# taz.de -- Extinction Rebellion-Aktionen in Berlin: XR gehört rehabilitiert
       
       > Die Aktionen der Klimaschützer*innen sind mutig und bildstark und
       > treten genau jenen auf die Füße, die einem ökologischen Umbau im Wege
       > stehen.
       
 (IMG) Bild: Die Polizei beendet am Freitag, 20. August, eine XR-Aktion auf dem Brandenburger Tor
       
       Die Klimaschutzbewegung Extinction Rebellion nervt: all jene, denen die
       Blockadeaktionen im Straßenverkehr ein Dorn im Auge sind, aber auch viele
       Linke, die sich für gewöhnlich nicht an [1][Aktionen des Zivilen
       Ungehorsams] stören. Übel genommen werden XR die [2][Holocaust-Vergleiche
       und relativierenden Äußerungen ihres britischen Mitbegründers Roger Hallam]
       sowie die Art und Weise der Politikvermittlung ihrer Aktivist*innen:
       Weltuntergangsraunen gepaart mit persönlicher Opferbereitschaft.
       
       Nun gibt es an den Aussagen Hallams nichts zu entschuldigen, doch sie
       liegen bereits zwei Jahre zurück, und die deutsche XR-Sektion hat sich
       davon schnell und glaubhaft distanziert. Auch das Unbehagen gegenüber dem
       Auftreten der Klimaschützer*innen ist nachvollziehbar, man muss Bilder
       nicht gutheißen, auf denen sie an Galgen hängen oder auf schmelzenden
       Eisblöcken stehen. Im Kern ist das aber nicht mehr als eine Stilkritik.
       Politisch, das hat die [3][Aktionswoche August Rise up] deutlich vor Augen
       geführt, gehört Extinction Rebellion endgültig rehabilitiert.
       
       In Berlin gab es in dieser Woche unter anderem Blockaden vor den Büros des
       Bauernverbandes, dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft,
       der Landesvertretung Nordrhein-Westfalens, [4][dem Wirtschaftsrat der CDU].
       Aktionen richteten sich gegen den Lobbyverband „Gas Zukunft“ und die
       Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.
       
       Mit Chuzpe, aber letztlich erfolglos wurde zudem versucht, ein Camp im
       Monbijoupark durchzusetzen. Während linke Demos bevorzugt durch ihre
       Kreuzberger Kieze latschen, tritt XR genau jenen Akteuren auf die Füße, die
       einem ökologischen Umbau der Gesellschaft im Wege stehen.
       
       ## Das verdient Anerkennung
       
       Die Klimaaktivist*innen tun das mit Mut und einer kreativen
       Bildsprache, die in der außerparlamentarischen Bewegung auch nicht
       allenthalben zu finden ist. Eine großflächig mit Kunstblut beschmierte
       Fassade der CDU, ein NRW-Landeslogo, das zu einem N-RWE umgewandelt wurde,
       das Eindringen beim Wirtschaftslobbyverein mit CDU-Kontakt unter der
       Tarnung als Junge Union-Mitglieder, das Erklettern von Dächern, Ankleben
       von Händen und Füßen oder Festschließen zeigen die Bandbreite auf.
       
       Die Aktionen sind aufwändig, materialintensiv und plakativ. Muss man mehr
       über die Regierungspolitik der CDU sagen, als es XR auf einem im
       Parteidesign gehaltenen Transparent getan hat: „16 Jahre regiert, die Lobby
       stets hofiert – das Klima ruiniert“?
       
       Die Klimakrise ist real, die Blockierer*innen von Veränderungen sind
       mächtig, die Werkzeuge der Klimabewegung oftmals nicht durchschlagend. XR
       versucht das zu ändern. Das verdient Anerkennung.
       
       21 Aug 2021
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Erik Peter
       
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