# taz.de -- Abgang der grünen Wirtschaftssenatorin: Kein Zurück in die zweite Reihe
       
       > Ramona Pop will nicht als Senatorin in Berlin weiter machen. Ihre Zukunft
       > könnte im Bund liegen – dafür gibt es ein prominentes Vorbild.
       
 (IMG) Bild: Noch eineinhalb Monate Senatorin in Berlin: Ramona Pop, hier am Mittwoch im Abgeordnetenhaus
       
       Es kommt nicht überraschend: Dass Ramona Pop, mehr als ein Jahrzehnt das
       prägende Gesicht der Berliner Grünen, [1][künftig nicht mehr Senatorin sein
       will], weder für ihr jetziges Ressort Wirtschaft noch für ein anderes, ist
       zwangsläufig. Wer wie sie so lange – sieben Jahre als Fraktionsvorsitzende,
       fünf Jahre als Vize-Regierungschefin und Kopf der Grünen im Senat – die
       Nummer eins war, der oder die kann nicht wirklich im selben Umfeld auf
       zweiter Ebene arbeiten.
       
       Der Spitzenplatz aber ist künftig durch Bettina Jarasch besetzt, die als
       Spitzenkandidatin nun naturgemäß auch im Senat erste Grüne wird, wenn die
       Koalitionsgespräche nicht scheitern.
       
       20 Jahre lang ist es für die erst 44-Jährige in der Landespolitik nur
       vorangegangen: jüngste Abgeordnete, Haushaltsexpertin, Fraktionschefin,
       Senatorin. Ressortchefin zu bleiben, aber eine Etage unter Jarasch, ist da
       keine Option. Wobei es zwar gegen alle Logik und Wertschätzung, aber bei
       den Berliner Grünen nicht ausgeschlossen wäre, dass die sie gar nicht im
       Amt gehalten hätten.
       
       ## Ein Parteitag düpierte Pop
       
       Denn im Landesverband hat man es Pop nicht immer leicht gemacht, hat darauf
       gedrängt, dass sie ihr Abgeordnetenmandat aufgibt (was sie nicht tat), dass
       sie ihren Staatsekretär mit CDU-Parteibuch entlässt, und blamierte sie in
       einer zentralen Frage: Denn Ende 2019 wollte Pop als Wirtschaftssenatorin
       die Automobilmesse IAA von Frankfurt nach Berlin holen und sie als
       Plattform für Elektromobilität nutzen, ein zentrales Thema für sie als
       Senatorin. Doch [2][der Landesparteitag lehnte das ab], Pop hatte danach am
       Rande des Grünen-Treffens Tränen im Gesicht.
       
       Angesichts der parallelen Regierungsbildung auf Bundesebene kann es gut
       sein, dass Pop dort als Staatssekretärin weiter wirkt – die Ministerposten
       dürften weg sein. Dort dürfte man bemerkt haben, wie souverän Pop in der
       Coronakrise auftrat und wie schnell sie mit dem Finanzsenator
       Hilfszahlungen auf den Weg brachte.
       
       Wie es geht, die Berliner Landespolitik zu verlassen und doch in
       politischen Spitzenjobs zu bleiben, konnte Pop bei ihrem früheren
       Co-Fraktionschef Volker Ratzmann beobachten: Der ging nach seinem
       unfreiwilligen Abgang in die baden-württembergische Landesvertretung, wurde
       Winfried Kretschmanns Mann in Berlin und 2016 Staatssekretär.
       
       3 Nov 2021
       
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