# taz.de -- Neues Album von Abba „Voyage“: The Way Old Friends Do
       
       > Altbacken? Von wegen, das neue Album von Abba ist generationsübergreifend
       > und das Ding des Jahres.
       
 (IMG) Bild: Waren auch mal jung: Abba
       
       Gewiss, das Marketing für dieses Produkt wird kostspielig gewesen sein, und
       bis zur allerletzten Raffinesse des Merchandising hat man gedacht, eine
       grüne Vinylscheibe inklusive. Die ist aber schon ausverkauft, schon jetzt
       überteuer rar, doch noch zu haben ist das Album schlechthin: „Voyage“, zehn
       Lieder der größten Popband aller Zeiten, eingespielt von vier rüstigen
       Menschen aus Schweden, kurz: von [1][Abba].
       
       Die erste Platte der vier Früh- bis Mittsiebziger seit 1981, das ist
       erdkugelweit das Ereignis wenigstens dieser Woche, rief man irgendeinen
       Freund an, lautete immer die erste Bemerkung ungefähr so: „Ich bin gerade
       in Abba vertieft, wird noch dauern“, begleitet von tiefen Glücksseufzern.
       
       Denn: Hätte ja wie Greatest-Hits-Edelabfall klingen können, tut es nicht.
       Alles wie Anna-Frid Lyngstad, Björn Ulvaeus, Agnetha Fältskog und Benny
       Andersson, das letzte Popquartett, das sanft („Quichitita“) immer etwas
       melancholisiert („One Man, One Woman“), tief ernst („Dancing Queen“) und
       selbst in den ironischen Passagen („Me and I“) noch heiter und zugleich
       düster, als hätten sie um ihre eigene Endlichkeit gewusst. Abba ist die
       Band, die sich keine Aggressionen nach außen erlaubte, Toxisches wie Dreck
       mied und politisch ex- wie implizit für das Gute stand, die bessere Welt,
       Öko, Gendergerechtigkeit, thematisiert in Liedern zu Leid und Aufbruch.
       
       [2][„Voyage“], aus dem Moment heraus geurteilt: das Ding des Jahres, ist
       modeunabhängig, generationsübergreifend abbaesk und furchtbar ergreifend.
       Alle Lieder no and zero Zeitgeistquatsch, sie erörtern vielmehr die Wunden
       und Narben aus der Vergangenheit – und finden so etwas wie Frieden. Das
       hört sich pathetisch und ergreifend an, die Stimmen der beiden Frauen
       akkurat gemischt zu einem dritten (Über-)Ton. Um es mit einem alten Lied zu
       sagen: „The Way Old Friends Do“. Reklame ganz unnötig, die Zeichen der Zeit
       können jetzt verstanden werden. Geht doch!
       
       5 Nov 2021
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ueber-den-Erfolg-von-Abba/!5178827
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=pJBGk9Hed8o
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jan Feddersen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Pop
 (DIR) Schweden
 (DIR) Popkultur
 (DIR) Popstar
 (DIR) Popmusik
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Baltimore
 (DIR) Schwerpunkt Eurovision Song Contest
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) 50 Jahre Abba: Einmal die Königin sein
       
       ABBA gewannen vor 50 Jahren mit „Waterloo“ den ESC – und veränderten Pop
       für immer. Am Anfang gab es Hass, die Band blieb aber liebenswürdig.
       
 (DIR) Abba als Hologramme in London: Vorsicht, die Abbatare kommen
       
       In der „ABBA-Arena“ können Fans ihre Lieblingsband als Hologramme erleben.
       Sie sind 40 Jahre jünger, die Performance immergleich. Ist das geil?
       
 (DIR) Heino und das Deutschlandlied: Immer weiter mit dem „über alles“
       
       Im Riverboat vom RBB zeigt sich Heino als recht trotziger Sänger. Der
       Umgang damit in der Talkrunde ist wenig vorbildlich.
       
 (DIR) Neues Album von US-Poptalent Snail Mail: Teufel mit der süßen Stimme
       
       Snail Mail nennt sich US-Sängerin Lindsay Jordan. Griffig bringt sie
       Probleme des Heranwachsens in Songs, auch auf ihrem Album „Valentine“.
       
 (DIR) Eurovision Song Contest und Klimakrise: Das eurovisionäre Klima
       
       Für eine sanfte Öko-Message ist in den Liedern des Eurovision Song Contest
       Platz. Allzu politisch dürfen sie dabei aber nicht ausfallen.