de/work/espacios-en-soledad-2/.
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Robert Mießner
       
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